Das neue Leben des toten Geldes

Finanzierung sozialer Innovationen mit "Social Impact Fonds"
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14.10.2019
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Bis zu 9 Milliarden Euro liegen auf deutschen Konten, deren Eigentümer unbekannt sind. Bisher fließt das Geld den Banken zu. Ein Verein schlägt nun vor, dieses Geld für das Gemeinwohl auszugeben. Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, unterstützt die Idee als neue und innovative Form des Stiftens.

Stellen Sie sich Folgendes vor: Eine vermögende Frau stirbt in hohem Alter. Der Kontakt zu ihren Angehörigen besteht seit Jahrzehnten nicht mehr und auch ein Testament existiert nicht. Einige Jahre vor ihrem Tod ist die Frau umgezogen, wovon die Bank, bei der ein großer Teil ihres Vermögens liegt, nichts mitbekommen und deshalb den Kontakt zu ihrer Kundin verloren hat. Was geschieht mit diesem Geld? 

Bisher fällt das verwaiste Vermögen nach 30 Jahren der Bank zu. Schätzungen zufolge liegen auf solchen nachrichtenlosen Bankkonten ohne Eigentümer allein in Deutschland bis zu 9 Milliarden Euro.  

Finanzierung sozialer Innovationen 

Diese Praxis will das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND) nun ändern. In einem jüngst vorgelegten Reformvorschlag tritt der Verein für die Errichtung eines „Social Impact Fonds“ ein, in den solche Assets nach zehn Jahre Nachrichtenlosigkeit eingehen sollen. Durch den Fonds sowie durch ein zusätzlich zu eröffnendes bundesweites Zentralregister könnten die Erben schnell und einfach nachrichtenlose Assets finden und ihre Ansprüche geltend machen. Finanzdienstleister erhalten einen verlässlichen Rechtsrahmen und könnten langfristig ihren Verwaltungsaufwand senken. Das übriggebliebene Kapital, so der Vorschlag weiter, würde zur Finanzierung sozialer Innovationen benutzt, die aktiv zur Lösung der großen Herausforderungen unserer Zeit beitragen könnten. So würde das Gemeinwohl gestärkt, ohne damit auch nur einen Cent zusätzlicher Steuerbelastungen aufzuwenden. „Wir lassen als Gesellschaft Kapital liegen. In diesem Fall in Form von nachrichtenlosen Bankenkonten“, kommentiert Oldenburg die Idee in einem Videostatement.  


Das Modell ist nicht neu, im Gegenteil: In allen anderen Ländern der G7 gibt es bereits ähnliche Regelungen. Japan etwa finanziert mit dem Geld aus nachrichtenlosen Assets die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Großbritannien steckt das Geld in einen sogenannten „Reclaim Fund“, aus dem doch noch erhobene Forderungen von Erben gezahlt und mit dem restlichen Kapital soziale Innovationen gefördert werden. Einzig Deutschland hinkt bei der Umsetzung dieser kreativen Idee zur Finanzierung des Gemeinwesens hinterher.  

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