„Es läuft fast nie alles nach Plan“

Dominik Schiener ist Co-Vorsitzender des Vorstands und Gründer der IOTA Stiftung.
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Foto: KUKS SINGH PHOTO

Die IOTA Stiftung ist die erste Stiftung, deren Kapital vollständig aus einer Kryptowährung besteht. Dominik Schiener, einer der Gründer, erklärt im Interview, wie man mit einer ­traditionellen deutschen Organisationsform unser digitales Zeitalter aufmischt.

Stiftungswelt: Dominik, vor einem Jahr wurde die IOTA Stiftung als rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts durch die Berliner Stiftungsaufsicht anerkannt. Ist seither alles so gelaufen wie geplant?
Wie bei jedem Start-up: Es läuft fast nie alles nach Plan. Speziell in einem sich so rasant entwickelnden Umfeld wie Blockchain und DLT (Distributed-Ledger-Technologie, Anm. d. Red.) ist es fast unmöglich vorherzusehen, was passieren wird und wie sich die Industrie entwickelt. Die wichtigsten Probleme rund um die Organisation wurden in den letzten Monaten gelöst. Das heißt, dass wir knapp 90 Leute in mehr als 15 Ländern durch die Stiftung beschäftigen, um an dem Protokoll weiterzuarbeiten und Partnerschaften mit Unternehmen und NGOs zu schmieden.

Als Start-up-Unternehmer war es für uns natürlich komplettes Neuland, mit einer Stiftung zu agieren – oftmals sehr zur Frustration, weil es unser schnelles Handeln durch verschiedene Barrieren gebremst hat. Über die letzten Monate haben wir sehr viel Neues gelernt, damit wir im kommenden Jahr noch mehr mit der IOTA Stiftung erreichen können.

Wie passt das zusammen – ­eure weitreichenden Visionen zur Förderung von Wissenschaft und Forschung mit der IOTA-Technologie weiterzuentwickeln und die traditionelle Form einer rechtsfähigen Stiftung?
Ähnlich wie traditionelle Stiftungen ist die IOTA Stiftung auf die Förderung des Gemeinwohls ausgerichtet. Das IOTA-Projekt basiert auf einer Open-Source-Technologie, die wir als Standard entwickeln wollen, um eine „Machine Economy” zu ermöglichen. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn a) die Technologie eine produktionsreife Maturität erreicht und b) wir ein offenes und barrierefreies Ökosystem haben, wo Unternehmen, Start-ups und Entwickler miteinander arbeiten, also neue Innovationen aufbauend auf IOTA entwickeln.

Für uns war von Anfang an klar, dass wir die Vision des ­IOTA-Projektes nur durch eine Stiftung realisieren können. Wir sind kein Silicon-Valley-Start-up, das sich auf Profitmaximierung fokussiert; wir haben einen starken Fokus auf Impactmaximierung unserer Technologien und der Ökosysteme, welche wir aufbauen und ermöglichen. Zur Förderung dieses Ökosystems haben wir zum Beispiel eine Gemeinnützige GmbH als Tochter der Stiftung gegründet, um Fördergelder in Höhe von um die acht Millionen Euro an Start-ups und Open-Source-Entwickler auszuschütten.

Ihr habt euch zudem für die Form einer Hybridstiftung entschieden, das heißt für eine Stiftungsform, die einen Teil ihres Vermögens verbraucht. War das die richtige Entscheidung?
Definitiv. Die Finanzierung der IOTA Stiftung ist einerseits durch die Stifter (David Sønstebø und mich) geschehen, aber andererseits auch durch unsere Community, welche 2016 Geld für die Errichtung der Stiftung gespendet hatte. Insgesamt wurden knapp fünf Prozent aller IOTA-Tokens gespendet, welches bei Errichtung eine recht substantielle Summe war (ungefähr 120 Millionen Euro).

Ziel der Stiftung ist es, durch einen Teil dieses gespendeten Kapitals die Technologie hinter IOTA weiterzuentwickeln und ein ganzes Ökosystem aufzubauen und zu fördern, damit zukunftsfähige Innovationen realisiert werden. Genau aus diesem Grund hat sich die Hybridstiftung für uns als optimale Rechtsform ergeben.

