Den Wissensschatz erschließen

Der Wissensatlas Bildung der Stiftungen macht erstmals gebündelt das Stiftungswissen im Bildungssektor zugänglich

Viele deutsche Stiftungen verfügen im Bildungssektor über eine umfangreiche Expertise, die sie in verschiedener Form publizieren. Dabei widmen sie sich einem großen Spektrum von bildungsrelevanten Themen wie Diversität und Inklusion, kultureller und politischer Bildung, Lehrerbildung und Engagementförderung, Digitalisierung und Wirtschaft, Wissenschaft und MINT. Insgesamt wird die gesamte Bildungskette lebenslanges Lernen abgedeckt, von der frühkindlichen Bildung und Kita über Schule und berufliche Bildung bis hin zu Hochschule, Aus- und Weiterbildung.

Die Expertise der Stiftungen transparent machen
Allerdings war es bisher kaum möglich, die Ergebnisse der Publikationen zu überschauen und gezielt nach bestimmten Bildungsthemen zu suchen. Dies ändert sich nun mit dem Wissensatlas Bildung der Stiftungen, der den Wissensschatz der Stiftungen erstmals institutionenübergreifend erschließt und  öffentlich zugänglich macht. In einer digitalen Bibliothek werden jene Publikationen aus dem Bereich Bildung erfasst, an denen Stiftungen auf unterschiedliche Weise mitgewirkt haben. Dazu gehören Fachpublikationen aller Art, Studien, Veröffentlichungen zu Projekten mit wissenschaftlicher Begleitung, aber auch Handreichungen und Handlungsempfehlungen. Die Publikationen werden nach bildungsbezogenen Themenbereichen und Handlungsfeldern in einem strukturierten Steckbrief übersichtlich aufbereitet, die zentralen Fragen und Kernaussagen dargestellt. So können die wesentlichen Ergebnisse schnell erfasst und eingeordnet werden. Eine Volltextsuche ermöglicht das gezielte Auffinden bestimmter Themen und Begriffe.

Damit macht der Wissensatlas Bildung die Expertise und die Leistungen der Stiftungen im Bildungssektor transparent. Er erschließt diesen großen Wissensschatz und unterstützt seinen Weg in Fachdebatten, Öffentlichkeit und Praxis. Zudem wirkt er als thematischer Wegweiser, indem inhaltliche Schwerpunkte bei der Bearbeitung deutlich werden – aber auch "blinde Flecken" und wenig beachtete Themenbereiche. In einem ersten Aufschlag wurden 100 Publikationen aus den Jahren 2015 und 2016 analytisch ausgewertet, ergänzt durch einige einschlägige Veröffentlichungen aus früheren Jahren und erste Studien aus dem Jahr 2017.

Thematische Schwerpunkte von Stiftungen
Die bearbeiteten Themen zeigen eine große Vielfalt, gleichwohl werden einige thematische Schwerpunkte deutlich. Viele Stiftungen haben die große Bedeutung frühkindlicher Bildung erkannt, insbesondere der Institution Kita: Zu diesem Themenbereich sind Studien zur Qualität der Betreuung in
Kitas, zur Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern sowie Kita-Leitungskräften, aber auch zu einer verbesserten Zusammenarbeit von Kindertagesstätten, Grundschulen und Familien erschienen. Auch die Lehrerbildung steht im Fokus verschiedener Publikationen und es gibt wichtige Beiträge zur Weiterentwicklung schulischer Bildung, etwa durch Veröffentlichungen zu den Qualitätskriterien guter Schule oder den Gelingensfaktoren im Ganztag. Zudem sind einige Studien zu aktuellen Fragen beruflicher Bildung erschienen.
Darüber hinaus nehmen sich Stiftungen dem immer wichtiger werdenden Themenkomplex der digitalen Transformation an: Die Möglichkeiten des digitalen Lernens in Schule und beruflicher Ausbildung werden ausgelotet, aber auch die notwendigen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern und von Lehrkräften im Umgang mit digitalen Medien vorgestellt.
Übergreifende Themen des Bildungssystems werden ebenfalls bearbeitet, etwa die zentrale Frage: Wie kann der immer noch starke Zusammenhang von Bildungserfolg und sozialer Herkunft aufgelöst und Chancengerechtigkeit in der Bildung erreicht werden? In den Blick genommen wird dabei auch, wie Angebote der Bildungs- und Berufsberatung und eine angemessene Schulfinanzierung zu einem gerechten Bildungssystem beitragen können.
Deutlich wird, dass Stiftungen sehr schnell auf gesellschaftspolitische Herausforderungen reagieren (können), z.B. auf die steigende Zahl der Geflüchteten seit 2015.
Viele Stiftungen engagieren sich seitdem verstärkt für die Integration von Geflüchteten ins Bildungssystem, weil sie Bildung als Schlüssel für individuelle Lebenschancen und gesellschaftliche Integration begreifen. Dabei befassen sie sich mit der Frage, wie geflüchtete Menschen möglichst schnell und passgenau ins Bildungs- und Ausbildungssystem integriert werden können und welche Rolle das freiwillige Engagement dabei spielt.

Ausblick
Der Wissensatlas Bildung der Stiftungen wird anlässlich des Deutschen StiftungsTages 2017 erstmalig unter der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Arbeit am Wissensatlas Bildung ist auf Dauer angelegt. Deshalb sind alle Stiftungen dazu eingeladen, das Netzwerk Stiftungen und Bildung im Bundesverband Deutscher Stiftungen künftig auf ihre neu erschienenen Fachpublikationen zum Thema Bildung aufmerksam zu machen.

Die Förderer des Wissensatlas Bildung

  • Joachim Herz Stiftung
  • Robert Bosch Stiftung
  • Schöpflin Stiftung
  • ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
Autorin
Dr. Angela Borgwardt
studierte Politologie, Germanistik und Publizistik an der Freien Universität Berlin, wo sie am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaften promovierte. Die freie Publizistin, Redakteurin und Moderatorin arbeitet vor allem für Stiftungen, Hochschulen und Verlage. Sie hat die ersten 100 Publikationen des Wissensatlas Bildung der Stiftungen analytisch ausgewertet.
StiftungsWelt 01-2017
Der Artikel wurde in der StiftungsWelt 01-2017 mit dem Schwerpunkt "Kapital und Wirkung. Ein Blick zurück und nach vorn — wie Stiftungen erfolgreich wirtschaften können" veröffentlicht.
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