8 Thesen zur Digitalisierung

ThinkLab
Bild: Marcus Gruber

Stiftungen dürfen sich nicht auf ihre Ewigkeitsgarantie verlassen. Sie können den digitalen Wandel nicht aussitzen, sondern müssen individuelle Strategien für das digitale Zeitalter entwickeln. Nur so bleiben sie in Zukunft relevant. Die Digitalisierung bringt neue Möglichkeiten, aber auch potenzielle Gefahren mit sich.

Neue Möglichkeiten

1. Die Digitalisierung ermöglicht Stiftungen, Arbeitsprozesse und Organisationsstrukturen effizienter zu gestalten. Dafür ist eine umfassende Strategie für das digitale Zeitalter notwendig, die einen Kulturwandel anstößt.

2. Die Digitalisierung ermöglicht Stiftungen, Themen schneller und flexibler zu besetzen. Durch iterative Arbeitsprozesse und neue Möglichkeiten des Austauschs können Stiftungen veränderte gesellschaftliche Bedürfnisse besser erkennen und Maßnahmen schneller umsetzen.

3. Die Digitalisierung ermöglicht die Wirkungssteigerung durch datenbasiertes und algorithmengestütztes Projektmanagement. Stiftungen müssen die Chancen und Risiken solchen datengestützten Arbeitens reflektieren und transparent machen. Good-Practice-Empfehlungen können dem gesamten Sektor nutzen.

4. Die Digitalisierung ermöglicht Open Data und neue Formen der Transparenz. Stiftungen sollten die Möglichkeiten von Open Data und Open Knowledge nutzen und unterstützen. Dazu gehört auch, eigene Daten und Ergebnisse der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

5. Die Digitalisierung ermöglicht neue Arbeitsmodelle und -kulturen: Orts-, zeit- und geräteunabhängiges Arbeiten wird zunehmen und die Zusammenarbeit – auch mit anderen Organisationen – verändern.

Potentielle Gefahren

6. Durch die Digitalisierung droht eine Verengung der Stiftungsarbeit auf kurzfristig erreichbare Ergebnisse und auf Mainstream-Themen mit leicht messbarem Wirkungspotenzial. Stiftungen sollten daher ein Verständnis ihrer individuellen Wirkungslogik entwickeln und diese offensiv vertreten. Das kann auch bedeuten, Themen unabhängig von ihrer Quantifizierbarkeit zu verfolgen. Ein ausgewogenes Portfolio aus kurz-, mittel- und langfristigen Ansätzen erscheint ideal. Über alle Ansätze hinweg sollten Stiftungen Experimentier- und Innovationsfreudigkeit leben.

7. Durch die Digitalisierung droht eine Schrumpfung des Dritten Sektors. Andere Akteure aus Wirtschaft und Sozialunternehmertum übernehmen Aufgaben, die derzeit noch bei Stiftungen liegen. Stiftungen sollten bereit sein, Möglichkeiten zur Kooperation mit solchen Akteuren zu nutzen. Gleichzeitig sollten sie ihren Mehrwert als Advokaten für das Gemeinwohl im digitalen Zeitalter herausstellen und nutzen.

8. Durch die Digitalisierung droht sich die angespannte Arbeitsmarktsituation für Stiftungen weiter zu verschärfen. Der Konkurrenzkampf im Werben um hochqualifizierte Mitarbeiter wird zunehmen. Stiftungen sollten sich vor diesem Hintergrund mit ihrer Arbeits- und Führungskultur auseinandersetzen und attraktive Arbeitsbedingungen bieten, um die besten Köpfe gewinnen und halten zu können.

Weitere Informationen
Lesen Sie auch die Reportage über das ThinkLab Deutscher Stiftungen in der Frühlingsausgabe 2018 der Stiftungswelt.

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