Partizipation und Mitbestimmung in Stiftungen: Der Blick nach innen

Partizipation und Mitbestimmung sind für viele Stiftungen bei ihren Projekten und Programmen selbstverständlich. Aber wie sieht es eigentlich innerhalb der Stiftungen aus? Die aktuellen Zahlen des StiftungsPanels geben einen interessanten Einblick.

In der Befragung ging es um die Einbindung von Zielgruppen sowie um konkrete Beteiligungsformate von Mitarbeitenden innerhalb von Stiftungen. In unserem ersten Beitrag zu dieser Umfrage präsentierten wir bereits die Ergebnisse zur Gremienstruktur und die Bedeutung des Austauschs von Stiftungen mit ihren Zielgruppen.   

Nun richten wir den Blick auf die interne Stiftungsarbeit. Wie transparent und partizipativ arbeiten Stiftungen in sich? Partizipation und Mitbestimmung werden oftmals als Synonyme verwendet. Beim Blick auf die Ergebnisse offenbart sich hier aber ein gewisser Widerspruch: Während die Mehrzahl der Befragten angibt, dass sich ihre Stiftungsmitarbeiter und -mitarbeiterinnen aktiv an der Stiftungsarbeit beteiligen und ihre eigenen Ideen einbringen können, wird in der gleichen Umfrage deutlich, dass weniger als 20 Prozent der Stiftungen Mitarbeitendenbefragungen durchführen.

Stiftungen unterstützen Partizipation

Die Ergebnisse zeigen zum einen, dass die interne Stiftungskommunikation mehrheitlich transparent verläuft und dass sich Stiftungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter offen und aktiv in die Stiftungsarbeit einbringen können. Immerhin gab knapp drei Viertel der Befragten an, dass ihre innere Stiftungsarbeit durch Partizipation geprägt ist. Fast 80 Prozent stimmten der Aussage zu, dass dabei der Anspruch im Hinblick auf Engagement nicht nur nach außen vertreten, sondern auch nach innen gelebt wird.

Letzteres spiegelt sich mitunter darin wider, dass sowohl haupt- als auch ehrenamtliche Mitarbeitende eigene Ideen in ihre Arbeit einbringen können. Fast 80 Prozent der Befragten gaben diesbezüglich an, dass in ihrer Stiftung das Einbringen eigener Ideen begrüßt wird und über 70 Prozentstimmten zu, dass sie dazu ermutigt werden, ihre eigene Haltung zu entwickeln und diese auch aktiv zu vertreten. Der Aussage, dass Entscheidungen in ihren Stiftungen transparent kommuniziert werden, stimmten insgesamt 85,9 Prozent der Befragten zu.

Institutionalisierte Beteiligungsformate fehlen

Zum anderen zeigen die Ergebnisse, dass institutionalisierte Beteiligungsformen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Stiftungen kaum vorhanden sind. Betriebsräte gibt es in lediglich 3,1 Prozent der befragten Stiftungen, 70 Prozent haben keinen Betriebsrat und 47,9 Prozent halten diesen auch nicht für sinnvoll. Andere Formate der Mitarbeitendenvertretung, wie z.B. eine Vertrauensperson, werden von knapp 40 Prozent sogar abgelehnt. Vielmehr zeigt sich, dass Stiftungen bei der Arbeitsorganisation auf das Wissen und die Erfahrungen ihrer Mitarbeitenden setzen und temporäre Arbeitsgruppen (38,5 Prozent) sowie Teambesprechungen und Jour-Fix-Termine (53,6 Prozent) nutzen, um u.a. auch über interne Prozesse zu diskutieren. Darüber hinaus werden Mitarbeitende nur selten zu ihren (langfristigen) Wünschen und Zielen befragt – gerade einmal 16,7 Prozent gaben an, regelmäßige Mitarbeitendenbefragungen durchzuführen.

Anspruch und Wirklichkeit in der Stiftungsarbeit

Im Stiftungswesen gehen Anspruch und Wirklichkeit in Sachen Partizipation und Mitbestimmung teilweise auseinander. Während viele Stiftungen angeben, dass sie viel Wert auf die aktive Beteiligung ihrer Mitarbeitenden legen und sich wünschen, dass diese auch ihre eigenen Ideen in die Stiftungsarbeit einbringen, zeigt sich, dass gewisse Beteiligungsformate noch nicht ausreichend im Stiftungssektor institutionalisiert worden sind. Dennoch ist die Bereitschaft zu diesen durchaus vorhanden, es fehlt mitunter lediglich an geeigneten Formaten, die auch auf kleinere Stiftungen übertragbar sind.

Schließlich können sich Beteiligungsformate wie Mitarbeitendenbefragungen und Betriebsräte positiv auf die Reputation der Organisation auswirken und auch ein Instrument zur Gewinnung von neuem Personal sein. So sind unter jungen motivierten Menschen, die künftig im Sektor arbeiten wollen, die Ansprüche an Partizipation deutlich gewachsen.


Eckdaten der Befragung

  • Zeitraum: 13.03. – 27.03.2019
  • Im StiftungsPanel: 553 Stiftungen
  • Rücklaufquote: 34,7 Prozent

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Autor
Anna Walther

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Foto: Cifotart – stock.adobe.com

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