Grundsätze guter Stiftungspraxis

Orientierungsrahmen für effektives Stiftungshandeln

Immer mehr Stiftungen gestalten ihre Stiftungsarbeit entsprechend den Grundsätzen guter Stiftungspraxis und haben sich per Gremienbeschluss hierzu bekannt. Der Bundesverband wünscht sich eine möglichst breite Diskussion zu ihrem Inhalt und zur praktischen Anwendbarkeit. Auch freuen wir uns und bitten um Mitteilung, wenn Sie in Ihrer Stiftung die Grundsätze guter Stiftungspraxis veröffentlicht und eventuell sogar für verbindlich erklärt haben, wie es manche Mitgliedsstiftungen bereits getan haben.

KÜnftig wird es darum gehen, die einzelnen Themenfelder der Grundsätze, wie z.B. das Transparenzgebot und Einzelheiten zur Interessenkollision, im Diskurs zu vertiefen und ggf. einzelne Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Zu einer Beteiligung an diesem Prozess sind Sie als unsere Mitglieder herzlich eingeladen.

Der Bundesverband selbst wendet die Grundsätze guter Stiftungspraxis selbstverständlich soweit an, wie sie für einen Verein sinngemäß überhaupt anwendbar sein können.

Zu den handelnden Personen 
Stiftungsorgane, Stiftungsverwalter und Stiftungsmitarbeiter orientieren sich im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben des Gemeinnützigkeits-­ und Stiftungsrechts bei ihrer Tätigkeit insbesondere an folgenden Grundsätzen:

  • Grundsatz 1: Sie verstehen sich als Treuhänder des im Stiftungsgeschäft und in der Satzung formulierten Stifterwillens. Sie sind der Satzung verpflichtet und verwirklichen den Stiftungszweck nach bestem Wissen und Gewissen.
  • Grundsatz 2: Das in ihre Obhut gegebene Vermögen ist in seiner nachhaltigen Ertragsfähigkeit zu erhalten.
  • Grundsatz 3: Das Rechnungswesen bildet die wirtschaftliche Lage der Stiftung zeitnah, vollständig und sachlich richtig ab.
  • Grundsatz 4: Die Verwaltungsausgaben bewegen sich in einem angemessenen Rahmen.
  • Grundsatz 5: Sie anerkennen Transparenz als Ausdruck der Verantwortung von Stiftungen gegenüber der Gesellschaft und als ein Mittel zur Vertrauensbildung. Sie stellen daher der Öffentlichkeit in geeigneter Weise die wesentlichen inhaltlichen und wirtschaftlichen Informationen über die Stiftung (insbesondere über den Stiftungszweck, die Zweckerreichung im jeweils abgelaufenen Jahr, die Förderkriterien und die Organmitglieder) zur Verfügung.
  • Grundsatz 6: Sie veröffentlichen ihre Bewilligungsbedingungen und setzen, soweit geboten, unabhängige Gutachter oder Juroren ein.
  • Grundsatz 7: Gesetzliche Auskunftspflichten werden rasch und vollständig erfüllt.
  • Grundsatz 8: Die Mitglieder der Stiftungsorgane handeln informiert, integer und verantwortungsvoll. Ehrenamtlich tätige Organmitglieder sind trotz ihrer übrigen Verpflichtungen bereit, die erforderliche Zeit und Sorgfalt für die Stiftungsarbeit zur Verfügung zu stellen.
  • Grundsatz 9: Mitglieder von Kontroll­- und Beratungsgremien sind grundsätzlich unabhängig von den für die operative Tätigkeit verantwortlichen Organen und werden von diesen umfassend und wahrheitsgemäß informiert.
  • Grundsatz 10: Die Stiftungsorgane sorgen für die regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit der Stiftungsprogramme, vor allem im Hin blick auf die Verwirklichung des Satzungszwecks, die Effizienz des Mittel einsatzes und im Hinblick auf das Verhalten gegenüber Fördersuchenden sowie der Öffentlichkeit; sie fördern entsprechendes Verhalten ihrer Mitarbeiter.

