G20: Stiftungswirken in globalisierten Zeiten

Landungsbrücken in Hamburg
Federal Government/Sascha Neuroth

Zum G20-Gipfel in Hamburg werfen wir einen Blick auf das internationale Wirken deutscher Stiftungen. 5 Fragen und Antworten.
 
Vom 07. bis 08. Juli 2017 treffen sich in Hamburg die Staats- und Regierungschefs der größten Industrienationen und Schwellenländer beim G20-Gipfel zum Austausch über wichtige Fragen der Zeit, u.a. zu den Themenbereichen Wirtschaft, Klima, Gesundheit, Gleichberechtigung, Sicherheit und Migration. Darüber hinaus nehmen Vertreterinnen und Vertreter internationaler Organisationen wie der Vereinten Nationen, Weltbank, Welthandelsorganisation und die Afrikanische Union Teil. Auch Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen sind in der Vorbereitung und Begleitung des Gipfels involviert und setzen mit Aktionen insbesondere zu den Themen Entwicklungspolitik und Klima eigene Akzente. Prominentes Beispiel dafür ist die F20-Initiative.

Mit 5 Fragen und Antworten zeigen wir wie Stiftungen an der Lösung von zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen, die auf dem G20 diskutiert werden, mitwirken.

Wie beteiligen sich deutschen Stiftungen am G20 Gipfel?
Während der deutschen G20 Präsidentschaften wird ein umfassender Dialog mit der Zivilgesellschaft geführt, an dem auch Stiftungen und NGOs beteiligt sind. Gemeinsam mit internationalen Vertreterinnen und Vertretern werden G20 relevante Themen in Arbeitsgruppen diskutiert, gemeinsame Forderungen und Ziele entwickelt und diese anschließend in den Diskussionsprozess eingebracht. Dialogforen gibt es u.a. mit Nichtregierungsorganisationen (Civil20), Gewerkschaften (Labour20), Wissenschaftsvertretern (Science20), Frauenverbänden (Women20),  jungen Menschen (Youth20), Wirtschaftsvertretern (Business20) und Think Tanks (Think20). Darüber hinaus hat sich die Stiftungsplattform F20 zusammengefunden.

Was ist die F20-Initiative?
Die Stiftungsplattform F20 hat sich anlässlich des im Juli in Hamburg stattfindenden G20-Gipfels gegründet. Mit einer gemeinsamen Erklärung und intensivierten Zusammenarbeit zwischen den Stiftungen unterstützt die F20-Gruppe die internationale Klima- und Umweltschutzagenda und fordert die G20 auf, das Pariser Abkommen auch ohne die USA umzusetzen. Zur F20 gehören u. a. Rockefeller Brothers Fund, der Wallace Global Fund (beide USA), Shakti  Sustainable Energy Foundation, Tata Trusts (beide Indien), Avina Foundation  (Lateinamerika), FARN (Argentinien), SEE Foundation, C Team (beide China), Instituto Arapyaú (Brasilien), European Climate Foundation (Niederlande), Stiftung Zukunftsfähigkeit, Stiftung Mercator, Stiftung 2°- Deutsche Unternehmer für Klimaschutz, Michael Otto Stiftung für Umweltschutz, WWF, Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), die ZEIT Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und der World Future Council (alle Deutschland). Insgesamt beteiligen sich 45 Stiftungen aus vielen Teilen der Welt an der Initiative.

Wie aktiv sind deutschen Stiftungen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit?
In Zeiten wachsender globaler Herausforderungen wird die Entwicklungszusammenarbeit immer wichtiger. Über 2.000 deutsche Stiftungen engagieren sich international, 1.766 davon unmittelbar oder mittelbar im Feld der Entwicklungszusammenarbeit, wie ein aktuelle Untersuchung des Bundesverbandes zeigt. Dabei werden immer mehr Stiftungen in diesem Themenfeld aktiv. Wurden in den 1960er Jahren nur 2,9 Prozent der rechtsfähigen Stiftungen für den Zweck Entwicklungszusammenarbeit errichtet, waren es in den 2000er Jahren bereits 7,2 Prozent.
 
In welchen Ländern und Bereichen engagieren sich deutsche Stiftungen im Feld der Entwicklungszusammenarbeit?
Deutsche Stiftungen sind in zahlreichen Ländern der Welt aktiv: Rund 70 Prozent, auf dem afrikanischen Kontinent, 61 Prozent in Asien, 57 Prozent in Süd- und Mittelamerika und 43 Prozent in Osteuropa. Dabei dominieren mit 60 Prozent vor allem Stiftungen, die fördernd tätig sind und ihre Mittel an andere Organisationen geben, ohne eigene Projekte durchzuführen. Beispielsweise unterstützen sie Nichtregierungsorganisationen (NROs) sowie regionale Organisation vor Ort durch Zuschüsse oder Kredite. 13 Prozent der betrachteten Stiftungen sind ausschließlich mit eigenen Projekten operativ tätig, weitere 27 Prozent operativ und fördernd. Es sind vor allem kleinere und mittlere Stiftungen, die das Feld der Entwicklungsarbeit prägen. Rund 55 Prozent der untersuchten Stiftungen geben unter 50.000 Euro im Jahr für den Satzungszweck aus, 25 Prozent zwischen 50.000 bis 500.000 und nur 19 Prozent über 500.000 Euro.
Stiftungen verfolgen dabei unterschiedliche Ansätze und Methoden. Eine Leitidee für nachhaltiges globales Stiftungshandeln sind die im September 2015 von der UN und von 193 Staaten verabschiedeten weltweiten Entwicklungszielen, den Sustainable Development Goals (SDGs) im Rahmen der Agenda 2030.

Wie unterstützt und begleitet der Bundesverband Deutscher Stiftungen die internationale Arbeit von Stiftungen?
Als größter europäischer Stiftungsverband baut der Bundesverband Deutscher Stiftungen sein internationales Engagement aus und unterstützt Stiftungen auf dem Weg zu internationalem Engagement. „Für nachhaltiges Stiftungshandeln ist der Blick über den geographischen Tellerrand unverzichtbar. Soziale und ökologische Herausforderungen enden nicht an Landesgrenzen, darauf müssen auch Stiftungen reagieren. Denn nur wer über Grenzen hinaus denkt und handelt, ist den Herausforderungen unserer Zeit gewappnet“, erklärt Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und Vorsitzender des Europäischen Stiftungsverbandsnetzwerkes DAFNE, die Strategie.
Seit Juni steht den Stiftungen beim Bundesverband eine eigene Ansprechpartnerin zum Thema Entwicklungszusammenarbeit zur Seite und zeigt Kooperationsmöglichkeiten und Finanzierungsoptionen auf. Zusätzlich bietet der Bundesverband Publikationen und Veranstaltungen zum internationalen Engagement von Stiftungen.