Vom Leitbild zum Grundsatz

Lange wurde der Klimaschutz in der „Nische“ der Umweltstiftungen verortet. Das ändert sich! Die vom Arbeitskreis Umwelt angestoßene ­Aufnahme des Grundsatzes 6 in die Grundsätze guter Stiftungspraxis ist eine gute ­Gelegenheit, das Thema in den Fokus zu rücken.

Die Mitgliederversammlung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen hat auf dem Deutschen Stiftungstag 2019 beschlossen, Nachhaltigkeit und Klimaschutz in die Grundsätze guter Stiftungspraxis aufzunehmen. Im neuen Grundsatz 6 heißt es dazu: „Stiftungen handeln nachhaltig in Verantwortung für die zukünftigen Generationen. Sie setzen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten im Einklang mit der 2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung der UN und dem Pariser Klimaschutzabkommen für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ein, insbesondere für die Begrenzung der Klimakrise und den Erhalt der Biodiversität.“

Eine Reihe von Stiftungen bekennen sich bereits zur eigenen Verantwortung für Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Diese Stiftungen setzen – unabhängig vom Stiftungszweck – in ihrer Organisation konkrete Maßnahmen um, die den Klimafußabdruck ihrer Tätigkeit verringern. So wie jeder oder jeder Einzelne, jedes Unternehmen und jede Verwaltung gefordert ist, im eigenen Haus den gesellschaftlichen Wandel zu mehr Nachhaltigkeit zu beginnen, begeben sich auch Stiftungen auf diesen Weg. Doch wie wird aus dem Anspruch, eine Organisation nachhaltig und klimafreundlich zu managen, für möglichst viele Stiftungen gelebte Realität?

Eine erste Hilfestellung, in der Praxis mehr Klimaschutz umzusetzen, bietet das Leitbild klimafreundliche Stiftung, das der Arbeitskreis Umwelt im Bundesverband Deutscher Stiftungen 2015 auf dem Deutschen Stiftungstag in Karlsruhe verabschiedet hat. Jedes der im Leitbild aufgeführten Handlungsfelder zeigt auf, wie kleine und größere Organisationen wirksame Verbesserungen anstoßen können. Im Handlungsfeld „Energie“ empfiehlt das Leitbild: Energie einsparen, effizient nutzen und aus erneuerbaren Quellen beziehen. Für Veranstaltungen – für viele Stiftungen ein wiederkehrendes Format – skizziert es wichtige Hebel wie die Art der Einladung, die Auswahl des Veranstaltungsortes und sogenannter Give-aways oder die Verpflegung. Im Hinblick auf die Mobilität gilt es unnötige Wege einzusparen, ein aktives Mobilitätsmanagement zu initiieren, öffentliche Verkehrsmittel und moderne Antriebstechnologien zu nutzen.

Das Echo auf das Leitbild klimafreundliche Stiftung war 2015 trotz intensiver Öffentlichkeitsarbeit seitens des Bundesverbandes bescheiden und nur eine verschwindend geringe Anzahl der Mitgliedsstiftungen hat sich bislang mit der Unterzeichnung des Leitbilds klimafreundliche Stiftung öffentlich zu ihrer Verantwortung bekannt und Verbesserungen angekündigt. Vielleicht war damals die Zeit noch nicht reif. Viele Stiftungen verorteten den Klimaschutz in der „Nische“ der Umweltstiftungen.

Mittlerweile dominiert das Thema täglich in den Schlagzeilen. So ist die vom Arbeitskreis Umwelt angestoßene Aufnahme des Grundsatzes 6 in die Grundsätze guter Stiftungspraxis eine gute Gelegenheit, die Debatte im Stiftungssektor wieder zu aktivieren. Und der Arbeitskreis sieht noch weiteren Handlungsbedarf: Die Idee ist ein leicht zugängliches digitales und möglichst interaktives Instrument zur Kompetenzbildung in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Dieses Weiterbildungsangebot soll den Mitgliedern des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen Erfahrungen und Empfehlungen für Nachhaltigkeit und Klimaschutz in Stiftungen vermitteln. Das digitale Veranstaltungsformat ermöglicht einen „Besuch“ vom eigenen PC-Arbeitsplatz aus. Die geplante Reihe soll mit einer Einführung ins Thema über die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung und das Konzept der planetaren Grenzen starten. Darauf folgen verschiedene Aspekte des Klimaschutzes, wie im Leitbild klimafreundliche Stiftung aufgelistet, die jeweils durch einen Experten oder eine Expertin vorgestellt und durch einen Erfahrungsbericht aus Sicht einer Stiftung ergänzt werden. Zum Abschluss ist ein Ausblick vorgesehen, wie die weiteren, insbesondere auch soziale Aspekte von Nachhaltigkeit in das Stiftungsmanagement integriert werden können und wie eine Berichterstattung angestoßen werden kann. Das Kommunikationsteam des Bundesverbandes bereitet einen baldigen Start der digitalen Veranstaltungsreihe vor.

Über die Autorin:

Sylke Freudenthal ist Vorstand der Veolia Stiftung und Leiterin des Arbeitskreises Umwelt.

Beitrag aus: Stiftungswelt Frühling 2020
Magazin Stiftungswelt

Klimaschutz und Nachhaltigkeit

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