Jede Stiftung kann zu mehr Klimaschutz beitragen

Jede Stiftung kann zu mehr Klimaschutz beitragen
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03.11.2020
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Stiftungsvermögen, Förderkriterien, Veranstaltungsorganisation: Es gibt viele kleine Hebel, über die Stiftungen klimafreundlich agieren und damit auch eine gesellschaftliche Vorreiterrolle einnehmen können. Stiftungshandeln ist jetzt gefragt.

Das Jahr 2020 hat uns alle vor große Herausforderungen gestellt und gezeigt, wie wichtig Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung in der Gesellschaft sind. Eine viel größere Aufgabe liegt jedoch noch vor uns und ist im Zuge der Pandemie in den Hintergrund geraten: Werden wir es schaffen, unsere weitere Entwicklung nachhaltig zu gestalten und das Klima zu schützen, sodass wir uns und nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Zukunft ermöglichen?

Trotz Pandemie: Klimaschutz bleibt zukunftsentscheidende Aufgabe

Mit ihrem renommierten Umweltpreis hat die Deutschen Bundestiftung Umwelt (BDU) jüngst den Fokus klar auf das Thema Klima gelegt. Er wurde an Preisträger verliehen, die klimarelevant arbeiten und mögliche Lösungswege aufzeigen: Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, der am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) als stellvertretender Direktor und Chefökonom tätig ist, und Annika und Hugo Sebastian Trappmann, Geschäftsführer der Blechwarenfabrik Limburg, die durch einen Neubau des Betriebs nun weniger Rohstoffe verbrauchen und eine Reduktion von 2.600 Tonnen Kohlendioxid umsetzen. Zudem gab es einen Sonderpreis für den Insektenforscher Dr. Martin Sorg, der gemeinsam mit dem entomologischen Verein Krefeld auf die Folgen des Artensterbens aufmerksam gemacht hat.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte bei der Verleihung des Umweltpreises ein Grußwort gesandt, in dem er dazu aufrief, während der derzeitigen Pandemie andere wichtige und relevante Aufgaben, die über unsere Zukunft entscheiden, nicht zu vergessen. Dazu gehört sicherlich der Klimaschutz. Für dieses breite Thema brauche es Beiträge aller Menschen, Organisationen, Institutionen und der unterschiedlichsten Disziplinen, um gemeinsam die Ursachen und Folgen des Klimawandels mindern zu können und klimaverträgliche Ansätze für unsere weitere Entwicklung zu finden.

Stiftungshandeln ist jetzt gefragt

Das Gute ist: Jeder kann zum Klimaschutz beitragen – es gibt vergleichsweise einfache Möglichkeiten, damit zu starten. Für Stiftungen hat der Bundesverband Deutscher Stiftungen in dem Bericht “Gemeinsam zu mehr Nachhaltigkeit: Das Potenzial des Stiftens für die SDGs” einfache Herangehensweisen herausgearbeitet, wie Stiftungen zu den SDGs beitragen können, und damit auch zu dem SDG 13, in dem es darum geht, umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Folgen zu ergreifen. Konkret kann das sein:

Die Kapitalanlage wird als erstes großes Feld des Beitrags genannt: Dort hat jede Stiftung einen starken Hebel, um etwas zu erreichen, nämlich durch Anlageformen, die Klimaschutz berücksichtigen. Bekannt ist zum Beispiel die Divestment-Bewegung, über die Investitionen aus den Bereichen Kohl-, Öl- und Gasunternehmen herausgelöst werden, um sie in nachhaltige, klimaverträgliche Investitionen zu lenken. Ein erster Schritt ist hier, die eigenen Investments genau zu prüfen, um zu sehen, inwieweit sie den Klimaschutz unterstützen, klimaneutral sind oder gegebenenfalls klimaschädliche Aspekte aufweisen. Auf dieser Basis können die Anlagestrategie und das Portfolio schrittweise optimiert werden. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat zum Thema Nachhaltigkeit verschiedene Publikationen herausgegeben und fünf Schritte für die Entwicklung und Umsetzung der Kapitalstrategie zusammengestellt.

