Erst fragen, dann investieren!

Impuls

Liebe Stiftungsfreunde,
 
würden Sie ein unbekanntes Medikament zu sich nehmen, ohne die Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel zu lesen? Nein? 

Was bedeutet nachhaltige Geldanlage?

Seit über einem Jahr erlebe ich, wie alle nicken, wenn von nachhaltiger Geldanlage die Rede ist. Keine Bankpräsentation ohne Bekenntnis zu ESG-Kriterien, also Standards in den Feldern „Environment, Social, Governance“. Vor drei Jahren zeigte eine Umfrage des StiftungsPanels bereits, dass 90 Prozent der Befragten dem Thema in Zukunft mehr Beachtung schenken wollen. Und eine weitere Umfrage ermittelte, dass über 20 Prozent der befragten Stiftungen Teile ihres Stiftungskapitals bereits wirkungsorientiert anlegen.

Klar: Gerade in einer Stiftung mit gemeinnützigem Zweck liegt nahe, dass die Vermögensanlage keine Negativwirkungen erzielen soll, die der Umwelt, der Gesellschaft oder Arbeitnehmern schaden.  
Der gute Vorsatz ist das eine. Aber dann kommt der Alltag. Und die Ausreden.

Ausreden und Vorurteile

Eine davon ist das Vorurteil, nachhaltige Geldanlagen könnten niedrigere Renditen erzielen, weil sie das Anlageuniversum eingrenzen. Das ist in zahlreichen Metastudien widerlegt. Es gibt so viele Anlagen mit entsprechendem Rating, dass man fast jede Anlagerichtlinie mit nachhaltigen Titeln umsetzen kann. 
 
Eine andere Ausrede ist der Aufwand: Hier hat sich aber viel getan. Nicht nur die traditionell in diesem Bereich gut aufgestellten kirchlichen Banken haben mittlerweile zahlreiche Angebote. Der erste Schritt ist vielleicht ein anderer. Mit nur wenigen Angaben und Klicks kann man sich von neutraler Seite eine entsprechende Analyse der eigenen Vermögensanlage erstellen. Die Rating-Agentur oekom research ein speziell auf Stiftungen zugeschnittenes Angebot. Einen ähnlichen Service gibt es von CSSP. 

Beispiele aus der Praxis

Bleibt die letzte Ausrede: Die anderen machen es doch auch nicht. Das stimmt (zunehmend) nicht. Vielleicht schauen Sie mal auf unsere Seite „Stiftungsvermögen“ für Expertenwissen und gute Beispiele. Oder Sie nehmen die StiftungWelt 1/2017 mit zahlreichen Artikeln zum Thema „Kapital und Wirkung“ wieder zur Hand und lesen nach. Mitglieder des Bundesverbandes haben ebenfalls die Möglichkeit, einen Blick in die StiftungsInfo „Nachhaltig Investieren“ zu werfen.
 
Einen schönen Start in die Woche! 
 
Ihr Felix Oldenburg

Über den Autor

Felix Oldenburg war von 2016 bis 2020 beim Bundesverband Deutscher Stiftungen als Generalsekretär tätig. Er ist Vorsitzender des europäischen Verbandsnetzwerks DAFNE.

Aktuelle Beiträge
Stiftungsrecht

Kontoeröffnung: Welche persönlichen Daten müssen erhoben werden?

Steuerumgehungsbekämpfungsgesetz, Geldwäschegesetz: Zur Erhöhung der Transparenz bei Kontoeröffnungen sind auch rechtsfähige Stiftungen verpflichtet, umfangreiche Auskünfte über Personendaten der wirtschaftlich Berechtigten zu liefern.

Mehr
Kapital und Wirkung

So rentabel ist Betongold wirklich

Wer eine Immobilie als Geldanlage erwirbt, muss Kosten und Ertrag sorgfältig kalkulieren. Im zweiteiligen Blog-Gastbeitrag erklärt Matthias Krieger, Geschäftsführender Gesellschafter der Krieger + Schramm Unternehmensgruppe, worauf Stiftungen beim Kauf achten sollten. Teil 2: Wie Stiftungen die Rendite bestimmen – und ab wann sich die Investition in Betongold lohnt.

Mehr
Globales Engagement

Zusammenarbeiten, um die Kurve abzuflachen

Welche Auswirkungen hat Covid-19 auf die afrikanische Philanthropie? Was sind in Zeiten der Pandemie die größten Heraus­forderungen für den Stiftungssektor in Kenia? Und wie geht er damit um? Wir haben bei Nancy Kairo von der African Venture Philanthropy Alliance und Evans Okinyi vom East Africa Philanthropy Network nachgefragt.

Mehr
Stiftungs-News

Hochschulen auf dem herausfordernden Weg zum Wintersemester

Die Corona-Pandemie zwang Hochschulen zu einer Vollbremsung: Der Präsenzbetrieb musste eingestellt, neue Online-Angebote organisiert und das Wintersemester geplant werden. Wie gehen Universitäten mittlerweile mit der Ausnahmesituation um?

Mehr
Unsere Demokratie

Oh wie Ostdeutschland – Impulse aus der Zivilgesellschaft

Trotz oder gerade aufgrund der Covid19-Pandemie wird deutlich, dass es einer starken und vielfältigen Zivilgesellschaft bedarf. Die Initiative Zukunftslabor Ost setzt sich für langfristige Partnerschaften und nachhaltiges demokratisches Engagement in Ostdeutschland ein.

Mehr
Geschlechtergerechtigkeit

Klimawandel ist nicht genderneutral

Frauen sind weltweit in höherem Maße von den negativen Auswirkungen des Klimawandels sowie vom Raubbau an der Natur betroffen. Ein feministischer Ansatz, der vor Ort verwurzelt ist, kann eine machtvolle Quelle für Umweltschutz und Geschlechtergerechtigkeit zugleich sein. 

Mehr

Mehr zum Thema

Impuls

Digitale Plattformen neu denken: Förderung von Pluralismus und Inklusion

Digitale Plattformen sind beliebter denn je – können aber auch die soziale Spaltung fördern und unsere eigenen Perspektiven weiter einengen. Doch wie können Stiftungen und weitere Akteure/innen der Zivilgesellschaft ihren Teil dazu beitragen, diese Entwicklung zu bremsen? Ein Plädoyer zur Förderung des Pluralismus. 

Mehr
Impuls

Goodcast im Gespräch mit Felix Oldenburg: Gutes tun und Geld verdienen

Im Gespräch mit Julius Bertram, Gründer und Moderator von Goodcast, diskutiert Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen darüber, warum es wichtig ist, Gutes zu tun und dabei auch noch wirtschaftlich zu arbeiten.

Mehr
Impuls

Ein besseres Neues Normal aktiv gestalten

Das Neue Normal: um die Welt nach der Corona-Pandemie drehen sich viele Gedanken und Gespräche. Wie werden wir leben, arbeiten, wirken in diesem Mix aus Katerstimmung, transformativen Lernerfahrungen und Sehnsucht nach dem Altbekannten? Als der erste Krisen-Schock Mitte Mai verdaut war, hat sich die Stiftung Bürgermut auf ihren Claim besonnen: Neues einfach machen. Denn wie es aussehen wird, das Neue Normal, passiert nicht einfach mit uns. Es liegt als Gestaltungschance und Gestaltungsauftrag in unser aller Hände.

Mehr