Hochschulen auf dem herausfordernden Weg zum Wintersemester

Stiftungs-News

Die Corona-Pandemie zwang Hochschulen zu einer Vollbremsung: Der Präsenzbetrieb musste eingestellt, neue Online-Angebote organisiert und das Wintersemester geplant werden. Wie gehen Universitäten mittlerweile mit der Ausnahmesituation um?

Die Claussen-Simon-Stiftung haben fast 60 Anträge von Universitäten erreicht, –  von der Beschaffung technischer Ausrüstung bis zur Ausbildung von Online-Tutoren/-innen. Die Hochschulen werden in ein hybrides Wintersemester starten und weiterhin einen Großteil der Lehrangebote digital veranstalten. Durch die Umstellung auf digitale Lehre rückte das Thema Didaktik in den Fokus – durchaus ein positiver Effekt der Corona-Pandemie, dennoch eine andauernde Herausforderung, die Inhalte neu aufzubereiten und für die digitale Lehre zu gestalten. Der wissenschaftliche Austausch und  die fachliche Diskussion werden weiterhin weniger möglich sein – damit sind Wesenskerne der akademischen Auseinandersetzung und Bildung bedroht.

Es ist dabei nicht nur eine institutionelle Aufgabe, sondern jede/-r einzelne Lehrende ist gefragt, ausreichend Angebote für Austausch und Betreuung zu entwickeln und anzubieten. Ein großer Kreativitätsdruck, der häufig durch äußere Rahmenbedingungen gebremst wird. Disziplinen, die auf praktische Ausbildung und Forschung angewiesen sind, in Laboren oder zum Beispiel in Sportwissenschaften und künstlerischen Studiengängen, müssen sich im Schichtbetrieb und in Kleingruppen organisieren. Zeitpläne werden dadurch obsolet und Abschlussarbeiten müssen verschoben werden. Zahlreiche Arbeitsgruppen wurden damit konfrontiert, dass bereits zugesagte Gelder zentral für kurzfristige Maßnahmen umgewidmet wurden. Dies wird sich langfristig auswirken, denn Forschungsarbeiten und wissenschaftliche Ausbildung können dadurch nicht wie geplant fortgeführt werden. Wann und in welcher Form dies ersetzt werden kann, ist an vielen Stellen noch offen.

Eine Gratwanderung auf der Suche nach Lösungen

Auch die Punkte Rechtssicherheit und Datenschutzkonformität bei der Nutzung digitaler Plattformen sind nicht trivial. Der Umgang damit ist unterschiedlich. Einige Hochschulen betreiben Videokonferenzlösungen auf eigenen Servern. Andere nutzen trotz Datenschutzbedenken bewusst Plattformen wie Zoom, vor allem aufgrund ihrer Praktikabilität und Verbreitung. Auch hier gibt es eine andauernde Gratwanderung auf der Suche nach gangbaren Lösungen.

Trotzdem ist auch Positives zu berichten. Das durch Corona aufgezwungene Experiment hat der digitalen Lehre in Schulen und Hochschulen einen enormen Schub gegeben, ganz neue Perspektiven der Unterrichtsgestaltung eröffnet und Berührungsängste abgebaut. Eine zentrale, übergeordnete Herausforderung – für Schulen wie Hochschulen – wird aber bleiben, mit Ungewissheiten und Unwägbarkeiten zu leben, Gesundheitsschutz und Bildungsauftrag ständig gegeneinander abzuwägen. Von einem an den Vor-Corona-Zustand erinnernden Lehr- und Lernbetrieb über hybride Formate bis zu weitgehend digitalen Angeboten müssen parallel verschiedene Konzepte möglich sein.

Stiftungsarbeit als wertvolle Unterstützung in der Not

Die Unterstützung, die Stiftungen hier leisten können, hat manche Notsituation an den Bildungsinstitutionen lindern können. Denn dies ist eine Stärke und Kernkompetenz gemeinnütziger Stiftungsarbeit: gezielt und schnell an den „Brennpunkten“ zu handeln. Flexibilität, außerordentliches Engagement und Innovationskraft werden uns noch für lange Zeit begleiten, und sie werden die Grundlage sowohl für Stiftungshandeln als auch für lehrendes und lernendes Handeln bleiben – bei Schülern/-innen, Studierenden, Lehrenden und Behörden. Stiftungen können in ihrer Förderprogrammatik grundsätzlich neue Formate entwickeln und den Fokus in bestimmten Bereichen neu setzen, um dieser langfristigen Aufgabe gemeinsam mit allen Beteiligten gerecht zu werden.

