Blinde Flecken: Die Macht der Konzerne

Thilo Bode
Impuls

Stiftungen haben blinde Flecken, Aspekte, die sie nicht wahrnehmen können oder wollen. Dr. Thilo Bode, Geschäftsführer von Foodwatch International, benennt die Macht der Konzerne als Blinden Fleck der Stiftungen.

Blinde Flecken sind Herausforderung und Chance zugleich. Sie zeigen einem, was man nicht sehen wollte und geben zugleich einen Hinweis, wo es sich lohnt, genauer hinzuschauen. Im Rahmen des Deutschen StiftungsTages hat der Bundesverband Deutscher Stiftungen fünf Gäste eingeladen und gefragt, wo unsere Blinden Flecke liegen. Dr. Thilo Bode, Geschäftsführer von Foodwatch International, forderte eine intensivere Auseinandersetzung mit der Macht der Konzerne.

„Sich mit den Interessen der Mächtigen auseinandersetzen“

Thilo Bode, Geschäftsführer von Foodwatch International, nahm die zunehmende Machtkonzentration der Konzerne in den Fokus: „Die Macht der Konzerne ist mittlerweile so angewachsen, dass sie nicht nur eine Bedrohung für die Demokratie sind, sondern auch für die Marktwirtschaft selbst“, so Bode. Dieser Missstand sei aber kein Thema für Stiftungen: „Sie können die Stiftungen an weniger als fünf Fingern abzählen, die aktive politische Arbeit, die sich mit den Interessen der Mächtigen auseinandersetzen, finanzieren.“ Wenn aber der Anspruch sei, die Klimakrise zu bewältigen, müsse man sich auch mit den Mächtigen auseinandersetzen. „Solange wir das nicht machen, bleiben Bewegungen wie die Fridays-for-For-Future-Demonstrationen unpolitisch“, so sein Fazit und zugleich seine Aufforderung an Stiftungen, hier aktiver zu werden. 



Haben wir verstanden?

Dank Dr. Thilo Bode wurde deutlich, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Macht der Konzerne ist. Denn nur, wer sich seinen Schatten stellt und Kritik nicht als Kritik, sondern als Ausgangspunkt einer gemeinsamen Reflexion versteht, kann sich weiterentwickeln und damit auch Dinge verändern. Daher an Sie die Aufforderung und Frage: 

  •  Wo gibt es Ihrer Meinung nach noch weitere Blinde Flecken? 
  • Wo sollen und wo müssen sich Stiftungen Ihrer Meinung nach mehr engagieren? 
  • Wo und wie müssen wir auf dem DST20 in Leipzig (weiter-)diskutieren? 

Was denken Sie? Diskutieren Sie hier mit uns:

1 Kommentar

Matthias Marx (zert. Stiftungsmanager (DSA) und Fundraising-Referent) schrieb am 04.12.2019:

Zu einem sehr großen blinden Fleck des deutschen Stiftungswesens zählt meines Erachtens der Umgang der Stiftungen mit dem Thema „Menschenhandel und Ausbeutung“ in Deutschland. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Die Politik hat dieses Thema jahrzehntelang links liegen lassen und scheut weiter davor zurück, hier stärker und substanziell aktiv zu werden. Zum Leidwesen zahlreicher Opfer, zumeist junger Frauen aus dem europäischen Ausland. Hier sollten Stifterinnen und Stifter und Stiftungen mit gutem Beispiel voran gehen und Projekte zur Aufklärung über und Durchsetzung von Freiheits- und Menschenrechten initiieren oder fördern.

Matthias Marx
(ehrenamtlich aktiv bei lightup Germany e. V.)

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Zur Person:

Dr. Thilo Bode ist Umweltschützer. Er ist Gründer und Internationaler Direktor der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch und war vorher lange Jahre Geschäftsführer bei Greenpeace. Bode studierte Soziologie und Volkswirtschaft und promovierte über Direktinvestitionen. Vor seinen Wechsel zu Umweltschutzorganisationen war Bode u.a. für die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Frankfurt und als Vorstandsassistent bei einem mittelständischen Metallkonzern in Düsseldorf tätig.

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Wo lohnt es sich, genauer hinzuschauen? Wir haben fünf Gäste eingeladen und gefragt, wo die blinden Flecken in der Stiftungslandschaft liegen.

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