Ganz gleich ob Sie im Rahmen einer Stiftung mit Umwelt- und Klimabezug arbeiten oder nicht, können Sie Klimaschutz über ihre Projekte und Fördergelder fördern. Die Stiftung Mercator zum Beispiel möchte mit ihren Projekten die weitere Ausbreitung des Klimawandels verhindern und fördert daher Projekte im Bereich Wissenschaft, Umsetzung politischer Strategien und Unterstützung für Strategien und Umsetzung. Über die Kriterienkataloge für Projekt- und Fördervergabe können Sie Klimaschutz in allen Aktivitäten Ihrer Stiftung verwirklichen.

In der eigenen Organisation gibt es in der Regel recht viele Ansatzmöglichkeiten, die geprüft und umgesetzt werden können: Zum Beispiel die Auswahl von Strom, elektrischen Geräten und Kurierdiensten, Gestaltung der Reisen und Veranstaltungen, Einsparung von Energie. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat als Einstieg eine Liste für die Organisation von klimaneutralen Veranstaltungen zusammengestellt und aufgezeigt, welche Maßnahmen zur CO2-Reduzierung bereits in der Geschäftsstelle des Bundesverbandes umgesetzt werden.

Ein weiteres wichtiges Feld ist die Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern zu Klimaschutzthemen. Stiftungen sind über ihre Aufgaben nah an der Gesellschaft und können hier konkret beitragen – so wie es zum Beispiel die European Community Foundation Initiative (ECFI) und viele ihrer Mitglieder im Bereich nachhaltiger Entwicklung auch schon tun. Mit Blick auf Politik und Wirtschaft sind Advocacy, politische Fürsprache und Aufzeigen von Problemen mögliche Bereiche der Stiftungen, wie sie zum Beispiel von der Stiftungsplattform Foundations 20 (F20) wahrgenommen werden.

Stiftungen können Vorreiter sein

Die Meldungen, die uns zum Stand der Klimaänderungen erreichen – ganz gleich ob es um Artensterben, Eisschmelze in der Antarktis oder andere Themenbereiche geht –, zeigen, dass das gemeinsame Handeln aller dringend nötig ist. Stiftungen können durch ihre Nähe zur Gesellschaft und ihrer Kontakte zu Politik, Wirtschaft und Wissenschaft Vorreiter und Beispiel sein, sich klimagerecht zu verhalten – und dieses Verhalten zur neuen Normalität machen. Wichtig sind die ersten Schritte im Kampf gegen den Klimawandel: Am besten mit Dingen, die sich einfach und kostengünstig umsetzen lassen. Von dort aus kann man dann Schritt für Schritt weiterarbeiten.

Kommunizieren Sie darüber, was Sie machen, wo Sie Erfolge haben und wo Sie gelernt haben. Das ist eine sehr gute Möglichkeit, um möglichst viele andere Menschen und Organisationen dazu zu bewegen, sich auch für den Klimaschutz einzusetzen. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen bietet auf der Website konkrete Informationen, was Stiftungen für den Klimaschutz tun können. Die Arbeitskreise des Bundesverbandes bieten zudem die Möglichkeit, sich zu dem Thema auszutauschen. Insbesondere der Arbeitskreis Umwelt hat einiges an Vorarbeit geleistet, zum Beispiel durch das Leitbild für klimafreundliche Stiftungen oder das Impulspapier Stiftungen und Klimaschutz.

Auch ein Blick zu den Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit lohnt sich. Die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH hat zum Beispiel ihre Umweltziele auf Basis der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und Stakeholderdialogen erarbeitet und setzt das Umweltmanagement in Deutschland über das EMAS (Eco Management and Audit Scheme), das eine Zertifizierung für betriebliches Umweltmangement ist, um. Im Ausland arbeitet die GIZ auf Basis des Corporate Sustainability Handprint® (CSH), einem Instrument zusätzlich zum ökologischen Fußabdruck, um die positiven Beiträge darzustellen.

Kontaktieren Sie uns gerne, um Fragen und Ideen zu besprechen oder Austauschpartner zu finden.

Dr. Annette Kleinbrod

EZ-Scout der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Entsandt an: Bundesverband Deutscher Stiftungen

Telefon (030) 89 79 47-0

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