Mit und ohne Profit?

Kapital und Wirkung
Foto: HVB Stiftung Geldscheinsammlung

Das Verhältnis von Stiftungen zum Geschäft ist nicht einfach. Das merke ich oft, wenn ich Begriffe wie "Geschäftsmodell" oder "Markt" nutze. Bei Vielen ist die Selbstverortung in der Zivilgesellschaft und in der Gemeinnützigkeit ein wichtiger Teil der Identität. Sie werden die Neuigkeit, dass der Salesforce-Gründer Marc Benioff das US-Magazin TIME gekauft hat, nicht als Ereignis in der Stiftungswelt verstehen.  

Wo beginnt philanthropisches Engagement?

Genau das ist es aber. Und es wird noch viel komplizierter. Unabhängiger Qualitätsjournalismus lässt sich heute immer seltener aus sich heraus und mit kommerziell orientierten Eigentümern finanzieren. Das kann man beklagen. Oder man kann mit neuen Finanzierungswegen experimentieren und Eigentümer finden, die bereit sind, im Interesse eines gesellschaftlichen Mehrwerts ohne sichere oder mittelfristige Renditeaussicht zu investieren. Hier beginnt meiner Meinung nach bereits die Philanthropie, oder genauer, die vom Wagniskapital inspirierte "Venture Philanthropy", die mit ihren vielen Facetten zur dominanten Praxis jüngerer Stifterinnen und Stifter geworden ist. 

TIME ist also jetzt ein philanthropisches Projekt geworden, wenn auch das einer Privatperson statt einer Stiftung, genau wie in den letzten Jahren bereits die Washington Post (Amazon-Gründer Jeff Bezos) und The Atlantic (Jobs-Witwe Laurene Powell Jobs). Der britische Guardian ist es übrigens über die Scott Foundation bereits seit langem. Auch in Deutschland gewinnt diese Debatte langsam an Fahrt, und sie wirft auch die Frage auf, wie Stiftungen in Feldern wirken können, die (wie der Journalismus) nicht in der Abgabenordnung verankert sind oder gewinnorientiert arbeiten. 

Meist kann man journalistische Vorhaben als Bildungsprojekte fördern oder über die Individualförderung etwa Journalisten mit Stipendien unterstützen. Sich mit Stiftungsmitteln investiv an Medienunternehmen zu beteiligen, das ist in Deutschland ein Feld für Pioniere. Auf der Seite des unabhängigen Journalismus gibt es jedenfalls mit Correctiv, Riff-Reportern, Hostwriter und anderen eine rasch wachsende Szene an Organisationen, die Unterstützung nach neuen Mustern brauchen.

Trennlinie der Gemeinnützigkeit ist eine neue Erfindung

Dabei hätten Stiftungen auch in Deutschland historische Vorbilder. Der Ursprung des Stiftungshandelns liegt ja seit Jahrhunderten darin, unternehmerisch geführte Einrichtungen zu besitzen und zu bewirtschaften, wie man auch an den alten Trägerstiftungen von Krankenhäusern beobachten kann. Niemand würde argumentieren, das Juliusspital in Würzburg sei keine richtige Stiftung, weil ihr neben einem Krankenhaus auch ein profitables Weingeschäft (und übrigens sogar ein zugestifteter Dachtreppenhersteller) gehört. Im Vergleich zu dieser langen Geschichte ist die Trennlinie der Gemeinnützigkeit eine relativ neue Erfindung. Sie zieht eine - freilich meist sehr hilfreiche - doppelte Linie: Auf der einen Seite finden sich die Verwirklichung gemeinnütziger Zwecke im Rahmen der steuerbefreiten Sphäre, in der ein Ausschüttungsverbot besteht und die Eigenwirtschaftlichkeit „nicht in erster Linie“ verfolgt werden darf. Auf der anderen Seite finden sich kommerzielle Geschäftsfelder, die regulär besteuert werden und Gewinne an Eigentümer verteilen dürfen. 

Die Wirklichkeit teilt sich indes nicht so leicht in zwei getrennte Bereiche. Auf der einen Seite verändern sich die Märkte. Auf der anderen die Philanthropie. Auch wenn man die Rechtssysteme nicht ohne Weiteres vergleichen kann, ist das Beispiel der US-Philanthropen für Deutschland ein wichtiger Anstoß, den Instrumentenkasten des Stiftens breiter zu verstehen.

Über den Autor

Felix Oldenburg war von 2016 bis 2020 beim Bundesverband Deutscher Stiftungen als Generalsekretär tätig. Er ist Vorsitzender des europäischen Verbandsnetzwerks DAFNE.

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