Deutscher Stiftungstag 2020 – Darauf hätten wir uns gefreut

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Foto: David Ausserhofer

Welche besonderen Veranstaltungen waren geplant? Welche Elemente des abgesagten Deutschen Stiftungstages wird der Bundesverband in die digitale Welt übertragen, welche nachholen? Fragen an die stellvertretende Generalsekretärin Birgit Radow.

Birgit Radow

Heute hätten wir mehr als 2.000 Gäste beim Deutschen Stiftungstag in Leipzig begrüßt. Welche Erwartungen hatten Sie an das Thema „Zusammenhalt“?
Die Corona-Pandemie hat noch einmal deutlich gemacht, wie sehr unsere Gesellschaft in vielen Bereichen gespalten ist. Ohnehin schon benachteiligte Gruppen werden immer stärker abgehängt. Dies trifft insbesondere Kinder aus sozialschwachen Familien und aber auch viele ältere Menschen Auch sehen wir, dass Rassismus und extreme Positionen sich weiterverbreiten. Zugleich – und das macht Mut - engagieren sich immer mehr Jugendliche für ihre Zukunft – die Fridays For Future-Bewegung ist dafür das deutlichste Zeichen.

Ich war sehr gespannt auf die Debatten beim Stiftungstag, welche konkreten Beiträge Stiftungen in ihren Arbeitsfeldern leisten können, um die Gesellschaft stärker zusammen zu halten oder zusammen zu bringen. Deshalb bin ich froh, dass das Thema „Zusammenhalten“ auch der Schwerpunkt des nächsten Deutschen Stiftungstages 2021 sein soll. Das kann und wird aber sicher nicht einfach das „Recyceln“ der ausgefallenen Veranstaltungen sein können – denn die Corona-Pandemie hat einfach zu viele neue Fragen aufgeworfen, denen sich auch Stiftungen stellen müssen und wollen.

Was waren aus ihrer Sicht die Höhepunkte im Programm?
Ich will keine einzelnen Veranstaltungen hier herausheben. Es gab die Zusage vieler interessanter Referierender, es gab Ideen für spannende neue Veranstaltungsformate, es gab Themen, die eine spannende und kontroverse Debatte versprachen. Mal schauen, was sich davon auch beim nächsten Stiftungstag wiederfinden wird.

Welche Elemente des abgesagten Deutschen Stiftungstages wird der Bundesverband in die digitale Welt übertragen, welche nachholen?
Ganz sicher nachholen im Jahr 2021 werden wir die Verleihung des Deutschen Stifterpreises an den Stifter Hans Schöpflin. Seine unermüdliche Suche nach gesellschaftlichen Innovationen, sein Mut zum Risiko und sein Glaube an die Ideen junger Menschen können uns wertvolle Impulse in diesen bewegenden Zeiten sein.

Ich freue mich auch, dass der Arbeitskreis Kunst und Kultur den Impuls der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann und darauf aufbauende Workshops im digitalen Raum nachholen wird. Dies wird kommenden Freitag, am 19. Juni stattfinden.

Ansonsten ist der Stiftungstag ein Ort der Begegnung. Das ist ja gerade das Besondere daran, dass sich Kolleginnen und Kollegen aus vielen Stiftungen, überall in Deutschland, treffen und miteinander reden können. Da werden Kontakte neu geknüpft, da trifft man auf alte Bekannte, da kann man neue Ideen besprechen und konkrete Verabredungen treffen. Diesen besonderen und äußerst wichtigen Teil des Stiftungstages kann man schwer digital ersetzen.

Sie werden sich demnächst neuen Aufgaben widmen. Welche Erinnerung vom Deutschen Stiftungstag nehmen Sie mit, was war Ihr ganz persönliches Kongress Highlight in den letzten Jahren?
Mich hat die Solidarität der zahlreichen Stiftungen überwältigt, die mit ihren Spenden geholfen haben, die hohen Kosten aus der Absage des letzten Stiftungstages abzufedern. Das zeigt die hohe Verbundenheit von Stiftungen mit ihrem Verband – und das ist ein sehr kostbares Gut, für das wir sehr dankbar sind.

Was geben Sie den Stiftungen, Stiftungsvertreterinnen und –vertretern mit auf den Weg?
Das Allerwichtigste ist, den Bundesverband Deutscher Stiftungen in seiner Vielfalt und auch seinen kontroversen Positionen zu erhalten und zu unterstützten – denn das macht die Stärke der Stiftungsbewegung in Deutschland aus. Wir können hier mit einer Verbandsstimme sprechen und sind nicht gespalten in große und kleine Stiftungen, in Stiftungen mit unterschiedlichen Positionen und Themen.

Gleichzeitig plädiere ich aber auch dafür, sich unbedingt mit den neuen Entwicklungen in der Philanthropie zu beschäftigen. Denn hier geht es um die Zukunft des Stiftungswesens. Es gibt zahlreiche sehr vermögende Menschen auch in Deutschland, die sich philanthropisch engagieren wollen oder würden. Wie kann es auch für sie interessant sein, zumindest in Perspektive eine Stiftung zu gründen und so eine langfristige Form des Engagements zu begründen? Ein in Teilen unflexibles Stiftungsrecht, Grenzen durch Stiftungs- und Finanzaufsicht, niedrige Vermögenserträge verlangen nach neuen Lösungen und Zugängen zum Modell Stiftung. Hier sollten Menschen aus Stiftungen, auch Stifterinnen und Stifter, unbedingt ins Gespräch kommen und für die Stiftungsidee werben – und dabei auch lernen, wie durch einen Blick von außen auf die Stiftungsarbeit und das Stiftungswesen dieses verbessert werden könnte.

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Foto: Detlef Eden

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