Building Bridges For Local Good

Eindrück von der ersten Konferenz der Bürgerstiftungen in Europa.

Im September lud die European Community Foundations Initiative (ECFI) zur Konferenz „Building Bridges for Local Good“ – der ersten europäischen Stiftungskonferenz dieser Art überhaupt. Wie sehr die Community auf ein solches Zusammentreffen gewartet hatte, zeigte sich schon in der enthusiastischen Anmeldungsphase: Über 150 Akteure wollten teilnehmen. Am Ende konnten nur 100 Teilnehmer zugelassen werden – ein erster Grund, warum eine solche Veranstaltung schon bald wiederholt werden muss. Die Gruppe, die sich schließlich im prächtigen, historischen Rathaus von Cardiff, Wales, einfand, reiste aus 22 verschiedenen Ländern an und sprach 18 verschiedene Muttersprachen. Ein gemeinsames Wort fanden die Teilnehmer trotzdem alle, um die  Stimmung zu beschreiben, die während der beiden Konferenztage herrschte: inspirierend.

Damit sind nicht nur die Workshops und Vorträge treffend beschrieben, sondern vor allem der Begegnungen von Menschen aus ganz Europa. Schnell zeigte sich, wie divers die politischen Rahmenbedingungen  in den Teilnehmerländer sind, und wie viele Community Foundations dadurch gezwungen werden, vom traditionellen Bürgerstiftungsmodell abzuweichen. Stattdessen passen sie sich kreativ und rebellisch an die jeweilige Kultur, Wirtschaft und Politik an. Somit entsteht als positive Konsequenz aus diesen Herausforderungen und Schwierigkeiten eine regelrechte Community Foundations Bewegung - viele kleine, länderspezifische Stiftungen, die versuchen, für ihre Gemeinden die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen. Barry Knight, vom Global Fund For Community Foundations, erklärte es in seinem Vortrag auf der Konferenz so: In verschiedenen Teilen der Welt werden Community Foundations von verschiedenen Kernideen getragen. Während es in einigen Regionen also im Mittelpunkt stünde, eine Kultur des Gebens zu etablieren, hätten andere damit zu kämpfen überhaupt mögliche Spender zu identifizieren.

Trotz dieser verschiedenen Mittelpunkte, konnte auf der Konferenz schnell ein Problem ausgemacht werden, das alle Länder teilen: Vertrauen zu gewinnen. Ob es dabei um das Sammeln von Spenden geht, die Zusammenarbeit mit Partnern und zivilen Akteuren, oder die tatsächlichen Auswirkungen der Arbeit der Community Foundations auf die Gemeinden. Das Thema Vertrauen hielt Einzug in alle Diskussionen. Und schnell wurde deutlich, mit welch bemerkenswerter Kreativität die verschiedenen Stiftungen an dieses Thema herangehen. So teilte Ansis Berzins, von der Valmiera Region Community Foundation in Lettland seine Erfahrungen aus einem Land, das erst seit 25 Jahren demokratisch ist: „Vertrauen ist ein großes Problem in Lettland – zwischen Institutionen, zwischen Menschen – auf allen Ebenen“ Um diesem Misstrauen zu begegnen, versuchen die Community Foundations dort, in ihren Gemeinden sichtbarer zu werden und die traditionellen Label von „Spender“ und „Empfänger“ aufzulösen. Ähnliches berichtete Gergana Kutseva vom Bulgarian Fund for Women beim Panel zu Philanthropie. Das Konzept sei in ihrem Land so wenig verbreitet, dass nur 10% der Bulgaren tatsächlich bereit sind, zu spenden – und dann nur für Menschen in akuter Gefahr oder bei Naturkatastrophen.

Während der Konferenz wird klar: Starkes Misstrauen scheint das Kredo der modernen Gesellschaft zu sein. Jenny Hodgson, Geschäftsführerin des Global Fund for Community Foundations, schlussfolgerte in einer Diskussion: „Wir befinden uns nicht auf einem neutralen Boden der Wahrheit.“ Wichtig für die Bürgerstiftungen in Europa, so der Tenor der Veranstaltung, ist es, weiterhin Kontakte zu knüpfen – zwischen Spendern und Spendenempfängern, aber auch zwischen verschiedenen Community Foundations. Und so brachte Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, das Ergebnis der Veranstaltung auf den Punkt, als er in seinem Vortrag sagte, Philanthropie solle mehr ein Ort sein, als eine Gruppe von rivalisierenden Netzwerken.

Auch wenn während der Veranstaltung deutlich wurde, dass die Konferenz erst ein Anfang sein konnte, und es noch viele weitere Austauschtreffen braucht, so ist es doch genau dieser, von Felix Oldenburg beschriebene Ort, den ECFI mit „Building Bridges For Local Good“ erstmals physisch geschaffen hat. Zum ersten Mal ist es gelungen, die vielen Akteure der europäischen Philantropie-Landkarte zu verknüpfen – zu einem großen, gemeinsamen Netzwerk.

Madeleine Hofmann (Oktober 2017)

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