Lernzentren in Indien sind sehr wirksam

Nach fast eineinhalb Jahren Schulschließung öffnen in Indien nach und nach wieder die ersten Schulen. Damit die Kinder auch während der Pandemie Unterricht erhalten, hat die Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie mit Kooperationspartnern und indischen Partnerorganisationen 60 lokale Lernzentren ermöglicht.

Diese Lernzentren in Südindien leisten wertvolle Arbeit und sind sehr wirksam. Das zeigen die Berichte unserer Partner, so auch der von Native Medicare Charitable Trust (NMCT), der einen Reporter des New Indian Express, einer der renommiertesten Zeitungen Indiens, zu Besuch hatte.

Im Dezember 2020 begann NMCT mit Homeschooling-Angeboten und Lernzentren in zwei Bezirken nahe Coimbatore. Inzwischen besuchen mehr als 400 Schüler*innen aller Altersstufen in 20 indigenen Dorfgemeinschaften die Lernzentren. NMCT-Gründer Dr. A.S. Sankaranarayanan berichtet, dass qualifizierte Nachwuchslehrer*innen von Experten geschult worden seien, um die Kinder zu motivieren und zu unterrichten. Die Lehrkräfte erhalten 5.000 Rupien im Monat (umgerechnet 58 Euro) sowie Unterrichtsmaterialien. Auch die Schüler*innen bekommen die notwendigen Utensilien zum Lernen, z.B. Hefte und Stifte.

Statt Ziegen zu hüten wird nun gelernt

Das Konzept hat sich sehr bewährt und wird auch von anderen Partnerorganisationen umgesetzt. Bevor die Lernzentren ihre Arbeit aufnahmen, hätten viele Kinder der indigenen Gemeinschaften infolge der Schulschließungen Ziegen und Kühe gehütet und kein Interesse an Bildungsangeboten gezeigt, erzählt Lehrerin R. Valliyammal. NMCT konnte die Eltern der Kinder aber überzeugen, wie wichtig Bildung ist, sodass sie ihre Töchter und Söhne in die Lernzentren schickten. Mit Erfolg! Im Unterricht lernten die Kinder Lesen, Schreiben, Rechnen und gewannen neues Selbstbewusstsein.

Eine andere Lehrerin berichtet, dass viele Schüler*innen aufgrund der monatelangen Schulschließung bereits das Alphabet vergessen und Rechnen verlernt hatten. Mit ihrer Hilfe haben die Kinder ihre Fähigkeiten inzwischen wiedererlangt bzw. aufgefrischt.

In den Lernzentren steht aber nicht nur Rechnen, Lesen und Schreiben auf der Tagesordnung. Die Schüler*innen werden auch regelmäßig medizinisch untersucht und lernen, wie wichtig Händewaschen, Masken und Abstandsregeln sind, um eine Corona-Infektion zu verhindern. Zudem erhalten die Kinder gesunde Snacks und mittags eine warme Mahlzeit.

In den Lernzentren gibt`s auch eine warme Mahlzeit

Mittagessen ist normalerweise fester Bestandteil des Regelschulunterrichts und hat in der Vergangenheit wesentlich zur ausreichenden und ausgewogenen Versorgung der Kinder beigetragen. Mit dem Wegfall des Regelschulunterrichts ist diese wichtige Nahrungsquelle weggefallen. Projektmitarbeiter*innen verteilen außerdem nährstoffhaltige Lebensmittel an die Kinder.

Auch Spaß und Spiel kommen in den lokalen Lernzentren nicht zu kurz: Es wird gemalt und gebastelt und Yoga-Übungen sorgen für Ausgleich in einer für alle schwierigen Situation.

Erfolge des NMCT-Projekts auf einen Blick

·         400 Kinder erhalten Unterricht und sind motiviert, die regulären Schulen zu besuchen, sobald diese wieder geöffnet haben

·         90 Prozent der Kinder haben ihre Schreib- und Lesefähigkeit wiedererlangt bzw. aufgefrischt

·         63 Prozent der Kinder haben nun eine positive Einstellung zur Schule

·         100 Prozent der Schüler*innen wurden vor Corona bewahrt

·         95 Prozent der Kinder gewannen mehr Selbstvertrauen

Unsere Lernzentren wirken somit auf vielen Ebenen, sie bereiten die Kinder auf den regulären Schulunterricht vor, stärken sie in ihrer Gesundheit und in ihrem Selbstvertrauen und ganz wichtig: sie beugen Kinderarbeit vor. Seit Anfang September gibt es erste reguläre Schulöffnungen für Schüler*innen ab Klasse 9, weitere Schulöffnungen sind geplant. Die Lernzentren sollen so lange geöffnet bleiben bis ein reibungsloser und sicherer Übergang in den Regelschulunterricht gewährleistet ist.

Stiftungen und Unternehmen können gemeinsam sehr viel erreichen

Dieses Projekt und zwei weitere ähnlich ausgerichtete Corona-Sofortmaßnahmen konnten in Kooperation mit der Merck Family Foundation und der Firma Dyckerhoff realisiert werden. Kurze Entscheidungswege bei den Kooperationspartnern sowie schnelle Kommunikationswege zwischen der Karl Kübel Stiftung und ihren Projektpartnern in Indien stehen für den Erfolg der Maßnahmen.

Es ist ein hervorragendes Beispiel für die hohe Flexibilität, die Stiftungen und Unternehmen ausmachen. Gemeinsam können sie unmittelbar auf Notlagen reagieren. Natürlich war dafür auch das starke Netzwerk der Karl Kübel Stiftung im Süden ausschlaggebend. Unsere Partner haben enge Beziehungen zu den benachteiligten Menschen aber auch zu lokalen Regierungen und Verwaltungen, die gerade in der Pandemie wichtige Akteure für die passgenaue und zielgruppenorientierte Ausrichtung unter den stetig wechselnden Rahmenbedingungen der Pandemie waren.