Freie Schulen und der Einfluss von Corona

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Mehr als 50 Hilferufe aus 15 Ländern

Software AG – Stiftung unterstützt weltweit das Freie Schulwesen in der Corona-Krise

„Erziehung und Bildung“ ist einer der Förderschwerpunkte der Software AG – Stiftung (SAGST) aus Darmstadt, die 1992 von dem IT-Unternehmer Dr. Peter Schnell mit dem Ziel gegründet wurde, heilsame Impulse für die Weiterentwicklung von Mensch und Gesellschaft zu unterstützen. Seitdem hat die gemeinnützige Förderstiftung Gründung und Aufbau vieler reformpädagogischer Bildungseinrichtungen in Deutschland, Europa sowie darüber hinaus finanziell begleitet. Im Interview erklärt SAGST-Projektleiter Andreas Rebmann vor dem Hintergrund der Corona-Krise, worin aktuelle Herausforderungen für diese Schulen bestehen, was die Stiftung unternimmt, um in der besonderen Situation zu helfen, und wie die Pandemie auch das Fördergeschäft der SAGST verändert hat.

"Viele Einrichtungen brechen deshalb aus ihren gewohnten Routinen aus und betreten Neuland – z. B. was die Nutzung digitaler Medien anbelangt."
Andreas Rebmann
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Herr Rebmann: Wie sind die Freien Schulen bisher durch die Corona-Krise gekommen? 
Wenn wir uns nur auf Deutschland beziehen, konnten die Freien Schulen sehr flexibel und angemessen reagieren. Natürlich war und ist in dieser besonderen Situation Kreativität gefragt: Viele Einrichtungen brechen deshalb aus ihren gewohnten Routinen aus und betreten Neuland – z. B. was die Nutzung digitaler Medien anbelangt. Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation sorgte die Finanzhilfe der Bundesländer für Stabilität. Nur wenige Einrichtungen haben leichte Einbrüche bei den Elternbeiträgen erlebt, welche in der Regel ein Drittel des Schulhaushaltes ausmachen. 

Stichwort digitale Lehre: Wie haben die Freien Schulen diese Herausforderung gemeistert? 
Im Vergleich zu den staatlichen Schulen sind Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft sehr autark. Aus diesem Grund konnten viele Insellösungen gefunden werden, ohne beispielsweise auf Freigaben durch die Schulbehörden warten zu müssen. Eine größere Herausforderung hat jedoch der altersgerechte Unterricht über die digitalen Kanäle bedeutet, da insbesondere Waldorf- und zum Teil auch Montessori-Schulen moderne Medien bewusst erst ab den höheren Altersstufen einsetzen. 

Wo liegen die aktuellen Herausforderungen für das Freie Schulwesen, vielleicht auch im Gegensatz zu den staatlichen Schulen? 
Die Freie Schule steht und fällt, wie bereits angedeutet, mit dem Elternengagement sowie den damit verbundenen Schulgeldzahlungen. Sollte die Krise weiter anhalten und sich kein Abklingen abzeichnen, gehen wir davon aus, dass Elternbeiträge in der gewohnten Höhe ausbleiben könnten und der gesamte Organismus privater Bildungseinrichtungen herausgefordert wird. Hier hoffen wir auf die Solidarität der Schulen untereinander. 

Was hören Sie aus Ländern wie Brasilien, wo die Lage noch viel dramatischer ist?
Wir sind als Stiftung in ganz Europa unterwegs, punktuell hin und wieder auch in Mittel-/Südamerika oder im asiatischen Raum. Zum Beispiel in Nepal. Von dort aus erreichen uns immer öfter Hilfegesuche, die die Dramatik in den jeweiligen Ländern deutlich machen. Darunter verzweifelte Bitten nach Unterstützung bei der Versorgung mit Lebensmitteln oder auch der Wunsch einer brasilianischen Einrichtung, die an Covid-19 verstorbenen Mitglieder der Schulgemeinschaft würdevoll bestatten zu können. Doch auch in der Schweiz, Frankreich oder Österreich wird es für viele Freien Schulen eng. Sie erhalten keine Finanzhilfe vom Staat und erleben mitunter drastische Rückgänge bei den Elternbeiträgen. 

"Mit Sicherheit aber zeigt uns die Corona-Krise Stärken und Schwächen auf. Oft braucht es genau solche Momente, die ein Innehalten erzwingen und Gewohnheiten einer Prüfung unterziehen."
Andreas Rebmann
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Neben finanziellen Zuwendungen: Wie unterstützen Sie die betroffenen Schulen und SchülerInnen in dieser besonders herausfordernden Zeit?
Bis zum heutigen Tag haben wir rund 50 Hilferufe aus 15 Ländern erhalten, oft auch von Einrichtungen, die wir bereits beim Aufbau begleitet haben. In diesen Fällen greift ein von uns im März 2020 kurzfristig entwickelter Strategieplan, der eine noch schnellere Antragsbearbeitung zulässt. Hierbei sind wir mit anderen Partnern in einem engen Austausch, sodass eine noch höhere Wirksamkeit erzielt werden kann. Gemeinsam planen wir z. B., einen sogenannten Matching-Fonds aufzulegen. Er soll Zuwendungen deutscher Waldorfschulen im Falle von Hilferufen aus dem Ausland verdoppeln, um so einen zusätzlichen Anreiz zu schaffen und die Solidarität der deutschen Freien Schulen sichtbar zu machen. 

Die Corona-Pandemie hat an vielen Stellen Veränderungen in Gang gesetzt oder war ein Katalysator für etliche Entwicklungen. Was machen Sie in Ihrer Stiftung heute anders als noch vor sechs Monaten?
Wie die meisten Unternehmen sind auch wir nicht darum herumgekommen, alternative Kommunikations- und Entscheidungswege zu etablieren, was unter anderem in dem eben erwähnten Strategiepapier mündete. Es wurden neue Prioritäten bei der Bearbeitung gesetzt und auch unseren Kernanspruch, jedem Projekt und den Menschen dahinter persönlich zu begegnen, mussten wir weitgehend aufgeben.  

Was führen Sie fort? Was hat sich bewährt und was vielleicht auch nicht?
Diese Frage lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer abschließend beantworten. Mit Sicherheit aber zeigt uns die Corona-Krise Stärken und Schwächen auf. Oft braucht es genau solche Momente, die ein Innehalten erzwingen und Gewohnheiten einer Prüfung unterziehen. Perspektivisch ist eine interne Klausur geplant, die genau diese Aspekte beleuchtet und uns auf künftige Herausforderungen vorbereitet, denn es wird auch nach Corona gewiss nicht mehr so sein wie bisher. 

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