Was sind für euch als Stiftung die größten Risiken im Zusammenhang mit der Kryptowährung?
Das größte Risiko für uns ist sicherlich, unser Stiftungsvermögen in einer sehr volatilen Währung zu haben und zusätzlich in einem Markt zu operieren, wo wir sehr wenig Einfluss auf größere Entwicklungen haben. Dies erschwert die gesamte Planung und Budgetierung und bedeutet, dass bereits abgestimmte Pläne an die neue Marktsituation angepasst werden müssen. Das ist an sich nichts Schlechtes, bedeutet aber, dass die Erfüllung verschiedener Ziele länger dauert als ursprünglich geplant.

Und was sind die Vorteile?
Durch die Kryptowährung wurde die IOTA Stiftung finanziert, die es uns ermöglicht hat, dass wir uns auf die Weiterentwicklung der Technologie und die Förderung unseres Ökosystems fokussieren konnten. Wegen der Kryptowährung und der sehr weitreichenden Vision von IOTA hat unsere Stiftung natürlich auch internationales Interesse geweckt, wodurch wir leichter Ansprechpartner in Unternehmen finden und unser gesamtes Partnerökosystem erweitern können.

Kann deiner Ansicht nach eine auf Kryptowährung basierte Organisationsform ein tragfähiges Zukunftsmodell für Stiftungen sein?
Die Stiftung ist definitiv ein essentieller Teil für die Legitimierung von ­IOTA als Kryptowährung und zukunftsfähige Technologie. Als Stiftungsmodell finde ich es jedoch viel spannender, eine gemeinnützige Stiftung für den Aufbau und die Förderung neuer innovativer Ökosysteme zu verwenden. Ich persönlich bin der Überzeugung, dass wir mit der ­IOTA Stiftung ein Rollenmodel geschaffen haben, welches für ähnliche Impact-orientierte Projekte verwendbar ist und zeigt, dass eine traditionelle deutsche Organisationsform im neuen digitalen Zeitalter Innovationen ermöglicht und vorantreibt.

Ihr sagt, dass sich alle, die Interesse haben, bei euch mitzumachen, melden können. Wen sucht ihr?
Was IOTA so einzigartig macht, ist unser Ökosystem. Wir sind nicht nur eine Stiftung, wo sich enthusiastische Leute um einen Job bewerben können. IOTA umfasst eine weitreichende Community aus Entwicklern und Enthusiasten, welche miteinander an Projekten und sogar Start-ups arbeiten können. Wir als Stiftung sehen uns hauptsächlich als Bindeglied, um barrierefreie Innovationen zu fördern, indem wir verschiedene Interessensgruppen miteinander vernetzen und unterstützen.

IOTA als Projekt wird in jeder Industrie einen Einfluss haben und neue Produkte und Business-Modelle ermöglichen. Wir laden jeden ein, mit uns in diesem Ökosystem zu arbeiten und das volle Potenzial von IOTA zu realisieren. Falls man an einer Position bei der Stiftung selbst interessiert ist, kann man sich auf unserer Website www.iota.org informieren.

Was kommt als nächstes?
Insgesamt fokussieren wir uns im Moment auf drei sehr konkrete Ziele: die Weiterentwicklung unserer Tangle-Technologie, die Förderung und das Wachstum unseres Ökosystems und die Legitimierung von IOTA als Währung. Mit einem wachsenden Team von knapp 90 Leuten sehen wir uns stark positioniert, um das Potenzial von Distributed Ledgers (aka Blockchain) durch IOTA zu realisieren. Für uns heißt das konkret, die Vision einer „Machine Economy” zu realisieren, die einen großen Einfluss auf unser Alltagsleben bzw. unsere Industrien haben wird. Mit unseren Wurzeln in Deutschland wollen wir auch enger mit der Regierung zusammenarbeiten, damit wir gemeinsam mit Industriepartnern durch verschiedene Initiativen unsere Technologie und spezifische Anwendungsfälle in Deutschland und Europa erproben können, um sie später als Produkt auf den Markt zubringen.

Das Interview führte:
Dr. Annette Kleinbrod

EZ-Scout der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Entsandt an: Bundesverband Deutscher Stiftungen

Telefon (030) 89 79 47-83

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