Klimakrise: Bürgerstiftungen müssen raus aus der Neutralität

Die globale Klimakrise zwingt auch Stiftungen, ihr Handeln zu überprüfen. In unserer Serie "Stimmen aus Stiftungen zum Klimaschutz" fragen wir nach, in welcher Form sich Stiftungen bereits für mehr Nachhaltigkeit engagieren. Dazu sprachen wir mit Hanna Lehmann, Stiftungsratsvorsitzende der Freiburger Bürgerstiftung.

Hanna Lehmann
Hanna Lehmann

Dank der Fridays-for-Future-Bewegung ist das Thema Klimaschutz nun auch ganz oben auf der politischen Agenda angekommen. Was können Stiftungen von der Jugendbewegung lernen?
Die Jugendlichen, Schüler und Studenten sprechen die Menschen direkt an, die politische und wirtschaftliche Verantwortung dafür tragen, ebenso richten sie sich an die Elterngeneration, zu der wir gehören, die diesen konsumorientierten Lebensstil vorgelebt haben. Mich haben die letzten Demonstrationen in Freiburg „Fridays-for-future“ mit 10.000 Menschen sehr beindruckt. Der Elan, die Freude und Entschlossenheit, die unglaubliche Kreativität, mit der z.B. Spruchbänder angefertigt wurden, die gute Organisation und auch Disziplin, der Umgang untereinander – das  war eine besondere Erfahrung für mich.

Ich möchte vor allem für die Bürgerstiftungen sprechen. Viel zu lange haben wir uns durch die selbstauferlegte „Neutralität“ politisch korrekt verhalten, damit wir nicht in der Nähe einer bestimmten Partei vermutet werden. Aber es stehen die dringenden parteipolitisch übergeordneten Fragen nach Generationengerechtigkeit verbunden mit der sozialen Gerechtigkeit im Vordergrund. Die Zukunft der nächsten Generationen ist mehr als gefährdet. Auch wir als Bürgerstiftungen können uns nicht nur im kommunalen Geschehen bewegen, sondern müssen die globalen von Menschen  verursachten Veränderungen mitdenken und entsprechend handeln. Die Kreativität, neue Formen der Kommunikation, die Entschlossenheit und die Klarheit, mit der Fehler benannt werden und die Forderungen, die rigoros klingen und es auch sind - das ist eine Haltung, die auch bei Bürgerstiftungen Einzug halten kann.

Am 20. September findet der dritte globale Klimastreik statt  – weltweit werden Menschen auf die Straße gehen und für die Einhaltung des Paris-Abkommens und gegen die anhaltende Klimazerstörung laut werden. Was hat Ihre Stiftung an diesem Tag geplant?
Einige unserer Freunde, Stifter, Sympathisanten und Spender sowie Zeitstifter haben schon an den Demonstrationen, die in Freiburg ohnehin guten Zulauf haben, teilgenommen. Unterschiedliche Gruppierungen haben sich zusammengefunden, wie beispielsweise „Omas-for-future“ oder „Architekten-for-future".

Wir werden auf unserer Homepage das Ereignis kommunizieren und appellieren, daran teilzunehmen. In unseren Gremien ist der 20. September 2019 ein Thema. Vor allem aber geht es um die Projekte der Nachhaltigkeit, die weiter vorangetrieben werden.

Ich persönlich bin mit meinen Freunden und Familie auf alle Fälle dabei und erlebe es wie eine Sommerdusche nach all den “Atom – nein danke“-Demos, die hier im südlichen Raum mit dem Atomkraftwerk Fessenheim sichtbar in die Jahre gekommen sind.

"Mein Tipp: Schon allein mit der Anlagestrategie kann jede Stiftung nachhaltig handeln und Umweltziele umsetzen."
Hanna Lehmann, Freiburger Bürgerstiftung
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Vor allem die Umweltstiftungen arbeiten bereits seit Jahren an dem Thema. So hat der Arbeitskreis Umwelt im Bundesverband Deutscher Stiftungen Handlungsempfehlungen und Erklärungen erarbeitet und veröffentlicht. Nun gilt es, dass auch andere Stiftungen mobilisiert und aktiv werden. Wie könnte dies gelingen?
Stiftungen haben oft sehr gute Zielsetzungen, hervorragende Projekte, bei denen es auch um Klimaschutz, Lebensstilfragen und soziale Gerechtigkeit geht. Im Zentrum stehen oft Kapitalbildung, Spendenpolitik und Projektförderung. Es gibt wirksame Umweltprojekte, Bildungsprojekte im Umweltbereich oder auch Sozialprojekte, was nie getrennt werden sollte. Aber schon allein mit der Anlagestrategie kann jede Stiftung nachhaltig handeln und Umweltziele umsetzen. Die Freiburger Bürgerstiftung hat schon 2006 in ihrer Satzung verbindlich die ethisch-ökologische-soziale Geldanlage festgeschrieben. Eine inhaltliche und auch im Hinblick auf die Rendite gute Entscheidung.

Stiftungen können intern ihre Hardware und auch die weichen Faktoren überprüfen und ändern: 

  • Fuhrpark/Mobilität
  • Anschaffungen/Neukauf
  • Nachrüstung der Immobilien
  • Ernährung
  • Stromeinkauf

Alles unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit. Die Zielsetzungen werden aktualisiert und müssen sich der dramatischen Veränderung unseres Erdenballs anpassen. Projektanträge mit zukunftsorientierten Inhalten werden bevorzugt.

Bürgerstiftungen haben die große Chance, sich bei Fridays-for-future einzubringen und unkonventionelle Ideen und Anträge der jungen Menschen zu unterstützen. Bürgerstiftungen haben durch ihre Vielfalt und Offenheit die Möglichkeit, die Dringlichkeit eines veränderten Lebensstils deutlich zu machen und durch konkrete Projekte zu fördern und diese publik zu machen. 30.000 Stifterinnen und Stifter der 400 Bürgerstiftungen haben in diesem Jahr den Deutscher Stifterpreis erhalten. Welch ein Potential!

Klimawandel
Foto: WK Stock Photo - stock.adobe.com

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