Nachbarschaft in der Corona-Krise: Ein Zwischenfazit der nebenan.de Stiftung

Die gemeinnützige nebenan.de Stiftung fördert nachbarschaftliches Engagement in der Gesellschaft. In einem Interview mit der Stiftungswelt (Ausgabe Sommer 2020) äußerte Geschäftsführer Sebastian Gallander die Hoffnung, die Corona-Krise könne die Menschen in Deutschland ein Stück näher zusammenbringen. Drei Monate später haben wir bei ihm nachgefragt, ob sich diese Hoffnung bestätigt hat.

Herr Gallander, Sie waren im April sehr optimistisch, dass die Corona-Krise den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken könnte. Würden Sie diese Einschätzung heute noch genauso treffen?
Ja, wenn wir uns auf etwas besinnen, was wir in den letzten Monaten viel klarer als zuvor gesehen haben: den unschätzbaren Wert des Füreinander-Da-Seins und der zwischenmenschlichen Hilfe – in Gesundheitswesen, Familie und Nachbarschaft. In der letzten Finanzkrise kam Deutschland auch deshalb relativ glimpflich davon, weil es so viele solide mittelständische Unternehmen hat. In der Corona-Krise halfen uns die vielen engagierten Menschen. Sie sind für die Gesellschaft mindestens so wichtig wie der Mittelstand für die Wirtschaft. Sie sollten mit ganzer Kraft unterstützt werden.

Woran liegt es, dass wir zurzeit die „radikalen Stimmen“ so stark wahrnehmen? Sind es mehr geworden?
Mein Gefühl ist: Es sind gar nicht so viele, sie sind nur besonders laut. Verstärkt wird dies noch durch die Algorithmen der Aufmerksamkeitsökonomie – insbesondere durch Social Media. Dadurch übertönen sie die vielen anderen, die sich im Stillen für ihre Mitmenschen und die Gesellschaft einsetzen. Ihnen sollte viel mehr Gehör verschafft werden. 

Sie veranstalten jedes Jahr den “Tag der Nachbarn”, an dem in ganz Deutschland die Menschen, die sonst eher flüchtig nebeneinander her leben, zu kleinen und großen Nachbarschaftsfesten zusammenkommen. Die diesjährige Veranstaltung musste kurzfristig ganz anders gestaltet werden als geplant. Was haben Sie verändert?
In diesem Jahr haben wir nicht zu Nachbarschaftsfesten aufgerufen, sondern zu kleinen Nachbarschaftshilfsaktionen – selbstverständlich mit den gebotenen Abstands- und Hygienemaßnahmen. Wir konnten natürlich überhaupt nicht absehen, wie die Resonanz sein würde. Am Ende gab es fast 3.000 solcher Hilfsaktionen in ganz Deutschland. Sogar der Bundespräsident nahm dies zum Anlass, um all denjenigen zu danken, die in den letzten Wochen im Kleinen Großes geleistet haben.

Erinnern Sie sich an ein besonders schönes Beispiel für nachbarschaftliche Solidarität in der Krise?
Oh ja. Der zehnjährige Ole aus dem brandenburgischen Pücklerdorf Groß Döbbern zum Beispiel hat handgeschriebene Postkarten an alle Nachbarinnen und Nachbarn im Dorf verteilt, damit sie sich etwas weniger allein fühlen. Sie haben sich unglaublich darüber gefreut und ihn mit Dank, Lob und Schokolade gewürdigt.

Über die Autorin

Esther Spang

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Sebastian Gallander, Geschäftsführer der nebenan.de Stiftung, über Erkenntnisse aus der Corona-Krise für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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