Erfahrungsaustausch und neue Möglichkeiten der Kooperation

Aus Russland und der Ukraine nahmen fünf Kolleginnen und zwei Kollegen am Deutschen StiftungsTag in Nürnberg teil. Im Gespräch erzählen Polina Nyukhina, Geschäftsführerin des Ukrainischen Philanthropy Forums (UPF) und Alexandra Boldyreva, Geschäftsführerin des Russian Donors Forum (RDF), über ihre Eindrücke und Learnings.

Stiftungswelt: Alexandra, wie habt Ihr ausgesucht, welche Veranstaltungen auf dem Deutschen StiftungsTag 2018 gedolmetscht werden soll?  
Alexandra Boldyreva: Uns waren die Interessen unserer Mitglieder wichtig. Wir haben das Programm übersetzt, damit sie Trends erkennen und selbst die Themen wählen können. Wir sind der Stiftung West-Östliche Begegnungen sehr dankbar, ohne das Dolmetschen hätte der Besuch nicht funktioniert.  

Polina, was war für Euch besonders interessant?  
Polina Nyukhina: Das ThinkLab Format. Wir planen es auch bei uns einzusetzen. Und die Diskussionen über die Integration digitaler Technologien in die alltägliche Arbeit von NGOs. Sie zeigen, wie wichtig es ist, Mitarbeitende weiterzubilden und Risiken der Digitalisierung zu vermeiden. "Silicon Valley Philanthropy" war ein inspirierendes Beispiel für eine moderne Vision von Philanthropie.

Was habt Ihr gelernt, werdet Ihr weitergeben? 
Boldyreva:
Als erstes ist uns der Stand des Bundesverbandes ins Auge gesprungen – ein wunderbares Format, um mehr zu erfahren und sich zu vernetzen. Eine gute Digital-Idee ist auch die App zum StiftungsTag.  
Nyukhina: Wir sollten neue Technologien beherrschen und auf die Risiken wie Datendiebstahl oder Datenverlust achten und sie ernst nehmen. Bei neuen Ansätzen für Messbarkeit sollten wir stärker über deren Nutzung nachdenken, wenn wir Programme designen und Ergebnisse evaluieren.

Was können wir von Euch lernen?
Boldyreva:
Im Bildungsbereich haben unsere Unternehmensstiftungen interessante Initiativen und Projekte. Ein wichtiger Trend ist Informationsoffenheit. Viele Stiftungen und NGOs haben eigene Social Media- und Digital-Manager. Es gäbe Vieles, was wir diskutieren könnten, dabei geht es um Erfahrungsaustausch und neue Möglichkeiten zur Kooperation.

Ihr seid als Verbandschefinnen neu. Wie liefen Eure Gespräche untereinander?  
Nyukhina:
UPF und RDF kennen sich seit zehn Jahren. Die aktuelle politische Situation blockiert die Zusammenarbeit, wir können die russischen Veranstaltungen nicht mehr besuchen. Aber wir haben viel gemeinsam, etwa den Charity Fotowettbewerb, den es seit 2010 in beiden Ländern gibt.
Boldyreva: Mitarbeitende und Mitglieder sind sich 2013 beim StiftungsTag in Düsseldorf begegnet und bei DAFNE, dem Donors and Foundation Networks in Europe. Erst jetzt haben wir uns persönlich kennengelernt. Wir werden unser Bestes tun, um in Kontakt zu bleiben und aktiver zu kooperieren.  

Was würdet ihr euch für die Zusammenarbeit mit deutschen Stiftungen wünschen?
Boldyreva:
Am 25. Oktober 2018 organisieren wir unser jährliches Forum zum Thema Inkind-Giving. Wir werden zum Beispiel über Sachspenden, Volunteering und Pro-bono Dienstleistungen diskutieren. Nichtmaterielle Vermögenswerte wie Informationen, Technologien, Lizenzen, Patenten, intellektueller Arbeit sind bei uns schwach entwickelt. Wir wünschen uns daher, dass Mitglieder des Bundesverbandes am 25. Oktober zu uns kommen, um von ihren Erfahrungen zu lernen. Außerdem sollten deutsche Stiftungen Interesse an Kooperationen zeigen, damit wir gemeinsam aktiver Informationen zur Entwicklung der Philanthropie austauschen können.
Nyukhina: Zum einen Unterstützung mit Informationen: Also auch einfach die Aufnahme in Mailinglisten und Infos zu allen wichtigen Events und Neuigkeiten aus Deutschland. Dann auch Unterstützung durch Experten: Deutsche Experten sollten die besten Beispiele philanthropischer Praxis in die Ukraine bringen. Und zuletzt ist es die Zusammenarbeit mit deutschen Stiftungen in ähnlichen Projekten und die gemeinsame Suche nach finanziellen Ressourcen.
 

Das Interview führte:
Anke Pätsch

Mitglied der Geschäftsleitung
Leiterin Internationales

Telefon (030) 89 79 47-27

Stiftungswelt Herbst 2018
Eine gekürzte Fassung des Interviews wurde in der Stiftungswelt Herbst 2018 veröffentlicht.
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