Bürgerstiftung Berlin bringt Star-Organist Cameron Carpenter vor die Fenster der Stadt

Konzerte vor den Fenstern der Stadt
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Foto: Christian Reichart

Die Corona-Krise zeigt uns, was wichtig ist. Der Kontakt zu Menschen aber auch Kunst und Kultur. Die Bürgerstiftung Berlin macht aus der Not und eine Tugend und bringt Star-Organist Cameron Carpenter und seine Musik zu den Menschen.

Eines der beglückendsten und spektakulärsten Kulturprojekte in dieser Zeit der Corona-Krise wurde von der Bürgerstiftung Berlin maßgeblich geprägt und durchgeführt: Cameron Carpenter, der einzige Weltstar unter den klassischen Organisten, musizierte vor den Fenstern und Balkonen von Senioren-, Behinderten- und Obdachlosenheimen sowie vor großen Wohnblocks. Mit einer auf einen LKW montierten großen dreimanualigen Orgel und gewaltigen Lautsprechertürmen absolvierte der US-Amerikaner zwischen 29. April und 2. Mai 2020 unglaubliche 33 Konzerte von jeweils 25 Minuten, besuchte zehn verschiedene Bezirke und legte dabei über 200 Kilometer zurück.

33 Konzerte in zehn Bezirken

Die Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Berlin, Vera Gäde-Butzlaff, war zu einem Konzert nach Charlottenburg gekommen und war anschließend sehr berührt: „Es ist uns eine besondere Freude, dass wir dieses tolle Projekt begleiten durften, und wir hoffen und glauben, dass wir vielen Menschen in Berlin damit eine Freude gemacht haben.“

Dank an die Bürgerstiftung Berlin

Steffen Schröder, Geschäftsführer der Bürgerstiftung Berlin, hatte im Vorfeld die Ansprache der Einrichtungen und die Organisation vor Ort übernommen, auf der Verwaltungsebene dem Projekt die Zustimmung der Bezirksämter versichert, die Polizeireviere informiert und eine Spendenkampagne ins Leben gerufen. Und das alles in gerade einmal zwei Wochen, so viel bzw. so wenig Zeit lag zwischen der ersten Vorbereitung und dem letzten Konzert.

Gemeinsames Engagement von Politik und Stiftungsszene

Die Unterstützung aus der Politik (Kultursenator Klaus Lederer steuerte rund ein Drittel des Budgets bei) und aus der Stiftungsszene – besonders die Allianz Kulturstiftung – ermöglichte die Durchführung dieses einzigartigen Projekts, das getragen war vom riesigen Einsatz und Enthusiasmus der Bürgerstiftungsakteure, denen schnell bewusst wurde, dass sie an etwas ganz besonderem teilhaben durften. Steffen Schröder: „Ich kann mich an kein Projekt erinnern, bei dem so viele Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen ohne zu zögern und mit großem Engagement eine Idee unterstützt haben, wie jetzt bei den ‚Konzerten vor den Fenstern der Stadt‘. Dass dann alles so wunderbar geklappt hat und Cameron so vielen Menschen eine unbeschreibliche Freude gemacht hat – wir alle hatten mehr als einmal Tränen in den Augen – das hat alle Arbeit mehrfach aufgewogen“.

Echte kulturelle Erlebnisse während der Kontaktsperre

Idee und Initiative zu diesem Projekt kommen vom Berliner Musikdramaturgen Christian Reichart. Dass gerade alte Menschen die Konzerte genießen können sollten, liegt für ihn auf der Hand, schließlich leiden sie am meisten unter der Kontaktsperre. Aber auch an sich selbst hat er erlebt, was das zum Erliegen gekommene Kulturleben bedeutet: „Mit YouTube und Netflix kann man eine Menge Zeit verbringen, aber nach und nach und dann sehr schmerzhaft werden uns Bedeutung und Wert eines echten kulturellen Erlebnisses bewusst. Cameron hat dies tausenden Berlinerinnen und Berlinern ermöglicht. Das ist mehr als nur ein Symbol.“

Und wie ist das nun für einen umjubelten Weltstar, dem Konzerte in den größten Sälen, standing ovations und Autogrammwünsche keine Seltenheit sind? Der Süddeutschen Zeitung verrät er seine Motivation: „Diese Menschen, für die wir jetzt spielen, sind schon in normalen Zeiten benachteiligt, was Konzertbesuche betrifft. Jetzt sind sie besonders isoliert und verdienen definitiv ein paar kleine Extras. Es ist wirklich nur ein sehr kleines Extra, das ich ihnen biete. Aber wenn es mir gelänge, ihnen vielleicht einen ihrer Tage ein bisschen besser zu machen mit dieser halben Stunde, wäre ich sehr glücklich." Die Wirkung, die Bedeutung und die Relevanz von Musik sei ihm in diesen Tagen wieder in besonderer Weise bewusst geworden, verrät er später. Besonders die Musik von Johann Sebastian Bach, die Schönheit aus strenger Form entstehen ließe und „Ordnung in den Verstand bringen“ könne. Wer bräuchte das nicht in diesen Tagen?

Vom großen Interesse der Medien profitiert auch die Bürgerstiftung Berlin: ZDF heute Journal, Arte, RBB, Deutsche Welle, Süddeutsche Zeitung, Tagesspiegel, dpa, Reuters u.a. berichten begeistert bis euphorisch und geben so Zeugnis von der besonderen Bedeutung dieses Projekts. Auch Cameron Carpenter genießt die Aufmerksamkeit sichtlich. Die „Konzerte vor den Fenstern der Stadt“ sind für ihn aber vor allem ein kleines Geschenk an seine Wahlheimat: „Ich liebe Berlin und ich liebe das Leben hier, die gedankliche Freiheit, das Geschichtsträchtige, natürlich die Kultur und alles Bunte. Mit den „Konzerten vor den Fenstern“ kann ich etwas von dem zurückgeben, was Berlin für mich bedeutet.“ 

Autor
Ulrike Reichart

Leiterin Bündnis Bürgerstiftungen Deutschlands
Koordinatorin Arbeitskreis Bürgerstiftungen

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