Mit Social Impact Bonds (SIB) zu sozialen Innovationen

Mit Social Impact Bonds (SIB) können Stiftungen soziale Innovationen – vor allem in der Prävention – anschieben und gleichzeitig eine auskömmliche Rendite erwirtschaften. International schon recht verbreitet, werden seit 2013 SIBs in Modellprojekten von und mit Stiftungen auch in Deutschland durchgeführt – mit ersten Erfolgen.

Innovationen vorfinanzieren mit Pay-for-Success

SIBs sind ein „sozialer Wirkungskredit“, über den private Förderer wie Stiftungen mit Risikokapital soziale Projekte über einige Jahre vorfinanzieren. Dieses Kapital verschafft zum Beispiel Kommunen Spielraum zur Erprobung neuer Ansätze, z.B. für Investitionen in präventive Maßnahmen, die heute im Sozialsystem oft unterbleiben. Auch wenn der öffentlichen Hand ebenfalls – allerdings geringere –  Kosten entstehen, verbleibt das Ausfallrisiko allein beim Förderer. Dies ist eines der Risiken, die es bei Social Impact Bonds insbesondere für Stiftungen zu beachten gilt. Weitere sind, wie eine Handreichung der Bertelsmann Stiftung feststellt „geringe Erfahrungswerte mit wirkungsorientierten Finanzierungsinstrumenten, kosten- und zeitintensive Vorbereitungen oder auch operative Mängel beim sozialen Dienstleister.“

Gelingt es allerdings, vereinbarte soziale Wirkungsziele zu erreichen und damit oft auch Folgekosten zu senken, erhält der Förderer sein Geld vom Staat mit einer Verzinsung zurück. Auch wenn dies nicht zwingend ist, sollten diese Zinsen optimaler Weise wiederum in weitere öffentliche Maßnahmen fließen. 2016 meldete die Juvat gGmbh – eine Tochter der Benckiser Stiftung – gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration mit „Augsburg Eleven“ den ersten erfolgreich beendeten SIB in Deutschland. Der Erfolg dieses Projekts, bei dem 22 schwervermittelbare Jugendliche in Ausbildung oder Arbeit gebracht wurden, macht zuversichtlich. BHF-BANK- Stiftung, BMW Foundation Herbert Quandt sowie die BonVenture gGmbH erhielten als Vorfinanzierer nach 28 Monaten ihr Kapital in Höhe von 250.000 Euro inklusive drei Prozent Zinsen zurück.

Stärkung der Prävention in der Erziehungshilfe in Osnabrück

Seit 2017 erprobt nun die Bertelsmann Stiftung den Einsatz von SIBs im Landkreis Osnabrück und der Stadt Mannheim – so im 2017 gestarteten Projekt „Stärkung von Prävention in den Hilfen zur Erziehung“ in Osnabrück. 48 ausgewählte Familien, die rechtlichen Anspruch auf Einzelfallhilfe haben, nehmen freiwillig an dem präventiven Elternprogramm „TripleP“ teil, um ihre Erziehungs-kompetenzen zu stärken. Wie bei allen SIB-Projekten brauchte es für die Umsetzung mindestens vier Partner: 1. einen sozialen Förderer zur Finanzierung (die Kreissparkasse Bersenbrück), 2. den Staat (Landkreis Osnabrück) 3. einen Maßnahmenträger (die Lega S Jugendhilfe) sowie 4. einen Projektsteuerer (die gemeinnützige Beratungsorganisation PHINEO gAG, an der die Bertelsmann Stiftung wiederum Anteile hält).

Mehr Bildungsangebote für benachteiligte Kinder in Mannheim

Das ebenfalls 2017 gestartete fünfjährige Pilotprojekt der Stadt Mannheim „Bildungschancen von Kindern verbessern“ setzt auf intensive Begleitung von Kindern mit herkunftsbedingten Benachteiligungen. Ziel des Projektes an einer Grundschule ist, möglichst vielen benachteiligten Kindern den Übergang von der vierten Klasse auf höhere weiterführende Schulen zu ermöglichen. Durch einen SIB, finanziert von der BASF SE als Förderer, können zusätzliche Unterrichtsstunden sowie Kurse zur Stärkung individueller Kompetenzen angeboten und die Kinder durch Mentoring und Elternarbeit zusätzlich unterstützt werden. Auch hier koordiniert die PHINEO gAG die Zusammenarbeit der Partner.

Unabhängige Erfolgskontrolle und erste soziale wie finanzielle Renditen

Die Bertelsmann Stiftung begleitet beide SIB-Projekte und lässt sie wissenschaftlich auswerten. Eine Rückzahlung des Kapitals im Landkreis Osnabrück an die Kreissparkasse erfolgt nur dann, wenn die Familien keine weiteren Erziehungshilfen in Anspruch nehmen mussten und es ihnen auch subjektiv empfunden besserging.

In Mannheim sollen jeweils am Ende der vierten Klasse der erreichte Lernstand ermittelt und eine signifikante Steigerung der Gymnasialempfehlungen bei Bildungsbenachteiligten erreicht werden.

Dr. Sebastian Muschter, verantwortlich für Transfer & Skalierung in der Bertelsmann Stiftung, würdigt die beiden SIBs: „Deutschland hat zwar ein sehr engmaschiges Sozialsystem. Dennoch ist hier leider wenig Raum für Prävention. Die SIBs sind spannend, weil sie präventiven Instrumenten mit klarer Wirksamkeit zum Durchbruch verhelfen können. Auch wenn die Investitionsvolumina in beiden Kommunen eher gering sind, lernen und erhoffen wir uns viel. Erfolgreiche SIBs können die Wirkung pro Euro verstärken, weil sie die Wirkung in den Mittelpunkt stellen, und weil die Rückzahlungen der einen Kommune das Programm in einer anderen finanzieren.“

Autorin

Morticia Zschiesche
freie Journalistin

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