„Unsere Stiftung muss genauso bunt sein wie Neukölln“

Deutscher StiftungsTag
Foto: Nathan Buhr

In Neukölln gibt es nichts, was es nicht gibt. In dem Berliner Stadtteil leben Menschen aller Generationen und ganz unterschiedlicher sozialer Milieus aus mehr als 160 Nationen zusammen. Die Bürgerstiftung Neukölln will sich für alle Menschen im Viertel einsetzen. Daher sollten auch alle in der Stiftung vertreten sein, findet Stifter Thomas Heim.

Thomas Heim

Wer sich in Stiftungen engagiert, braucht Geld und Zeit – beides Dinge, die vor allem ältere Menschen haben. Um ein möglichst breites Spektrum von Meinungen und Sichtweisen in der Bürgerstiftung Neukölln zu vereinen, bemühen sich die Berliner besonders um junge Stifter. Einer von ihnen ist Thomas Heim. 


Wie sind sie zur Bürgerstiftung Neukölln gekommen? 

Ich bin vor rund sieben Jahren nach Neukölln gezogen. Um den Berliner Stadtteil besser kennen zu lernen und mit Menschen ins Gespräch zu kommen, habe ich dann bei der Aktion „Neuköllner Talente“ mitgemacht. Als Talentpate habe ich dann ein Grundschulkind betreut. Bei dem Projekt geht es darum, die Talente, Gaben und Wünsche von Neuköllner Kindern zu entdecken und zu fördern. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Darum bin ich dann bei der Bürgerstiftung Neukölln eingestiegen, die das Projekt betreut. 

Wie ging es dann weiter? 

Als ich dazu kam, waren in der Stiftung viele Menschen engagiert, die einen großen Teil ihres Lebens in Neukölln verbracht haben. Das ist toll, weil wir so auf viel Erfahrung und Wissen zum Bezirk zurückgreifen können. Es ist aber genauso wichtig, dass zugezogene Neuköllner und verstärkt Menschen mit Migrationshintergrund ein Teil unserer Stiftung sind. Denn Neukölln ist ein bunt gemischter Stadtteil. Hier leben Menschen aus über 160 Nationen gemeinsam – Jung und Alt, Arbeiter und Studenten. Unsere Stiftung muss genauso bunt sein wie Neukölln. 

Ist es schwer, junge Menschen für eine Bürgerstiftung zu begeistern? 

Da wir uns besonders für Kinder und Jugendliche einsetzen und sie mit Patenschaften für einen Teil ihres Lebens begleiten, kennen uns viele Neuköllner bereits in jungen Jahren. Auch Lehrer kommen auf uns zu und fragen direkt nach Unterstützung. Das größere Problem bei jungen Menschen ist, dass sie kaum Kapital haben, dass sie in die Stiftung einbringen können. Wer die Stiftung erstmal kennenlernen möchte, aber kein Kapital einbringen kann, wird bei uns Zeitstifter. Die Menschen stellen der Stiftung dann ihre Freizeit statt Geld zur Verfügung. Auch ich habe so angefangen. Als Talentpate habe ich anfangs vor allem Zeit investiert. Mittlerweile bin ich Teil des Vorstands und befasse mich fast täglich mit der Stiftung. 

Wie hilft Ihre Bürgerstiftung den Bewohnern des Stadtteils Neukölln? 

Wir versuchen natürlich vor allem den Menschen hier zu helfen. Besonders Kinder verbringen viel Zeit an den immer gleichen Orten im Bezirk und im gleichen Umfeld. Wir helfen Kindern dabei, zu erkennen, welche Chancen sie in Neukölln und ihrem Leben haben. Das beginnt ganz früh mit der Förderung im Rahmen der Neuköllner Talente im Grundschulalter und zieht sich bis zum Schulabschluss, bei dem wir den Jugendlichen Mentoren zur Seite stellen. Wir helfen ihnen beispielsweise bei der Berufswahl und Bewerbungen. Die begleitenden Paten haben aber auch immer ein offenes Ohr und reden gerne mit den Jugendlichen. So lernen Pate und Patenkind neue Menschen und Sichtweisen kennen – und nur so kommt man weiter. 

Wen wollen Sie mit der Stiftung besonders ansprechen? 

Neukölln befindet sich - wie ganz Berlin - in einem ständigen Wandel. In den letzten Jahren ist der Bezirk attraktiv geworden für Studenten, junge Familien, Kreative und neue Unternehmen. Die wollen wir natürlich ansprechen. Gleichzeitig haben wir eine unglaubliche Diversität im Bezirk, die wir noch stärker für uns nutzen möchten. Gründungsstifter wie Kazim Erdogan, der in Neukölln und Berlinweit bekannt ist, helfen uns dabei. 

Autorin

Jennifer Garic

Über die Bürgerstiftung Neukölln

Die Stiftung zielt auf die Teilhabe aller Menschen vor Ort an der Gestaltung ihres Lebensumfelds und auf ein respektvolles Miteinander. Zusammen mit den Migrantencommunities will sie neue multiethnische Gemeinwesenstrukturen schaffen. Ausdrücklich lädt sie daher Migrantinnen und Migranten zur Mitarbeit und zum Mitstiften ein.

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