Gegensätze und Geschwindigkeit – Philanthropie in Asien

Philanthropie in Asien
Impuls

Über eintausend Delegierte kommen aus der schwülen Hitze der berühmten Marina Bay von Singapur in das Konferenzzentrum zur Asian Venture Philanthropy Association (AVPA) Konferenz. Es liegt über einer der landestypischen Shopping Malls mit den üblichen globalen Marken und Kühlschranktemperatur im Inneren. Zwei Welten in einer. Und auch Teilnehmer und Themen machen kaum einen Unterschied zwischen For-Profit und Non-Profit, zwischen der Herkunft oder Geschichte von Ideen. Aber schnell ist hier alles. So wie die Erfolgsgeschichte der Asian Venture Philanthropy Association, vor sieben Jahren gestartet und mittlerweile die wichtigste Philanthropieplattform in einer Region von China bis Indonesien, von Indien bis Japan. Den 74-jährigen Gründer Doug Miller kenne ich lange, er hat schon die European Venture Philanthropy Association gestartet und hebt gerade die African Venture Philanthropy Association Taufe. Ein Mensch, der Geschwindigkeit liebt und gute Ideen.

Eine Wachstumsregion

Asien ist nicht leicht zu überbieten, sagt Doug, weder in Zahlen noch in Vielfalt: Gerade hat eine globale Studie gezeigt, dass Stiftungen in den USA und Europa stagnieren, während sie hier explodieren. Und damit erfasst die Studie nur einen kleinen Ausschnitt der Philanthropie, denn immer mehr Philanthropen nutzen (als Alternative oder zusätzlich zur Stiftung) auch andere und kommerzielle Rechtsformen für ihre Aktivitäten, die das ganze Spektrum von Spenden bis zu sozialen Investitionen abdecken. Gutes Tun kennt viele Formen.

Im Plenum debattiere ich unter anderem mit Mercedes Lopez-Vargas, die eine ganze Gruppe von Familienunternehmen und -stiftungen auf den Philippinen leitet und beschreibt, dass sie mal diese, mal jene Organisationsform nutzen, um ihre Mission zu erfüllen. Der ehemalige Friedensaktivist Shuichi Ohno sorgt gerade für eine kleine Revolution im konservativen Japan. Ohno-San hat seine Kollegen im Board der Sasakawa Peace Foundation davon überzeugt, 100 Millionen Dollar ihres 1,1 Milliarden Dollar schweren Endowments für Impact Investing zu nutzen, nicht zuletzt weil die Stiftung mit den auch für Deutschland populären Staatsanleihen letztens kaum noch zwei Prozent Rendite gemacht hat. Schlau bildet er mit Mikrofinanzfonds und Impact Investing Fonds wie Blue Orchard die Ertragsmodelle des restlichen Vermögens nach, um zu zeigen, dass Wirkung keine laufende Erträge kosten muss. Nur die Überschüsse gehen in Direktinvestitionen mit höherem Risiko.

Neue Investments

Die Ford Foundation ist hier anders als bei europäischen Konferenzen mit dem halben Senior Management vertreten. Roy Swan, der neue Chef des Impact Investing beschreibt, dass die Stiftung lange nach den Feldern gesucht hat, in denen sie Rendite und Wirkung verbinden und schrittweise mehr von ihrem Versprechen einlösen kann, eine Milliarde Dollar missionsorientiert anzulegen. Das vorläufige Ergebnis: In den USA investiert die Stiftung durch Anleihen in Soziales Wohnen, im Globalen Süden per Venture Capital in Fintech-Unternehmen, die mehr Menschen mit Finanzdienstleistungen verbinden. Die Stiftung sucht auf der Konferenz nach Partnern zum gemeinsamen Investieren, denn um die enorm unterschiedlichen Märkte zu verstehen, braucht sie lokale Expertise.

Tatsächlich arbeitet asiatische Philanthropie in unterschiedlichsten rechtlichen Rahmen - von denen viele mit offenen Gesellschaften nicht viel zu tun haben. Die chinesische Narada Foundation hat in China ganz im Einklang mit der Regierung eine ganze Infrastruktur für soziale Innovationen und private Spenden geschaffen. Und in Singapur florieren quasi-staatliche Geber und Investoren wie das Tote Board, das die Gelder von Pferderennen für die wenigen sozialen Zwecke einsetzt, die bei der staatlichen Totalregulierung des öffentlichen Lebens noch übrig bleiben. Man muss sich ja nicht alles abschauen.

Die Kraft von Ideen

Im Zentrum der Konferenz stehen aber bei aller Debatte über die Instrumente der Philanthropie eine kleine Gruppe von Delegierten, die gar kein Geld mitbringen: Social Entrepreneurs wie Nguyen Thao, eine Vietnamesin mit Glasknochenkrankheit, die innerhalb von zwei Jahren über 30 Jobs für Menschen mit Behinderungen in ihrer Video-Editing-Unternehmen geschaffen hat und hier nach Investoren sucht. Spenden oder Anteile an ihrem profitablen Unternehmen, da wäre sie flexibel.


Das Geld ist nicht das knappe Gut hier. Es sind die Menschen mit den großen Ideen und dem Mut, sie über Grenzen von Geographie, Sektoren und Denkstrukturen umzusetzen. 

Vielleicht brauchen wir ein Asien-Forum beim nächsten Deutschen StiftungsTag.

Herzlich, Felix Oldenburg

PS: Während der Tage in Singapur habe ich den Instagram Account der BMW Foundation übernommen, Bilder gibt es hier.

Weitere Informationen

Lesen Sie mehr zum Thema:

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