Betreff: (Mit-) KONSTRUKTEURE FÜRS BRÜCKENBAUEN GESUCHT

Lieber Herr Praum,

welch Freude, dass wir so ins Gespräch kommen! Danke für den Aufschlag und hier meine Antwort.

Sie haben Recht mit Ihrer Beobachtung zum Brückenbauen. Ein guter Verband ist für seine Mitglieder da. Ein sehr guter auch für seine zukünftigen Mitglieder.

Dass die Brückenköpfe in unserer Gesellschaft immer schneller und weiter auseinanderdriften, ist ein Grund dafür, dass die meisten Branchenverbände an Mitgliedern und Bedeutung verlieren. Ein weiterer liegt darin, dass die Digitalisierung Mittelsmänner und -frauen, und dazu zählen gemeinhin Verbände, obsolet macht. Der Bundesverband ist mit rund 150 Neumitgliedern pro Jahr eine Ausnahme – wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass das so bleibt.

Mir ist wichtig: Es geht an keiner Stelle um alt gegen jung. Weder bezogen auf die Menschen, die Stiftungen vertreten, noch bezogen auf die Stiftungen selbst. Diese haben das besondere Privileg, nicht mit der Zeit gehen zu müssen. Sie können der Zeit voraus sein als auch bewusst gegen den Zeitgeist handeln. Darin liegt ihr Wert.

Diesen Wert zu schützen und zukunftsfest zu machen, ist auch unsere Aufgabe. Wir verstehen uns als Hilfskonstrukteure für brückenbauende Stiftungen. Wussten Sie, dass das Vermögen der ärmsten Hälfte der deutschen Bevölkerung seit 2017 um drei Prozent „gewachsen“ ist, das des reichsten Prozents um 22 Prozent? Wussten Sie, dass 25 Prozent der Deutschen zu den „Digital Abseitsstehenden“ gezählt werden? Wussten Sie, dass jeder Vierte – in Ostdeutschland gar jeder Dritte – den deutschen Medien misstraut? Stiftungen verbinden – so sollte das Leitmotiv der Stiftungen angesichts solcher Befunde für die nächsten Jahre lauten; und bei dieser Mammutaufgabe unsere Mitglieder zu unterstützen, ist und bleibt unsere wichtigste Aufgabe. 

Wenn wir in die Zukunft des Stiftens sehen, werden wir viel wiedererkennen, was wir vor Jahrhunderten bereits gesehen haben: wirkungsorientierte Vermögensanlage, Stiften in Gemeinschaft, soziales Unternehmertum, ja sogar Crowdfunding. Auch waren Stiftende immer von neuem Impulsgeber einer neuen, globalen und innovativen Philanthropie. Denken Sie nur an die Fugger.

Wenn man so will, nimmt unsere neue Initiative, Next Philanthropy, auch diese Stärke des Stiftungswesens wieder auf und bündelt die neusten, internationalen Trends und Wege des Philanthropie- und Stiftungssektors systematisch.

Demokratisierung von Förderpraktiken ist einer dieser Trends, der sich in Form von Best Practices, Podiumsgesprächen und anderem im Programm des nächsten Deutschen StiftungsTages widerspiegeln wird. Dieser Kongress wird gewiss nicht alle Erwartungen befriedigen können. Aber ich fordere Sie heraus: Schicken Sie uns Ihre Ideen und helfen Sie uns, Ihre Leserinnen und Leser zu mobilisieren, bringen Sie uns ins Gespräch auch mit Akteurinnen und Akteuren außerhalb des Stiftungssektors. Denn Demokratie lebt vom Mitmachen und dem Aushalten von Unterschieden – genau wie jeder Verband.

Mit den besten Grüßen
Ihr Felix Oldenburg

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Kai Praum schrieb in einem offenen Brief in DIE STIFTUNG 3/2018 an Felix Oldenburg. Dies ist seine Antwort.