Mission Investing: ein Blick auf Stiftungen in den USA

Mission Investing
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„Unleashing the Power of Endowments: The Next Great Challenge for Philanthropy” – so lautete vor einem Jahr die Überschrift eines Artikels im Stanford Social Innovation Review des Präsidenten der Ford Foundation, Darren Walker. Die Ford Foundation hatte im April 2017 angekündigt, über die nächsten zehn Jahre eine Milliarde US-Dollar des Stiftungskapitals – das sich insgesamt auf 12 Milliarden US-Dollar beläuft – für Investitionen im Zusammenhang mit der Stiftungsmission einsetzen zu wollen. Der Fokus wird zunächst auf Investitionen in den Bereichen „bezahlbarer Wohnraum in den Vereinigten Staaten“ und „Zugang zu Finanzdienstleistungen in Schwellenländern“ liegen. Die Stiftung möchte damit auch insgesamt den Bereich Mission Investing fördern und Erfahrungen teilen.

Langjährige Erfahrung einiger Stiftungen

Auch andere Stiftungen in den USA haben sich schon früh für Mission Investing entschieden, unter anderem die Kresge Foundation, der Rockefeller Brothers Fund und der Wallace Global Fund. Der im Jahr 2007 von FSG Social Impact Advisors veröffentlichte Bericht „Compounding Impact, Mission Investing by U.S. Foundations“ analysiert 92 US-amerikanische Stiftungen, die seinerzeit bereits Mission Investing betrieben, und gibt einen Überblick über die Anfänge des Mission Investing. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass Stiftungen im Wesentlichen aus drei Gründen an Mission Investing interessiert sind:

  1. Ausrichtung des Stiftungskapitals auf die Stiftungsmission
  2. Erzielen sozialen Nutzens in einer Weise, wie es mit reinen Zuschüssen nicht gelingen könnte
  3. Rückgewinnung von Stiftungsgeldern für zukünftige Verwendung

Die im Jahr 2011 veröffentlichte Studie des Foundation Center „Key Facts on Mission Investing” ermöglicht einen ersten umfassenderen Blick auf den Umfang von Mission Investing in den USA. Knapp 1.200 Stiftungen mit einem akkumulierten Vermögen von etwa 215 Milliarden US-Dollar hatten auf den Survey geantwortet. Nur ca. 14 Prozent dieser Stiftungen waren in Mission Investing involviert. Die meisten der Stiftungen – 55 Prozent – betrieben erst seit fünf oder weniger Jahren Mission Investing und nur neun Prozent der Stiftungen gaben an, länger als 20 Jahre dabei zu sein.

Mission Investing – Mission Possible

Wir sind nun im Jahr 2018 und somit einige Jahre weiter. Wie sieht der Markt heute aus? Zunehmend mehr Stiftungen in den USA kommen zu dem Ergebnis, dass sie auch ihr Stiftungskapital zur Verwirklichung des Stiftungszwecks einsetzen und somit auf die gesellschaftlichen und umweltbedingten Herausforderungen unserer Zeit reagieren möchten. Die Serie „Mission Possible: How Foundations Are Shaping the Future of Impact Investing“ zeigt in Beiträgen von Stiftungsvertreterinnen und -vertretern, wie Mission Investing funktionieren kann, und spricht auch Risiken und Grenzen an. Zudem wird deutlich erklärt, inwieweit das Themenfeld für Stiftungen unterschiedlicher Größe von Interesse sein kann.

Wenn sich nun zunehmend mehr Stiftungen für Mission Investing interessieren, müssen auch entsprechende Investitionsmöglichkeiten vorhanden sein. Die Nathan Cummings Foundation hat dieses Jahr nach langen Überlegungen und Vorbereitungen beschlossen, ihr gesamtes Kapital in Höhe von ca. 443 Millionen Dollar für Mission Investing in den Bereichen Klima und Engagement gegen wachsende Ungerechtigkeit einzusetzen. Die Präsidentin und Geschäftsführerin der Stiftung Sharon Alpert sieht darin die Zukunft der Philanthropie. Sie ist zuversichtlich, dass es die entsprechenden Anlage-Instrumente geben wird, und betont, dass die großen Herausforderungen der globalen Gesellschaft nicht durch Zuschüsse allein gelöst werden können: Dafür brauche es einen Markt.

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Autorin:

Dr. Annette Kleinbrod

EZ-Scout der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Entsandt an: Bundesverband Deutscher Stiftungen

Telefon (030) 89 79 47-83

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