„Wir wollten, dass uns jemand mal den Spiegel vorhält“

Fotoworkshop der Freiburger Bürgerstiftung
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Foto: Britt Schilling
16.07.2019
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Die Freiburger Bürgerstiftung will sich nicht auf der Schwarzwaldidylle ausruhen und legt deshalb für neue Impulse großen Wert auf den „Blick von außen“.

Angefangen hat alles im Jahr 2005. Reinhild Dettmer-Finke ist Filmemacherin und hat damals an einem Projekt zum Nutzen von Bürgerstiftungen gearbeitet. Das Thema ließ sie nicht mehr los: Gemeinsam mit engagierten Mitstreiterinnen und Mitstreitern wollte sie selbst eine Bürgerstiftung gründen. Gemeinsam nervten sie Freunde und Bekannte, bis sie 2006 dann 90.000 Euro gesammelt hatten. Genug Geld, um rechtlich als Stiftung anerkannt zu werden. Und der Startpunkt der Freiburger Bürgerstiftung.

Freiburg ist eine bunte Stadt. Manche bleiben fürs Studium, andere zieht es aus dem Rest der Welt in den Schwarzwald. So wie Bärbel Fritzsche. Sie zog 2006 hierher und wurde bei einer Veranstaltung auf die Stiftung aufmerksam. Und stieg damals direkt ein – heute gehört sie dem Vorstand an.

Gemeinsam mit Dettmer-Finke, die im Stiftungsrat sitzt, hat Fritzsche das Projekt „Stadtfotografen“ ins Leben gerufen, um mit einem Blick von außen auf die Stadt zu schauen und auch das bunte Treiben verewigen zu können: „Wir wollen, dass die Vielfalt der Stadtbevölkerung erhalten bleibt und unser Freiburg auch in 20 Jahren noch lebenswert ist“, sagt Fritzsche.

Gemeinsames Kochen und Essen bei der Freiburger Bürgerstiftung
Foto: Britt Schilling
Gemeinsames Kochen und Essen bei der Freiburger Bürgerstiftung

Die Stiftung vergibt für das Projekt ein Stipendium an einen Fotografie-Studierenden, der dann für einige Wochen in Freiburg lebt und arbeitet. Im ersten Jahr wurde eine Hamburger Studentin eingeladen, um festzuhalten, wie die Freiburger leben. Denn den Stiftern war wichtig, dass ein Außenstehender einen Blick auf die Freiburger wirft: „Freiburg ist ja sehr idyllisch. Darum wollten wir, dass uns jemand anderes mal den Spiegel vorhält“, erklärt Dettmer-Finke. Die Fotografin zog durch die Stadt, klopfte an Türen, machte Fotos und so gleichzeitig Werbung für die Stiftung. Im Jahr 2016 wurde das Projekt neu aufgelegt. Die Flüchtlingskrise hatte Freiburg verändert und für Zuwachs gesorgt. Die Stifter fragten darum Geflüchtete, ob sie Teil der Stadtfotografen werden wollen. Zwölf machten mit und zeigten ihre Sicht der Dinge.

Bei all ihren Projekten setzen die Freiburger auch auf Menschen, die Zeit stiften. Denn nicht jeder habe Geld übrig, um zu stiften. Aber jeder sollte sich nach seinen Möglichkeiten einbringen und die Stadt Freiburg mitgestalten, finden die Stifter.

„Wir sind vielleicht keine Stiftung mit viel Geld, aber wir machen damit sehr viel“, fasst Fritzsche zusammen. 80 Menschen packen bei der Freiburger Stiftung mit an. Aber das Engagement sei in ganz Freiburg sehr groß, was die beiden freut. Denn damit stehe und falle eine Bürgerstiftung. Es müsse immer auf die Stadt und die Bewohner eingegangen werden, findet Dettmer-Finke: „Das gesellschaftliche Miteinander muss in einer Demokratie immer wieder neu verhandelt werden. Da gibt es auch kein allgemeingültiges Rezept für eine Bürgerstiftung.“

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