„Was im Netz passiert, hat auch Auswirkungen auf unsere Demokratie“

Hanna Gleiß arbeitet beim betterplace lab und leitet das Projekt „Das NETTZ – die Vernetzungsstelle gegen Hate Speech“. Im Interview zeigt sie Klare Kante für unsere Demokratie und beschreibt, was wir alle für unsere Demokratie tun können.

Was bedeutet für Sie „Unsere Demokratie“?

Hanna Gleiß: Unsere Demokratie bedeutet für mich so viel, dass ich mich auch beruflich dafür einsetzen wollte. Deshalb bin ich zum betterplace lab gewechselt, um das Projekt „Das NETTZ– die Vernetzungsstelle gegen Hate Speech“ aufzubauen. Das ist nicht nur spannend, sondern auch politisch hoch aktuell. Denn Hate Speech bedroht unsere Demokratie.

Portraitfoto von Hanna Gleiß
Foto: Andi Weiland
Hanna Gleiß, Projektleiterin "Das NETTZ"

Wie setzt sich das betterplace lab für unsere Demokratie ein?
Das betterplace lab forscht zu den Potenzialen der Digitalisierung für das Gemeinwohl. Dabei geht es natürlich auch immer wieder um das Thema Demokratie. Uns beschäftigt die Frage, wie die Zivilgesellschaft die Potenziale der Digitalisierung noch besser nutzen kann, gerade auch, wenn es um den Schutz unserer Demokratie geht. In zwei konkreten Projekten geht es um die Frage, wie wir eine positive Netzkultur fördern können, was digitale Demokratie bedeutet und wie wir diese stärken können. Da ist neben Das NETTZ auch das Projekt demokratie.io - Innovationsfonds für digitale Demokratie.

Was macht das NETTZ konkret?
Das NETTZ möchte diejenigen stärken und vernetzen, die sich für eine konstruktive und demokratische Debattenkultur engagieren. Durch die Anonymität im Netz und durch die Möglichkeit von Echtzeitübertragungen können destruktive Strömungen und demokratiefeindliche Maßnahmen heutzutage sehr einfach umgesetzt werden. Es gibt im Netz zum Beispiel Foren, in denen sich Leute verabreden, um Einzelne fertig zu machen. Das wird vor allem von rechten Gruppen genutzt, aber nicht nur. Das bedroht unsere Demokratie in dem Sinne, dass die Vielfalt von Meinungen reduziert wird. Viele haben einfach Angst, sich zu äußern, weil sie wissen, dass sie sehr schnell zur Zielscheibe werden. Was im Netz passiert, hat auch auf Auswirkungen auf unsere Demokratie.

Was können wir alle denn tun, damit unsere Demokratie gestärkt wird? Was ist deine Antwort darauf?
Zunächst sollten alle erst einmal darüber nachdenken, was für einen selber Demokratie bedeutet. Was heißt das eigentlich? Was ist das Grundgesetz? Welche Bedeutung haben Werte, wie Gleichheit? Was heißt es zum Beispiel für mich als Frau, dass ich die gleichen Rechte habe wie ein Mann? Auch muss uns allen klar werden, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist. Denn auch in einer Demokratie gibt es Kräfte, Parteien und Stimmen, die die Abschaffung des Systems zum Ziel haben.
Und in Bezug auf Zivilcourage im Netz kann man sich auf unserer Webseite (www.das-nettz.de) informieren. Dort findet man zum Beispiel eine Akteursdatenbank, wo man sich anschauen kann, welche Engagierten wo und mit welchen Ansätzen aktiv sind und wo man sich auch selber einbringen kann.

Zur Person

Hanna Gleiß hat Politikwissenschaft in Berlin und Internationale Beziehungen in Paris studiert und acht Jahre als Projektmanagerin im Bereich Völkerverständigung bei der Robert Bosch Stiftung gearbeitet. Schwerpunkte waren u.a. Projekte in den Themen Konfliktprävention, Verständigung, Medien sowie der Aufbau der Robert Bosch Academy.

Seit Oktober 2017 leitet sie gemeinsam mit Nadine Brömme Das NETTZ – Vernetzungsstelle gegen Hate Speech auf. Das NETTZ möchte die Akteurslandschaft der digitalen Zivilcourage stärken. Seit Oktober 2018 ist sie Project Fellow am ISD (Institute for Strategic Dialogue).

Über das betterplace lab

Das betterplace lab ist ein Think- and Do-Tank, der soziales Handeln durch die Erforschung und den Einsatz digitaler Technologien verändern und verbessern will. Es forscht an der Schnittstelle zwischen Innovation und Gemeinwohl.

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