Europapolitiker verbreiten Aufbruchsstimmung für einen europäischen Binnenmarkt für Philanthropie

Europaabgeordnete und Vertreter der EU Kommission haben während einer Debatte im Europaparlament am 1. Oktober 2019 die Dringlichkeit eines europäischen Binnenmarktes für Philanthropie und gemeinnützige Organisationen hervorgehoben. „Während es sehr einfach ist, in Europa grenzübergreifend Geld zu verdienen, ist es ausgesprochen schwierig, innerhalb von Europa grenzüberschreitend Geld zu spenden und gemeinnützige Projekte zu fördern“, betonte Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen.

Stiftungen sind Brückenbauer zwischen Staat und Zivilgesellschaft

Die Gastgeberin Nicola Beer, Vize-Präsidentin des Europaparlaments und neu gewählte Europaabgeordnete der FDP, hat gemeinsam mit den Grünen Abgeordneten Sven Giegold und Dr. Sergey Lagodinsky sowie der portugiesischen EVP Abgeordneten Maria Carvalho die Rahmenbedingungen für die Philanthropie in Europa diskutiert. Dabei haben die anwesenden Vertreter der Europäischen Kommission aus den Fachbereichen DG ECFIN, DG JUSTICE und DG DEVCO ihre Erfahrungen aus der zum Teil langjährigen Zusammenarbeit mit dem europäischen Stiftungssektor geteilt, nachdem anwesende Stiftungsvertreter die Arbeit ihrer Stiftungen in Europa anhand von Beispielen illustriert hatten.

Die Fähigkeit von Stiftungen, maßgeschneiderte Förderungen für spezifische Projekte in allen Bereichen der Gesellschaft, wie beispielsweise bei der Armutsbekämpfung, Bildung, Gesundheit, Kultur, Wissenschaft und Forschung, bereitzustellen, macht sie in Europa einmalig. Über die finanzielle Unterstützung hinaus, ermöglichen Stiftungen Zugang zu wertvollem Wissen und Netzwerken in den jeweiligen Themenbereichen. Somit ist der Sektor über die letzten Jahre hinweg zu einem gefragten Partner für die Politik und einem Brückenbauer zwischen Staat und Zivilgesellschaft geworden.

Wir beobachten gerade eine zunehmende Wertschätzung dieser Zusammenarbeit von Seiten der Politik, die sich darin ausdrückt, dass Stiftungen nicht nur für die Ko-Finanzierung von vorbereiteten EU-Programmen in Betracht gezogen werden, sondern nun auch in die gemeinsame Gestaltung von eben diesen Programmen einbezogen werden sollen. 

Chance für europäischen Binnenmarkt für Philanthropie nutzen

Es scheint, als gäbe es genau jetzt eine einmalige Chance  für die europäische Philanthropie: DAFNE und EFC wollen dieses Momentum mit ihrem gemeinsamen Projekt „Philanthropy Advocacy“ nutzen und gemeinsam mit der europäischen und nationalen Politik in den einzelnen EU Mitgliedsstaaten die vier Empfehlungen des „European Philanthropy Manifesto“ umsetzen. Bereits im Mai diesen Jahres hat der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EESC) auf Anfrage der Rumänischen Ratspräsidentschaft in einem öffentlichen Bericht das bislang unangetastete Potenzial der europäischen Philanthropie beschrieben und die EU Institutionen dazu aufgefordert, auf einen europäischen Binnenmarkt für Philanthropie hinzuarbeiten. Im Frühjahr 2020 wird der EESC in einer groß angelegten Konferenz gemeinsam mit den EU Institutionen einen Plan für die Vervollständigung des bestehenden Binnenmarktes für Dienstleistungen und Produkte um den gemeinnützigen Bereich abhalten.

Wir erleben hier eine bemerkenswerte Chance: In Zeiten von zunehmenden Herausforderungen für die Zivilgesellschaft und das Stiftungswesen in einigen Teilen Europas, möchte wir das operative Umfeld für Stiftungen mit Hilfe der EU Institutionen stärken. Diese Gelegenheit wollen wir gemeinsam mit allen Stiftungen in Europa ergreifen.

Über die Autoren

Hanna Surmatz
Enabling Environment Manager, EFC
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Max von Abendroth
DAFNE Executive Director
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