In diesen herausfordernden Zeiten wirksam sein zu können, ist ein hohes Gut, aber auch eine Verpflichtung.

Über die Autorin

Sarah-Isabel Conrad, Bereichsleitung Kommunikation bei der Claussen-Simon-Stiftung 

Aktuelle Beiträge
Stiftungsrecht

Kontoeröffnung: Welche persönlichen Daten müssen erhoben werden?

Steuerumgehungsbekämpfungsgesetz, Geldwäschegesetz: Zur Erhöhung der Transparenz bei Kontoeröffnungen sind auch rechtsfähige Stiftungen verpflichtet, umfangreiche Auskünfte über Personendaten der wirtschaftlich Berechtigten zu liefern.

Mehr
Kapital und Wirkung

So rentabel ist Betongold wirklich

Wer eine Immobilie als Geldanlage erwirbt, muss Kosten und Ertrag sorgfältig kalkulieren. Im zweiteiligen Blog-Gastbeitrag erklärt Matthias Krieger, Geschäftsführender Gesellschafter der Krieger + Schramm Unternehmensgruppe, worauf Stiftungen beim Kauf achten sollten. Teil 2: Wie Stiftungen die Rendite bestimmen – und ab wann sich die Investition in Betongold lohnt.

Mehr
Globales Engagement

Zusammenarbeiten, um die Kurve abzuflachen

Welche Auswirkungen hat Covid-19 auf die afrikanische Philanthropie? Was sind in Zeiten der Pandemie die größten Heraus­forderungen für den Stiftungssektor in Kenia? Und wie geht er damit um? Wir haben bei Nancy Kairo von der African Venture Philanthropy Alliance und Evans Okinyi vom East Africa Philanthropy Network nachgefragt.

Mehr
Impuls

Digitale Plattformen neu denken: Förderung von Pluralismus und Inklusion

Digitale Plattformen sind beliebter denn je – können aber auch die soziale Spaltung fördern und unsere eigenen Perspektiven weiter einengen. Doch wie können Stiftungen und weitere Akteure/innen der Zivilgesellschaft ihren Teil dazu beitragen, diese Entwicklung zu bremsen? Ein Plädoyer zur Förderung des Pluralismus. 

Mehr
Unsere Demokratie

Oh wie Ostdeutschland – Impulse aus der Zivilgesellschaft

Trotz oder gerade aufgrund der Covid19-Pandemie wird deutlich, dass es einer starken und vielfältigen Zivilgesellschaft bedarf. Die Initiative Zukunftslabor Ost setzt sich für langfristige Partnerschaften und nachhaltiges demokratisches Engagement in Ostdeutschland ein.

Mehr
Geschlechtergerechtigkeit

Klimawandel ist nicht genderneutral

Frauen sind weltweit in höherem Maße von den negativen Auswirkungen des Klimawandels sowie vom Raubbau an der Natur betroffen. Ein feministischer Ansatz, der vor Ort verwurzelt ist, kann eine machtvolle Quelle für Umweltschutz und Geschlechtergerechtigkeit zugleich sein. 

Mehr

Mehr zum Thema

Stiftungs-News

Start des Corona-Sonderprogramms für gemeinnützige Organisationen

Die Bundesregierung hat den Unterstützungsbedarf erkannt: 100 Millionen Euro stehen für die durch die Corona-Pandemie in Not geratenen gemeinnützigen Einrichtungen der Kinder- und Jugendbildung und der Kinder- und Jugendarbeit bereit. Auch auf Landesebene sind ab sofort Corona-Hilfen für gemeinnützige Organisationen abrufbar.

Mehr
Stiftungs-News

Freie Schulen und der Einfluss von Corona

„Erziehung und Bildung“ ist einer der Förderschwerpunkte der Software AG – Stiftung (SAGST). Im Interview erklärt SAGST-Projektleiter Andreas Rebmann vor dem Hintergrund der Corona-Krise, worin aktuelle Herausforderungen für diese Schulen bestehen, was die Stiftung unternimmt, um in der besonderen Situation zu helfen, und wie die Pandemie auch das Fördergeschäft der SAGST verändert hat.

Mehr
Stiftungs-News

Wir zusammen: Ein Blick hinter die Kulissen des #TagderStiftungen

Der Tag der Stiftungen rückt näher! Schon seit mehreren Wochen weht die Ankündigung wie eine frische Brise durch das sonnenwarme Haus in der Mauerstraße. Jenes Haus, in dem die Büros des Bundesverbands Deutscher Stiftungen angesiedelt sind. Schon lange schwirrt dieser bundesweite Aktionstag durch interne und externe Mails und durch meinen Kopf. Bald soll es also soweit sein!

Mehr