Die Milliardenfrage: Wohin orientiert sich Stiftungsvermögen?

Der Beitrag erschien zuerst im Absolut Impact Magazin 03-2017 von Absolut Research, Stiftungspartner im Bundesverband Deutscher Stiftungen

Liebe Stiftungsfreunde,

sie hat sich leise und mit Verzögerung angekündigt, trifft Deutschlands rund 22.000 Stiftungen nun aber frontal: Die Niedrigzinsphase.  Nach aktuellen Erhebungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen rechnen nur noch zwei Drittel mit einer Rendite oberhalb der prognostizierten Inflationsrate für das laufende Jahr. So öffnen sich Ideen- und Möglichkeitsräume für mehr Vermögensmasse als jemals zuvor.

Das  bereits in Stiftungen gebundene Kapital ist nur die halbe Story; große Vermögen stehen sozusagen noch „vor der Tür“ des Stiftungswesens: Viele Stiftungen sind so konzipiert, dass ihr Kapital sukzessive oder von Todes wegen aufgestockt werden soll.

Eine große Gelegenheit für Vermögensmanager, sollte man denken. Stiftungen stellen jedoch zunehmend besondere Fragen, auf nicht alle vorbereitet sind. Vermögensverwalter, ob intern oder extern, müssen sich mit hoch individuellen Satzungen, Anlagerichtlinien und einer leider noch fragmentierten Aufsichtspraxis auseinandersetzen. Viele Stiftungen sind zudem traditionell eher risikoscheu und machen die Chancen ihres langen Anlagehorizonts kaum nutzbar. Die sehr guten Renditen einiger großer Stiftungen zeigen auf, was möglich ist, wenn man das Wagnis eingeht, sich von gewohnten Anlagemodellen (und oft auch bisherigen Dienstleistern) zu verabschieden.

ESG im Kommen

Viele Chancen birgt das Umdenken in Richtung nachhaltiger und wirkungsorientierter Kapitalanlagen. Wie so oft sind es große US-amerikanische Stiftungen, die mit Slogans wie „100 % Impact“ Aufmerksamkeit erregen. Hierzulande waren es zuerst Stiftungen aus dem kirchlichen Bereich, die ihre Anlagerichtlinien angepasst haben. Mittlerweile sind Anlageuniversum und Transparenz so ausgereift, dass sich Stiftung aller Größen und Typen für ESG interessieren.

Neue alte Vorbilder

Die deutsche Stiftungslandschaft hat aber auch ganz eigene progressive Vorbilder, insbesondere unter sehr alten Stiftungen, deren Vermögen weniger als flexibles Anlagekapital an Finanzmärkten denn als gebundene Werte (oft Immobilien) zu verstehen sind. Traditionsreiche Trägerstiftungen hinter Krankenhäusern oder Bildungseinrichtungen verstehen sich immer auch als Sozialinvestoren und Sozialunternehmer. Das Vermögen soll nicht nur Erträge, sondern auch eine nachhaltig positive gesellschaftliche Wirkung erzielen. Hier stehen viele Dienstleister noch fast am Anfang. Heute sind mehr als je zuvor sind maßgeschneiderte, nicht nur finanzwirtschaftlich, sondern auch sozialwissenschaftlich fundierte Angebote gefragt.

Zukunftsmodell Stiftung

Eine weitere Entwicklung könnte zukunftsweisend sein: Immer mehr Unternehmer interessieren sich dafür, nicht nur Geldvermögen, sondern gleich das gesamte Unternehmen in die Trägerschaft einer Stiftung zu überführen. Immer häufiger nutzt auch die öffentliche Hand das Instrument Stiftung, um Langfristaufgaben zu erfüllen; ein aktuelles Beispiel ist der Entsorgungsfonds für die Atomkraft. Die von Energieunternehmen in cash eingezahlten 24 Milliarden Euro sollen ausreichen, um die Folgekosten der Nuklearenergie in Deutschland bis in die Ewigkeit zu tragen. Diese werden nach Schätzungen von Experten jedoch ein Mehrfaches der eingezahlten Summe betragen. 

Wer gewinnt das Rennen?

Eines ist sicher: Stiftungskapital zu verwalten, gehört zu den anspruchsvollsten Herausforderungen im Vermögensmanagement überhaupt. Stiftungen, die neben stabilen Erträgen verstärkt auf Nachhaltigkeit und Wirkung achten, stellen ähnliche Fragen wie die Anleger der Zukunft. Sie zu gewinnen, ist eine Chance für die besten etablierten, aber sicher auch für einige neue Anbieter. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen ist mit seinem Programm für Partner eine einzigartige Plattform für diese Ideen. 

Bleiben Sie in Bewegung.

Ihr

Felix Oldenburg

 

 

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