Zur Vermeidung von Interessenkonflikten 
Für Mitglieder der Stiftungsorgane, der Kontroll-­ und Beratungsgremien und für Stiftungsmitarbeiter gilt, dass sich niemand bei seinen Entscheidungen von eigennützigen Interessen leiten lässt. Insbesondere beachten sie folgende Grundsätze:

  • Grundsatz 13: Sie legen die Anhaltspunkte für einen Interessenkonflikt im Einzelfall unaufgefordert offen und verzichten von sich aus auf eine Beteiligung am Entscheidungsprozess, wenn dieser ihnen oder einer nahestehenden Person einen unmittelbaren Vorteil oder Nachteil bringen kann. Auch persönliche oder familiäre Beziehungen zu den Fördersuchenden und zu Dienstleistungsunternehmen werden offen kommuniziert.
  • Grundsatz 14: Sie verzichten auf vermögenswerte Vorteile, die ihnen von interessierter Seite verschafft werden. Dies gilt auch dann, wenn die Verknüpfung von Vorteil und Gegenleistung nicht unmittelbar oder erst zukünftig zu erwarten ist.

Mit unserem Web-Icon machen Sie die Öffentlichkeit (z.B. im Impressum der Internetseite, aber auch im Jahresbericht) darauf aufmerksam, dass Ihre Stiftung den Grundsätzen guter Stiftungspraxis folgt. Sie können die Datei kostenfrei nutzen, sofern sich die Gremien per Beschluss zu den Grundsätzen bekannt haben. Für weiterführende Informationen bietet es sich an, das Icon auf www.stiftungen.org/ggs zu verlinken.

Ein öffentliches Bekenntnis ist auch bedeutsam im Hinblick auf eventuelle Zustiftungen. Nur Stiftungen, die sich zu den Grundsätzen bekennen und ein Minimum an Transparenz praktizieren – z.B. durch Veröffentlichungen im Internet entsprechend den Vorgaben der Initiative Transparente Zivilgesellschaft –, kommen für den Verband als potenzielle Empfänger von Zustiftungen infrage.

Bitte informieren Sie uns daher, sobald Sie den Grundsätzen guter Stiftungspraxis folgen.

Grundsätze guter kirchlicher Stiftungspraxis
verabschiedet vom Arbeitskreis Kirchen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen

Guiding Principles of Good Practice for Foundations
Englische Fassung der Grundsätze guter Stiftungspraxis

DZI Spenden-Siegel: Zeichen für Vertrauen

Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen/DZI

efc Revised Principles of Good Practice
European Foundation Centre (efc)

Empfehlungen für die Errichtung und Verwaltung von Stiftungen der öffentlichen Hand
verabschiedet vom Arbeitskreis Stiftungen der öffentlichen Hand des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen

Empfehlungen für die Verwaltung kommunaler Stiftungen
verabschiedet vom Arbeitskreis Kommunales des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen

Zehn Empfehlungen für gemeinnützige Unternehmensstiftungen
verabschiedet vom Arbeitskreis Unternehmensstiftungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen

Zehn Merkmale einer Bürgerstiftung
verabschiedet vom Arbeitskreis Bürgerstiftungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen

20 Prinzipien guter Stiftungspraxis
Volkswagen Stiftung 

Swiss NPO-Code
Konferenz der Präsidentinnen und Präsidenten großer Hilfswerke

RA Dr. Verena Staats

Mitglied der Geschäftsleitung
Leitung Justiziariat

Telefon (030) 89 79 47-63

Know-how

Orientierungsrahmen

Grundsätze guter Stiftungspraxis
Anwendungsbeispiele

Erläuterungsband

Grundsätze guter Stiftungspraxis
StiftungsStudie

Stiftungspraxis

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