Preisverleihung Ernst Schering Preis & Friedmund Neumann Preis

Dr. Judith Feucht | Prof. Aviv Regev

Die Schering Stiftung zeichnet die Bioinformatikerin Prof. Aviv Regev für Ihre Pionierarbeit auf dem Gebiet der Einzelzellanalyse mit dem Ernst Schering Preis 2021 aus. Die Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Judith Feucht erhält den Friedmund Neumann Preis 2021 für ihre Beiträge zu Entwicklung und Einsatz von T-Zelltherapien zur Verbesserung der klinischen Versorgung bei Tumorerkrankungen.

Aviv Regev gilt als Vorreiterin auf dem Gebiet der Einzelzellbiologie und hat neue Wege beschritten, um die Disziplinen Biologie, Informatik und Gentechnik zu vereinen. Dabei ist es ihr auf einzigartige Weise gelungen, einige der wichtigsten experimentellen und analytischen Werkzeuge so miteinander zu kombinieren und weiterzuentwickeln, dass sie das Erbgut von Hunderttausenden von Einzelzellen gleichzeitig analysieren kann. Diese Einzelzellgenomanalyse ermöglicht die Kartierung und Charakterisierung einer großen Anzahl einzelner Zellen im Gewebe. Aviv Regev war die erste, die diese Einzelzelltechnologien auf solide Tumore anwandte und der es dadurch gelang, diejenigen Zellen und Gene zu identifizieren, die das Tumorwachstum und die Therapieresistenz beeinflussen. Darüber hinaus entdeckte sie seltene Zelltypen, die an Mukoviszidose und Colitis ulcerosa beteiligt sind. Schließlich baute sie mit internationalen Arbeitsgruppen und ihrer Kollegin Sarah Teichmann den Human Cell Atlas auf und inspirierte Wissenschaftler*innen auf der ganzen Welt, diese Werkzeuge zu nutzen, um einen umfassenden Atlas aller Zelltypen im menschlichen Körper zu erstellen. Die bisher entstandenen zellulären Atlanten von Teilen des menschlichen Körpers beleuchten Krankheitsmechanismen mit bemerkenswerter Genauigkeit und wurden jüngst auch bei der Untersuchung der Krankheitsverläufe von COVID-19 erfolgreich eingesetzt.

Judith Feucht hat mit ihren wissenschaftlichen Arbeiten entscheidend zu einer Verbesserung der therapeutischen Wirksamkeit von T-Zelltherapien beigetragen. Für T-Zelltherapien werden körpereigene Abwehrzellen, die weißen Blutzellen, genetisch verändert, so dass sie Tumorzellen erkennen und bekämpfen. Ein häufiges Problem bei Krebserkrankungen ist, dass die unveränderten körpereigenen T-Zellen die Tumorzellen oft nicht als Bedrohung erkennen und entsprechend nicht angreifen können. Mit Hilfe eines gentechnologischen Verfahrens können körpereigene T-Zellen im Labor zu Chimären Antigenrezeptor- T-Zellen, kurz CAR T-Zellen, umgewandelt und anschließend in den menschlichen Organismus zurück transferiert werden. Mit diesen Antigenrezeptoren ausgestattet sind die T-Zellen dann in der Lage, die Tumorzellen im Körper aufzuspüren und zu vernichten. Judith Feuchts Forschung im Labor von Prof. Michel Sadelain am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York (USA) und im Rahmen des iFIT Exzellenzcluster an der Kinderklinik Tübingen erbrachte wichtige Erkenntnisse über die therapeutische Wirksamkeit der CAR T-Zellen und trug wesentlich zur Entwicklung einer neuen Form dieser gentechnisch veränderten weißen Blutzellen bei. Diese neuartigen CAR T-Zellen zeigen in präklinischen Studien verbesserte therapeutische Resultate und werden aktuell an Patient*innen erprobt.

Kontakt

Maren Isabel Fritz

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Veranstaltungsort

Leibniz Saal - BBAW
Jägerstraße 22-23
10117
Berlin