Daten, Stiftung, Datenstiftung

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Seit Jahrhunderten sind Stiftungen der Ort, an dem unsere Gesellschaft das Eigentum an zentralen Werten und Infrastrukturen sichert. Warum künftig nicht auch die gemeinschaftliche Nutzung unserer Daten? Ein Debattenanstoß.

Von Felix Oldenburg 

 

Wissen Sie, was Ihre Daten wert sind? Teilt man den Marktwert des Unternehmens durch die Anzahl seiner aktiven Nutzer, kommt man bereits auf fast 500 Euro. Rechnet man Twitter, Instagram, LinkedIn dazu, kommen sicher einige Hundert Euro hinzu. Noch wertvoller sind vermutlich die Informationen zu Suchgewohnheiten bei Google, nicht zu vergessen die Einkaufshistorie bei Amazon. Und so weiter. 

Seit einiger Zeit wird über ein Dateneigentum diskutiert, wobei die große Frage offen bleibt, wie man diese Ressource, die vermutlich zusammen mit dem Rohstoff Wasser zur wichtigsten unserer Zeit zählt, gemeinschaftlich nutzen könnte.  

Warum nicht in Form einer Stiftung? Das ist vielleicht nur auf den ersten Blick eine seltsame Idee. Die Stiftung ist seit Jahrhunderten der Ort, an dem unsere Gesellschaft das Eigentum an zentralen Werten und Infrastrukturen sichert: von den Bibliotheken der (auch "Stifte" genannten) Klöster über die Gesundheitsversorgung in Stiftungshospitälern oder die gemeinnützigen Wohnungsbauten des 19. Jahrhunderts bis zu den Vermögen und Verpflichtungen aus Stahl (Deutsche Bundesstiftung Umwelt), Kohle (RAG Stiftung) und Atomenergie (Entsorgungsfonds). 

Vom Nutzer zum Stifter 

Jeder könnte die eigenen Daten freiwillig einbringen, würde damit vom Nutzer zum Stifter. Eine Stiftung könnte mit Konzernen Bedingungen zur wirtschaftlichen Nutzung personenbezogener Daten aushandeln und Daten wie Erträge daraus gemeinnützigen Zwecken zur Verfügung stellen. Sie wäre unabhängig von Regierungen, könnte unberührt von Wahlzyklen und Standortwettbewerb handeln. Sie würde niemandem außer ihrem guten und unveränderlichen Zweck gehören. Sie bräuchte nur erstens einen schützenden Rechtsrahmen. Das ist keine triviale Voraussetzung, aber mehr als jede andere Rechtsform hat die Stiftung es in den letzten Jahrhunderten vermocht, über Krisen und Kriege hinweg Vermögen für die Gesellschaft zu erhalten. Und sie bräuchte zweitens kluge und vorausschauende Entscheidungsregeln. Heutzutage läge es auf der Hand, die Mitbestimmung jedenfalls teilweise durch die Stifterinnen und Stifter selbst online umzusetzen. 

Erste Beispiele für diese Entwicklung gibt es bereits: Etwa bei der Wikimedia Foundation, die mit der Online-Enzyklopädie Wikipedia hinter dem größten kollektiven Werk der Menschheitsgeschichte steht. Auch die vielen Entwickler freier Software wie Apache oder Mozilla haben ihren Code in Stiftungen eingebracht. Initiativen wie myData.org vertreten bereits die Idee einer nutzerzentrierten Datenhaltung, und die Berliner IOTA Foundation nutzt die Rechtsform der Stiftung, um Regeln für autonome Transaktionen zwischen Maschinen festzulegen. 

Vielleicht der Start einer nächsten Generation von Datenstiftungen?

Autor
Felix Oldenburg

Generalsekretär

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Eine ausführlichere Version dieser Gedanken ist hier und eine Diskussion dazu auf Twitter abrufbar.

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