Klima- und Naturschutz verbinden

Mit welchen Maßnahmen können Sportvereine CO2 sparen? Wie lassen sich Unfälle von Fledermäusen an Windrädern verringern? Seit 22 Jahren fördert die Erfurter ­Naturstiftung David Projekte Dritter im Osten Deutschlands und ist bundesweit mit ­eigenen Projekten aktiv. Ein Einblick.

Bereits die Gründung der Naturstiftung David war eng verbunden mit einem Energieprojekt. Ein Stromkonzern plante in den 1990er-Jahren den Bau eines Pump­speicherwerks im Thüringer Schiefergebirge. Der Umweltverband BUND klagte dagegen, da das Vorhaben den letzten Wildfluss Thüringens stark beeinträchtigte. Als dem BUND im Laufe des Verfahrens die Aussichtslosigkeit der Klage deutlich wurde, stimmte er einem außergerichtlichen Vergleich zu. Mit der Vergleichssumme von sieben Millionen D-Mark gründete der BUND Thüringen im Jahr 1998 die Naturstiftung David.

Eine erste große Kampagne für den Klimaschutz führte die Stiftung in den Jahren 2004 bis 2008 durch. Gemeinsam mit den Landessportbünden in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt wurden unter dem Motto „Energiekosten sparen – Klima schützen“ über 100 Sportstätten energetisch saniert. Die Maßnahmen reichten von Dämmungen über den Einbau von Energiesparlampen bis hin zur Errichtung von Wärmepumpen und Sonnenstrom-Anlagen. 2018, zehn Jahre nach Kampagnenende, fand eine Evaluierung statt. Das Ergebnis: Nahezu alle Investitionen funktionierten noch und die prognostizierten Einsparungen von Energie und CO₂ wurden erreicht beziehungsweise übertroffen.

Konflikte vermeiden und Synergien aufzeigen

Ein Schwerpunkt der Stiftungsarbeit ist die Verknüpfung von Klima- und Naturschutz. Dabei gilt es, Konflikte zu vermeiden und Synergien aufzuzeigen. Intensiv diskutiert werden derzeit die Probleme der Vereinbarkeit von Windkraftnutzung und Artenschutz. Neben Vögeln können auch Fledermäuse durch Windkraftanlagen gefährdet sein. Doch gerade hier bestehen gute Möglichkeiten einer Konfliktminimierung: Fledermäuse fliegen nur in der Dämmerung, bei höheren Temperaturen und wenig Wind. Da in diesen Schwachwind-Zeiten der potenzielle Stromertrag gering ist, können die Windräder ohne große Ertragseinbußen abgeschaltet werden. Die Stiftung betreut derzeit die Weiterentwicklung einer Software, die anhand der örtlichen Fledermausvorkommen berechnet, wann ein Windrad abzuschalten ist. Die Zahl toter Fledermäuse an Windrädern kann damit deutlich reduziert werden.

Derzeit arbeitet die Stiftung daran, eine „Klimaschutzregion“ rund um das Naturschutzgebiet Hohe Schrecke in Nordthüringen zu etablieren. Auch hier spielen die Schnittstellen zwischen Natur- und Artenschutz, Klimaschutz und regionaler Wertschöpfung eine zentrale Rolle.

Der Klimaschutz ist neben dem Naturschutz auch ein Schwerpunkt bei der Projektförderung: Seit ihrer Gründung unterstützte die Stiftung über 400 Projekte Dritter in den neuen Bundesländern – darunter viele Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien und zur Energieeinsparung. 

Über den Autor:

Adrian Johst ist Geschäftsführer der ­Naturstiftung David und stellvertretender Leiter des Arbeitskreises Umwelt im Bundesverband Deutscher Stiftungen.

www.naturstiftung-david.de

Beitrag aus: Stiftungswelt Frühling 2020
Magazin Stiftungswelt

Klimaschutz und Nachhaltigkeit

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