Finanzdokumentation leicht gemacht

Kapital und Wirkung

Dr. Stefan Fritz, Geschäftsführer der Erzbischöflichen Stiftungen, hat mit dem „Stiftungscockpit“ ein Tool zur sicheren Planung und Dokumentation des Finanzmanagements von Stiftungen entwickelt. Im Interview erklärt er das neue Instrument. 

Dr. Stefan Fritz, Geschäftsführer der Stiftungen der Erzdiözese München und Freising
© Heider-Sawall
Dr. Stefan Fritz, Geschäftsführer der Stiftungen der Erzdiözese München und Freising

Herr Fritz, laut einer aktuellen Umfrage befürworten 90 Prozent der im Stiftungspanel befragten Stiftungen die Einführung einer Business-Judgement-Rule. Was versteht man eigentlich darunter? 

Die Business Judgement Rule kommt aus dem Kapitalgesellschaftsrecht und sichert den Geschäftsführern einen haftungsfreien Ermessensspielraum bei üblicherweise risikobehafteten „unternehmerischen“ Entscheidungen. Bei Stiftungen betrifft dies insbesondere die Vermögensanlage. Konkret: Halten sich die Mitglieder des Geschäftsführungsorgans bei ihren Entscheidungen an bestimmte Spielregeln, müssen sie auch dann keine Regressansprüche fürchten, wenn die Entscheidung später zu einem Schaden für die Organisation führt. Diese Spielregeln betreffen nicht primär den Inhalt der Entscheidung, sondern ihr Zustandekommen.   

Sind Stiftungsvorstände bei der Vermögensanlage damit alle Risiken los?  

Nach dem Entwurfstext soll eine Pflichtverletzung dann nicht vorliegen, wenn das Organmitglied unter Beachtung der gesetzlichen und satzungsgemäßen Vorgaben vernünftigerweise annehmen durfte, auf der Grundlage angemessener Informationen zum Wohle der Stiftung zu handeln. Knackpunkt dürfte dabei die Frage sein, wann man von einem Handeln „zum Wohle der Stiftung“ ausgehen kann. Auch die Entscheidungsdokumentation gewinnt an Bedeutung. Alle Risiken sind die Stiftungsvorstände damit zwar nicht los, aber ruhiger schlafen können sie auf jeden Fall.  

Um den Stiftungsvorständen zu helfen, haben Sie gemeinsam mit Kollegen das „Stiftungscockpit“ entwickelt. Welchen Vorteil haben Stiftungen von diesem Instrument?  

Das Stiftungscockpit soll den Entscheidungsträgern erleichtern, in den Genuss der vom Gesetzgeber mit der Business Judgment Rule abgesteckten Haftungsfreiheit zu kommen und so angstfrei zu entscheiden. Das Instrument führt alle finanzrelevanten Informationen für die Stiftung zusammen und visualisiert sie auf nur einer Bildschirmseite. Es verbindet Controlling-Aspekte mit finanzplanerischen Elementen. Den Vorstand unterstützt es dabei, konkrete Anlageziele zu formulieren und in der Projektion einzuschätzen, ob diese in den kommenden Jahren mit dem vorhandenen Vermögen erreicht werden können. Ist dies nicht der Fall, lassen sich die Auswirkungen möglicher Umschichtungen auf jedes einzelne Anlageziel abschätzen. Schließlich unterstützt das Stiftungscockpit bei der prüfungsfesten Formulierung des Umschichtungsbeschlusses. Es ist allerdings weder ein Buchhaltungs-Programm, noch ein Robo-Advisor für automatisierte Anlageberatung.

Hier können Sie die Datei herunterladen:

Sie haben Fragen, Anregungen oder Ideen zur Weiterentwicklung? Hinterlassen Sie gern einen Kommentar dazu.

Diskussion

2 Kommentare

Dr. Stefan Fritz schrieb am 07.03.2019:

Sie haben Recht: Das Beispiel zeigt keine optimal aufgestellte Musterstiftung. Einen entsprechenden Hinweis haben wir zur Klarstellung in die Willkommensseite aufgenommen. Das Beispiel, das nicht so realitätsfern ist, wie es wünschenswert wäre, soll in erster Linie die Eingabemöglichkeiten demonstrieren und zum Ausprobieren anregen. Sämtliche Parameter sind editierbar. Jede Nutzerin und jeder Nutzer kann und soll also testen, wie sich die Finanzsituation der Paradigma Stiftung – oder der eigenen - nachhaltig verbessern lässt. Im übrigen illustrieren Ihre Anmerkungen sehr gut, worum es dem Stiftungscockpit geht: Schwachstellen in der Anlagestruktur sichtbar machen, und die Diskussion darüber in Gang bringen. Vielen Dank dafür!

Klaus Reichert schrieb am 01.03.2019:

Das "Stiftungscockpit" sollte als Beispiel für das Finanzmanagement einer Stiftung realitätsnah, insbesondere für die Zukunft mit der zu erwartenden längeren Nullzinsphase aufgebaut werden. denn dieses Beispiel zeigt eine Stiftung, deren Erträge nicht die Inflationsrate decken, so dass der Vermögenswert schrumpft und eigentlich damit keine Zuwendungen geleistet werden sollen. Leider wurde auch keine Zeile für die Inflationsrate berücksichtigt. Wenn die Immobilienverwaltung über 50 % der Mieterträge beansprucht, stellt sich ebenso wie bei den höchst mageren Wertpapiererträge die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieses Beispiels mit einem Vermögen von über 7 Mio €.
Schade, denn das bietet keine Vergleichsebene und damit auch keinen Anstoß zur Reflektion und für ggf. gebotene Veränderungen.

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René Thannhäuser

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