Artikel: Inseln des Gelingens schaffen

Welche soziale Wirkung können Bildungsprojekte entfalten? Und was sind die Bedingungen für ihr Gelingen? Die im März 2014 erschienene Studie "Philanthropy and Education. Strategies for Impact" ergründet diese für viele Stiftungen zentralen Fragen aus wissenschaftlicher Sicht. Im Auftrag der Stiftung Mercator hat das Centrum für soziale Investitionen und Innovationen an der Universität Heidelberg (CSI) als Teil des europäischen Gesamtprojekts "Strategies for Impact in Philanthropy" die Modelle internationaler Stiftungen auf ihre Ergebnisse hin untersucht. Das Fazit der Wissenschaftler: Anspruch und Realität klaffen mitunter weit auseinander. Viele Initiativen sind nur von kurzer Dauer – und ihre Erfolge oft bescheiden.

Bildung als herausforderndes Thema

Gleichzeitig wird deutlich, dass Stiftungstätigkeit in der Bildung eine hohe Wirkung erzielen kann – wenn sie die vorherrschenden Bedingungen berücksichtigt und sich auf konkrete Teilbereiche und klare Zieldefinitionen fokussiert. Das Thema Bildung stellt Stiftungen zugleich vor besondere Herausforderungen, weil es dabei um einen Kernbereich staatlichen Handelns und ein komplexes, stark reglementiertes System geht. Veränderungen in Bildungsinstitutionen benötigen Zeit und sind beeinflusst von politischen Wechseln. Stiftungen müssen zudem, wenn sie Veränderungen in staatlichen Schulen bewirken wollen, ihre Legitimität gut begründen.

Erfolgsfaktoren im Bildungsbereich

Die Studie hat Faktoren für eine erfolgreiche Stiftungsarbeit gezielt herausgearbeitet. So sollten die gesellschaftlichen Probleme – und nicht schon konkrete Lösungen oder Methoden – Anlass- und Bezugspunkt für das jeweilige Engagement sein. Gleichzeitig sind maßgeschneiderte Strategien erforderlich. Je passgenauer sich die Akteure auf die Zielgruppe einstellen, desto intensiver ist die Wirkung. Last, but not least: Statt kurzfristiger Projekte sind angemessene Zeiträume notwendig, in
denen Ansätze ausprobiert werden können. Dabei bedarf es auch des Muts für neue Ansätze und Methoden – und gegebenenfalls für notwendige Kurskorrekturen. "Strategischer Experimentalismus" ist deshalb die Methode der Wahl im Bildungsbereich, so die Studie. So entstehen "Inseln des Gelingens", in denen nachweisbare soziale Wirkung erzielt wird.

Übereinstimmung mit den eigenen Erfahrungen

Tatsächlich decken sich diese Ergebnisse in großen Teilen mit den Erkenntnissen und Erfahrungen der Stiftung Mercator in ihren Bildungsprojekten an Schulen und Hochschulen, die gezielt darauf hinwirken, das Potenzial junger Menschen, gleich welcher nationalen, kulturellen und sozialen Herkunft, zu entfalten und Chancengleichheit herzustellen. Bei der Weiterentwicklung unseres Ansatzes werden die Ergebnisse daher eine wichtige Rolle spielen. Von zunehmender Bedeutung ist aber auch die Frage, wie es gelingen kann, die "Inseln des Gelingens" zu vernetzen und zu einem "Kontinent des Gelingens" zusammenzufügen. Auf dem Weg dahin wird die Studie sicherlich allen im Bildungsbereich tätigen Stiftungen und Organisationen vielfältige Anregungen und Hinweise geben.

StiftungsWelt 02-2014

Der Artikel wurde in der StiftungsWelt 02-2014 mit dem Schwerpunkt "Klein, aber kraftvoll. Rückenwirnd für kleine Stiftungen — ein Serviceheft" veröffentlicht. Mehr

Autoren

Winfried Kneip ist seit 2014 Geschäftsführer der Stiftung Mercator und hat die Funktion des Sprechers der Geschäftsführung inne, die rollierend jeweils für ein Kalenderjahr ausgeübt wird. Seit 2009 leitet er das Kompetenzzentrum Bildung der Stiftung Mercator.