Foto: Lena Guntenhöner
Mozamel Niazia und Ruth (genannt Rudi) Schmidt

Name der Mentorin:
Ruth (genannt Rudi) Schmidt

Name des Mentees:
Mozamel Niazia

Wann und wo habt ihr euch kennengelernt?
Rudi: Das war im Sprachcafé im Oktober oder November 2017. Ich hatte gerade das Studium in Eberswalde angefangen und bin gleich ins Café, weil ich so etwas aus meiner alten Stadt kenne. Seitdem haben wir die Patenschaft und sind Familie geworden. Ich sag allen: Das ist mein kleiner Bruder. (lacht)

Mozamel: Kollegen von mir waren schon zwei-dreimal im Sprachcafé und dann bin ich mal mit denen mitgegangen. Wir haben Tee und Kaffee getrunken und dann hat Rudi gefragt, was ich in meiner Freizeit mache. Sie guckt sich immer Vögel an (Rudi: Ja, das ist mein Beruf) und hat nach zwei Wochen mich und einen Kollegen gefragt, ob wir in den Wald gehen und Vögel beobachten wollen.

Wo standet ihr jeweils am Anfang, als ihr euch kennengelernt habt?
Mozamel: Als wir uns zum ersten Mal im Sprachcafé getroffen haben, bin ich zur Berufsschule gegangen und habe dort auch Deutsch gelernt. Ich war schon ein Jahr in Deutschland, im Dezember 2015 bin ich aus Afghanistan angekommen.

Rudi: Das stimmt, du warst viel jünger damals, so 17. Es war von Anfang an total freundschaftlich zwischen uns, wir haben viel gelacht und Mozamel hat mir Eberswalde gezeigt. Jetzt sind es schon bald fünf Jahre, dass wir uns kennen.

Welche Herausforderungen habt ihr gemeinsam und wie gemeistert?
Mozamel: Ich bin alleine nach Deutschland gekommen und kannte niemanden hier. Es war alles neu für mich, die Sprache, die Kultur, das System. Wenn Rudi und ich uns sehen, bringe ich Briefe von der Ausländerbehörde, dem Sozialamt oder der Krankenkasse mit, die ich alleine nicht verstehen kann, und dann hilft sie mir.

Rudi: Jetzt schafft er auch schon viel alleine, aber am Anfang ist jede Kleinigkeit eine riesengroße Herausforderung, wenn man nicht so gut vernetzt ist oder die Sachen nicht mal einfach googeln und in seiner Sprache nachlesen kann. Das Schlimmste war aber die Sache mit dem Anwalt und der drohenden Abschiebung...

Mozamel: Ich hatte ein Interview für den Asylantrag bei der Ausländerbehörde, in dem ich erklärt habe, warum ich aus Afghanistan geflohen bin. Mein Antrag wurde daraufhin abgelehnt und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Ich hatte zwar einen Anwalt bekommen, aber mit Rudi haben wir bessere gefunden.

Rudi: Mit der anderen Kanzlei haben die Widersprüche bis zuletzt zur Machtübernahme der Taliban in Afghanistan angedauert. Damit kam auch der Abschiebestopp und seitdem ist nicht mehr diese ständige Angst da. Das war, glaube ich, das Schlimmste für Mozamel.

Welche Rolle hat das Mentoring-Programm dabei gespielt?
Rudi: Im Sprachcafé waren wir schon lange nicht mehr. Wir haben uns auch viel draußen, bei mir oder bei Mozamel zu Hause getroffen, haben zusammen gekocht oder gespielt oder einfach nur geredet.

Mozamel: 2020 und 2021 war ja auch Corona, da war das Café zu und wir haben uns draußen getroffen.

Wo steht ihr heute? Was macht ihr jeweils und was verbindet euch bis heute?
Rudi: Ich arbeite jetzt woanders und bin viel in Schleswig-Holstein. Wenn ich aber hier bin, dann treffen wir uns eigentlich immer. Das ist nicht immer Donnerstags, wir machen das inzwischen mehr so privat. [Anmk. d. Red.: Chancenpatenschaften können maximal zwei Jahre gefördert werden. Oftmals entwickeln sich jedoch so enge Beziehungen wie zwischen Mozamel und Rudi, dass an den regelmäßigen Treffen bzw. an einem Austausch festgehalten wird.]

Mozamel: Im Laufe des Tandems habe ich zu arbeiten angefangen. Erst war ich Zimmerreiniger in einem Hotel und jetzt kontrolliere ich, ob die Zimmer in Ordnung sind.

Rudi: Uns verbindet, dass wir über alles reden können. Das ist nicht so etwas Oberflächliches, sondern wenn uns etwas auf dem Herzen liegt, dann besprechen wir das. Das ist toll, dass wir so füreinander da sein können.

Über die Mitgliedsorganisation:

Die Bürgerstiftung Barnim Uckermark vermittelt neben vielen weiteren Projekten Ankommens- oder Chancenpatenschaften für Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund. Die Tandems werden in Zusammenarbeit mit den Freiwilligenagenturen in Eberswalde und Prenzlau begleitet und fachlich unterstützt. So werden z.B. Fortbildungen und Austauschtreffen für die Mentorinnen und Mentoren organisiert und bei Bedarf Beratung durch Fachkräfte vermittelt.

Weitere Informationen: www.buergerstiftung-barnim-uckermark.de
Text: Lena Guntenhöner

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Foto: Kzenon - adobe.stock

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