Kapital und Wirkung: Fallbeispiel Nr. 7

Eigene Fondslösungen + nachhaltige Anlagestrategie = große Wirkung


Die Erfolgsformel der Bürgerstiftung Braunschweig

Die Bürgerstiftung Braunschweig stand im Jahre 2012 vor der Herausforderung ihr eigenes Vermögen sowie das von rund 20 Treuhandstiftungen (Gesamtvolumen damals 8 Mio. € ) gleichermaßen sicher und ertragreich anlegen zu müssen.  Aufgrund des enormen Wachstums der Treuhandstiftungen und der damit verbundenen Anlageentscheidungen nahm auch der administrative Aufwand deutlich zu. Nachdem viele Fondslösungen geprüft, aber nicht das richtige Produkt am Markt gefunden wurde, entwickelten die Braunschweiger gemeinsam mit der NordLB einen Investmentfonds, der dieses Problem löst. Gleichzeitig wurde ein Anlageausschuss installiert, der mehrheitlich durch Entscheider von Stiftungen besetzt ist. Somit tragen die Mitglieder des Anlageausschusses die wesentlichen Entscheidungen in der Anlagepolitik mit. Alle Stiftungen haben ein großes Maß an Transparenz über die getätigten Investitionen sowie über die geplanten Ausschüttungen.

Bürgerstiftungsfonds

In den sogenannten Bürgerstiftungsfonds sind mittlerweile rund 15 Millionen Euro investiert. Davon machen rund 6 Millionen Euro die Hälfte des Stiftungsvermögens der Bürgerstiftung Braunschweig aus, die restlichen 9 Millionen Euro sind Vermögen anderer Stiftungen, die sich ebenfalls an dem Publikumsfonds beteiligt haben. Die Bürgerstiftung Braunschweig hatte bereits bei der Auflage des Fonds die Idee, die Anlagestrategie auf Basis nachhaltiger Kriterien umzusetzen. Doch was heißt eigentlich Nachhaltigkeit? Jeder hat dafür seine eigene Definition. Die Bürgerstiftung Braunschweig ist auch hier einen neuen und innovativen Weg gegangen. Sie hat über einen Zeitraum von über 6 Monaten mit anderen Stiftungen und Stiftern ihre eigenen Kriterien entwickelt. Sie hat sich an keinen bestehenden Kriterien angelehnt, sondern ihre eigenen Werte definiert. Dabei hat das unabhängige Beratungsunternehmen "imug" aus Hannover unterstützt. Kriterien wie zukunftsfähige Ressourcennutzung, Energie, Gerechtigkeit, Teilhabe und Gleichberechtigung fließen nun in die Anlagestrategie ein. Zusätzlich hat die Bürgerstiftung Braunschweig den Anspruch, dass die Rendite auf gar keinen Fall leiden darf. Hierfür hat die NordLB ein auf fundamentalen Kennzahlen basierendes System entwickelt. Das Bewertungsmodell filtert aus weltweit 2.050 Unternehmen die heraus, die sowohl günstig bewertet als auch langfristig solide und robust sind und den genannten Kriterien entsprechen.  

Ein weiterer großer Teil des Vermögens der Bürgerstiftung Braunschweig, die heute über einen Grundstock von ca. 13 Millionen Euro verfügt, sind in Immobilien investiert. Geplant ist in nächster Zukunft, das Konzept des Bürgerstiftungsfonds auf einen Immobilien-Fonds zu übertragen. Gemeinsam mit anderen Stiftungen in Form einer gGmbH sollen Immobilien gekauft oder gebaut werden, die idealerweise auch den Stiftungszweck erfüllen. Die Investitionen können so einen gesellschaftlichen Beitrag leisten und Studentenwohnheime, Kitas oder Sozialimmobilien realisieren. Interessant ist diese Idee vor allem für Stiftungen, deren Kapital nicht für den Kauf einer Immobilie in einer guten Lage ausreicht. Mit der Immobilie kann man langfristig nachhaltige Erträge erwirtschaften.

Dieses Beispiel zeigt, dass auch kleinere Stiftungen mit der richtigen Anlagestrategie große Wirkung erzielen können.

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Die unabhängige oekom research AG unterstützt als Premiumpartner des Bundesverbandes ebenfalls Stiftungen in der Umsetzung einer nachhaltigen Anlagestrategie