"Wir kommen da nur durch, wenn wir zusammenhalten"

Meldungen
Foto: nebenan.de

Sebastian Gallander, Geschäftsführer der nebenan.de Stiftung, über Erkenntnisse aus der Corona-Krise für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

"Denn Corona ist über uns gekommen wie ein plötzlicher Schneesturm, der uns gezeigt hat: Wir alle teilen das gleiche Schicksal und wir kommen da nur durch, wenn wir zusammenhalten."
teilen

Die Corona-Krise machte Ihr Stiftungsthema Nachbarschaft plötzlich besonders relevant – wie wirkte sich dies konkret auf Ihre Arbeit aus?
Wir mussten sehr schnell reagieren. Eigentlich organisieren wir ja jedes Jahr im Frühling den „Tag der Nachbarn“, an dem in ganz Deutschland die Menschen, die sonst nur flüchtig aneinander vorbeileben, zu kleinen und großen Nachbarschaftsfesten zusammenkommen sollen. Dies ging nun nicht mehr. Deshalb sagten wir kurzerhand: Jetzt ist Tag der Nachbarn – helfen wir einander! Über all unsere Kommunikationskanäle sammelten und verbreiteten wir Tipps zur praktischen Nachbarschaftshilfe. Und wir starteten eine Hotline, um beispielsweise ältere Menschen, die nicht online vernetzt sind, aber gerade jetzt Unterstützung brauchten, mit hilfsbereiten Nachbarn zusammenzubringen.

Wie gelang ein so kurzfristiger Komplettumbau?
Unsere Stiftung stammt ja aus der digitalen Start-up-Welt, sodass wir uns seit Beginn an schnellen Innovationszyklen orientieren mussten. Und natürlich war es sehr hilfreich, dass wir schon vor der Krise ein stabiles, vielfältiges Partner-Netzwerk aufbauen konnten – von der Diakonie über die Fernsehlotterie bis zum Deutschen Städtetag.

Fällt Ihnen spontan ein besonders Mut machendes Beispiel aus Ihrer Arbeit ein?
Viele kleine gute Taten, wie die der jungen Nachbarin, die für die kranke Dame von nebenan einkaufen geht und ihr den Beutel an die Türklinke hängt, ebenso wie eine ganz große Neuerung: Da viele Mehrgenerationenhäuser deutschlandweit wegen der Infektionsgefahr vorübergehend schließen mussten, suchen wir nun spontan gemeinsam mit ihnen neue (digitale) Wege, um – während wie auch nach der Krise – die Einsamkeit von älteren Menschen zu bekämpfen.

Wie ist Ihr Ausblick auf die Zukunft?
Entweder wir fallen zurück in schädliche Verhaltensmuster von vor der Krise – in Hetze und in einen klimafeindlichen Lebenswandel. Oder wir setzen das fort, was in der Krise plötzlich möglich schien, wie mehr Solidarität und weniger Verkehr. Dies erfordert ein nachbarschaftlicheres Bewusstsein ebenso wie eine bessere digitale Koordination. Wenn wir das hinkriegen, dann kann aus der Krise eine Art Katharsis werden.

Sind Sie da optimistisch?
Ja. Denn Corona ist über uns gekommen wie ein plötzlicher Schneesturm, der uns gezeigt hat: Wir alle teilen das gleiche Schicksal und wir kommen da nur durch, wenn wir zusammenhalten. Diese Erkenntnis müssen wir jedoch stärker weitertragen. Deshalb gibt es nun beispielsweise auch einen neuen Corona-Schwerpunkt bei der soeben gestarteten Ausschreibung unseres jährlichen Deutschen Nachbarschaftspreises.  

Über die Autorin

Esther Spang

Nachbarschaft in der Corona-Krise: ein Zwischenfazit der nebenan.de-Stiftung

Die gemeinnützige nebenan.de-Stiftung fördert nachbarschaftliches Engagement in der Gesellschaft. In einem Interview mit der Stiftungswelt (Ausgabe Sommer 2020) äußerte Geschäftsführer Sebastian Gallander die Hoffnung, die Corona-Krise könne die Menschen in Deutschland ein Stück näher zusammenbringen.

Mehr
Beitrag aus der Stiftungswelt Sommer 2020
Magazin Stiftungswelt

Stiften verbindet

Download
Aktuelle Beiträge
Geschlechtergerechtigkeit

Philanthropie ist ein feministisches Thema

Soll es voran gehen mit der Menschheit, müssen die Stimmen von Frauen durch philanthropische Mittel unterstützt werden, ihre Wahlmöglichkeiten, Partizipation, Bildung und Existenzgrundlagen.

Mehr
Kapital und Wirkung

Stiften von Anfang an

Die ethisch-nachhaltige Geldanlage ist heute eine zweite Säule der ­Stiftungstätigkeit. Weit weniger im Fokus steht die Herkunft der Stiftungsmittel. Doch lässt sich die Frage, ob das Kapital einer Stiftung auf das Gemeinwohl schädigende Weise erwirtschaftet wurde, einfach ausblenden?

Mehr
Stiftungsrecht

Gebührenbefreiung für Gemeinnützige beim Transparenzregister

Viele Stiftungen haben Ende Dezember 2020 Gebührenbescheide vom Bundesanzeiger Verlag erhalten. Was die Bescheide bedeuten und wie sich Stiftungen befreien lassen können.

Mehr

Mehr zum Thema

Meldungen

Kunst ist für alle da

Allzu oft verschwinden herausragende Kunstwerke in privaten Sammlungen – für die Öffentlichkeit sind sie damit verloren. Dem stellt sich seit über 30 Jahren die Ernst von Siemens Kunststiftung entgegen – nicht nur mit Geld, sondern auch mit überaus raschem Stiftungshandeln.

Mehr
Meldungen

"Das Kennenlernen der Mitglieder steht ganz vorn auf meiner Liste"

Seit September 2020 ist Kirsten Hommelhoff neue Generalsekretärin des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Im Interview mit Stifter TV verrät sie, welche Themen im Moment ganz oben auf ihrer Agenda stehen.

Mehr
Meldungen

Stiftungen embedded

Stiftungen möchten wirken und etwas bewirken – und das möglichst langfristig und in der Breite. Was es braucht, damit das gelingt? Wir haben Expertinnen und Experten gefragt und festgestellt: Einige Empfehlungen scheinen stiftungsübergreifend zu gelten.

Mehr