MEMORIAL International erhält Sonderpreis des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen

Licht MEMORIAL
Bild: D. Höpfner

  • Der Preis würdigt das Engagement für die Zivilgesellschaft in Osteuropa.  
  • Flankiert wird die Auszeichnung von einem Unterstützungsfonds von über 100.000 Euro.  
  • Die Preisverleihung findet am 29. September 2022 auf dem Deutschen Stiftungstag in Leipzig statt. 
Irina Scherbakowa, Mitgründerin von MEMORIAL International
Foto: Daria Krotowa
Irina Scherbakowa, Mitgründerin MEMORIAL International

Der Sonderpreis des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen für besonderen Einsatz für die Zivilgesellschaft geht an die russische Organisation MEMORIAL International. Verliehen wird er am 29. September 2022 auf dem Deutschen Stiftungstag in Leipzig.  

Seit 1989 setzt sich die älteste Nichtregierungsorganisation Russlands für eine kritische Auseinandersetzung mit Gewaltgeschichte und politischer Repression in ihrem Heimatland ein. Dies ist bis heute der Schwerpunkt der Arbeit von MEMORIAL International.  Im Dezember 2021 wurde die Organisation vom Obersten Gerichtshof in Russland verboten, die Appellationskammer bestätigte dieses Urteil am 28. Februar 2022. MEMORIAL International befindet sich seither in Zwangsliquidation, will aber trotzdem seine Arbeit weiter fortsetzen und sich im Ausland neu strukturieren. 

Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft in Osteuropa

Der Sonderpreis des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen für besonderen Einsatz für die Zivilgesellschaft wird in diesem Jahr aus aktuellem Anlass statt des Deutschen Stifterpreises verliehen, um einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft in Osteuropa zu würdigen.  

Er wird von einem Unterstützungsfonds in Höhe von derzeit 100.000 Euro flankiert, um MEMORIAL International zu ermöglichen, Strukturen im Ausland aufzubauen. Initiatoren und Erst-Ausstatter des Fonds sind die Körber-Stiftung, die Robert-Bosch-Stiftung sowie die Software AG – Stiftung. Zudem sind Stiftungen in ganz Deutschland dazu eingeladen, sich am Fonds zu beteiligen.  

„Mit dem Sonderpreis setzt der Bundesverband Deutscher Stiftungen ein Zeichen der Unterstützung für die russische Zivilgesellschaft und für alle diejenigen, die sich für eine offene, demokratische Gesellschaft einsetzen.“
Friederike von Bünau, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen

Friederike von Bünau, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen: „MEMORIAL International setzt sich mutig und entschlossen für Menschenrechte in Russland ein und zögert nicht, Missstände und Unrecht anzuprangern. Mit dem Verbot durch russische Gerichte soll diese Stimme zum Schweigen gebracht werden. Wir brauchen MEMORIAL International jedoch weiterhin im Kampf für Gerechtigkeit und Menschenrechte – in Zeiten des Krieges gegen die Ukraine mehr denn je. Mit dem Sonderpreis setzt der Bundesverband Deutscher Stiftungen ein Zeichen der Unterstützung für die russische Zivilgesellschaft und für alle diejenigen, die sich für eine offene, demokratische Gesellschaft einsetzen.“ 

Irina Scherbakowa, Mitgründerin von MEMORIAL International: „Vor dreiunddreißig Jahren, als MEMORIAL gegründet wurde, war es ein Beweis dafür, dass sich in der russischen Gesellschaft eine Veränderung vollzog, dass eine tief verborgene Erinnerung an die Massenrepression, an den Terror, dessen Opfer Millionen von Menschen wurden, wiederbelebt wurde. Von diesem Moment an war es die Hauptaufgabe von MEMORIAL, eine Art „Volksarchiv“ zu erstellen - unsere Datenbank enthält Informationen über mehr als 3,5 Millionen Opfer. All die Jahre haben wir Menschen geholfen, Informationen über ihre Angehörigen zu finden, und sie haben uns Dokumente und Gegenstände übermittelt – damit konnten wir eine einzigartige Museumssammlung aufbauen. Dieser Kampf um die Erinnerung ist auch der Grund dafür, was heute mit MEMORIAL passiert. Deshalb wurde so viel Druck ausgeübt, deshalb wollte man MEMORIAL aus dem öffentlichen Raum in Russland verdrängen, als ausländische Agenten diffamieren. Deshalb wurde MEMORIAL verfolgt und schließlich verboten. Die Solidarität und die Unterstützung, die uns in dieser schwierigen Zeit von Menschen und Organisationen aus verschiedenen Ländern entgegengebracht wurde, hat uns von der Bedeutung unserer Arbeit und der Notwendigkeit überzeugt, sie auch außerhalb Russlands fortzusetzen.  Denn es geht nicht um uns, sondern darum, die Erinnerung an Millionen von Opfern zu bewahren, denn dieser Erinnerung an Massenterror sind keine Grenzen gesetzt.“  


Über MEMORIAL International

Die Organisation wurde 1989 von ehemaligen politischen Gefangenen und ihren Familien sowie von jungen Wissenschaftlern, Aktivistinnen und Kulturschaffenden gegründet. Der erste Vorsitzende der Gesellschaft war der Atomphysiker und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow. Zu den Zielen von MEMORIAL International gehört die Wiederherstellung der historischen Wahrheit über die politischen Repressionen in der Sowjetunion sowie die soziale und juristische Betreuung von Opfern politischer Unterdrückung und ihrer Angehörigen. 

MEMORIAL International ist dezentral organisiert und besteht aus mehreren Mitgliedsorganisationen, die meisten davon in Russland, einige aber auch in der Ukraine, in Deutschland, Tschechien, Italien und Frankreich. Als eines der ersten Projekte der neuen Auslandsstruktur ist ein MEMORIAL-Dokumentationszentrum geplant. Als Standort hierfür ist Deutschland im Gespräch.  
Mehr zu Memorial: www.memorial.de


Ukraine-Hilfe der deutschen Stiftungen

Deutsche Stiftungen engagieren sich bereits seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine für Flüchtende und Betroffene in und aus dem Kriegsgebiet. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat Angebote von Stiftungen gesammelt und auf seiner Webseite veröffentlicht.  www.stiftungen.org/ukraine

Beate Wild

Pressesprecherin
Telefon: (030) 89 79 47-23

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