Neue Wege zu mehr Wirkung

Kapital und Wirkung
Adobe Stock

Viele Stiftungen suchen nach Möglichkeiten, abseits der traditionellen Mittelvergabe ihre Wirkung zu steigern. Doch wie kann das gelingen? Ein Konzeptpapier der Finanzexperten Barbara Scheck und Wolfgang Spiess-Knafl gibt Antworten.

Der Catering-Service Chickpeace Lunch aus Hamburg gewann 2017 den Gastro-Gründerpreis in der Kategorie „Sozialstes Konzept“. Geflüchtete Frauen aus Syrien, Eritrea, Somalia und Afghanistan kochen Gerichte wie Arabische Linsensuppe mit Minze oder Babyauberginen auf Tomatensalsa. In ganz Deutschland gibt es Dutzende solcher Gastronomieunternehmen, deren Erfolg nicht vom Spendenvolumen, sondern vom täglich erzielten Umsatz abhängt, um die Kosten des laufenden Betriebs zu decken und als Basis für etwaige Kreditentscheidungen von Banken. 

Das mag nun sehr kleinteilig erscheinen, aber Stiftungen können mit bewussten Einkaufsentscheidungen solche Initiativen unterstützen. Das Konzept ist dabei kostenneutral, weil bei gleicher Qualität meist keine Mehrkosten entstehen. 

In einem neuen Konzeptpapier haben sich Barbara Scheck, Professorin an der Munich Business School, und Wolfgang Spiess-Knafl, der sich mit Social Finance unter anderem an der Universität Witten/Herdecke beschäftigt, der Frage gewidmet, wie Stiftungen abseits der traditionellen Mittelvergabe ihre Wirkung steigern können. Der Stiftungsvorstand der F.B. Heron Foundation hat in diesem Kontext treffend formuliert: „A  foundation should be more than essentially a private investment company that uses its excess cash flow for charitable purposes.“ 

Verschiedene Wirkungsbereiche 

Das ist schnell geschrieben, aber das Kapital von Stiftungen ist oft in identitätsstiftenden Vermögenswerten gebunden. Bei der Kapitalallokation muss man Risiko und Liquidität im Auge behalten, und die Regeln der Gemeinnützigkeit setzen dem Handeln auch einige Grenzen. Nichtsdestotrotz ergeben sich einige Ansatzpunkte, die mit zwei gedanklichen Achsen strukturiert werden können. Die erste Achse adressiert verschiedene Wirkungsbereiche von Stiftungen. Im Rahmen des Konzeptpapiers sind diese Bereiche (1) das Stiftungskapital, (2) die Verwendung der Erträge, (3) das Stiftungsengagement, (4) der Einkauf und Einfluss und (5) die Rahmenbedingungen.   

Die zweite Achse bildet den Grad der erreichten Wirkung ab. Dabei geht es darum, schrittweise von (1) einem Ausschluss negativer Wirkungen („do no harm“) über (2) das Erzielen unspezifischer sozialer Wirkung zu (3) einer direkten Verwirklichung des Stiftungszwecks zu kommen.

Wirkungsgrad Definition
Wirkung I. Grades  Ausschluss negativer gesellschaftlicher Folgen
Wirkung II. Grades  Positive Wirkung, unabhängig vom Satzungszweck
Wirkung III. Grades Positive Wirkung im Einklang mit dem Satzungszweck

Wenn man nun beide Achsen gemeinsam verwendet, ergibt sich folgende Abbildung.

Die Gesamtwirkung einer Stiftung ergibt sich folglich aus der Summe der Einzelwirkungen in den verschiedenen Kategorien. 

Autoren

Prof. Dr. Barbara Scheck und Dr. Wolfgang Spiess-Knafl

Sie möchten mehr erfahren? Hier geht es zum Konzeptpapier

Aktuelle Beiträge
Stiftungsrecht

„2020 wird wahrscheinlich ein wichtiges Reformjahr“

Prof. Dr. Rainer Hüttemann, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Steuerrecht an der Universität Bonn, äußert sich im Kurzinterview zu den anstehenden Stiftungsrechts- und Gemeinnützigkeitsrechtsreformen.

Mehr
Globales Engagement

„Die SDGs sind unsere Messlatte“

Michael Beier, Vorstandsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung, über Fridays for ­Future und die Bedeutung von Stiftungen für den Klimaschutz.

Mehr
Impuls

Blinde Flecken: Die Macht der Konzerne

Stiftungen haben blinde Flecken, Aspekte, die sie nicht wahrnehmen können oder wollen. Dr. Thilo Bode, Geschäftsführer von Foodwatch International, benennt die Macht der Konzerne als Blinden Fleck der Stiftungen.  

Mehr
Stiftungs-News

„Ein Birnbaum in seinem Garten stand“

2019 jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag des Dichters Theodor Fontane. Mit seiner Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ hat er dem Stiftungsgedanken ein literarisches Denkmal gesetzt.

Mehr
Geschlechtergerechtigkeit

Wo und wie investieren Stiftungen in Gendergerechtigkeit weltweit?

Zwischen 2013 und 2015 gaben Stiftungen weltweit 3,7 Milliarden US-Dollar für Geschlechtergerechtigkeit aus. Das Engagement beschränkt sich dabei auf wenige Regionen und Sektoren. 

Mehr

Mehr zum Thema

Kapital und Wirkung

Finanzdokumentation leicht gemacht

Interview mit Dr. Stefan Fritz, Geschäftsführer der Erzbischöflichen Stiftungen und Entwickler vom "Stiftungscockpit". Dieses Tool zur sicheren Planung und Dokumentation des Finanzmanagements Ihrer Stiftungen können Sie hier herunterladen.

Mehr
Grundlagen beim Stiftungsvermögen
Theo Starck

Grundlagen Stiftungsvermögen

Rendite-Risiko-Profil, Anlagestrategie, Gesamtportfolio: Was muss man beachten, wenn man sich mit dem Vermögen der eigenen Stiftung auseinandersetzen möchte?

Mehr
Kapital und Wirkung

Die Fallen der Benchmarkorientierung

Viele Anleger begeben sich freiwillig oder unfreiwillig in eine Art Gefangenschaft und verpflichten sich, ein gewisses Anlageziel zu verfolgen. Welche Gefahren liegen in dieser Orientierung an einem "Benchmark"?

Mehr