“Nicht klagen, sondern selbst aktiv werden”

Deutscher StiftungsTag
Foto: Thomas Müller

Doris Elfert engagiert sich seit 15 Jahren in der Bürgerstiftung Weimar. Im vergangenen Jahr erhielt sie für ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit das Bundesverdienstkreuz. Wir haben sie gefragt, weshalb sie sich für die Belange der Klassikerstadt einsetzt und was andere Bürgerstiftende aus ihren Erfahrungen lernen können.

Foto: privat
Doris Elfert

Frau Elfert, Sie haben im vergangenen Jahr das Bundesverdienstkreuz für Ihr ehrenamtliches Engagement erhalten. Herzlichen Glückwunsch auch von unserer Seite! Wie lange sind Sie schon als Bürgerstifterin aktiv?
Die Idee, eine Bürgerstiftung in Weimar zu initiieren, kam mir im Frühjahr 2003. Mit einer kleinen Gruppe konnten wir die Idee vorantreiben. Bei der Gründung am 24. Januar 2004 waren wir insgesamt 28 Stifterinnen und Stifter. Seither bin ich als Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Weimar mehrfach wiedergewählt worden.

Was war der Auslöser für die Gründung der Bürgerstiftung Weimar und welche Rolle spielt bürgerschaftliches Engagement für Sie persönlich?
Der Auslöser waren Debatten und Klagen über die Schließung verschiedener Einrichtungen, wie das Stadtmuseum oder das Bienenmuseum, weil die Stadt die Kosten nicht mehr übernehmen konnte. Dass hier die Bürgerinnen und Bürger aktiv werden und sich einbringen wollten, lag nahe und war Grund und Motivation zugleich, um eine Bürgerstiftung zu errichten. Da ich nicht zur Politikerin tauge, mich aber gestalterisch in die Gesellschaft einbringen will, ist eine Bürgerstiftung für mich eine gute Möglichkeit, Ziele zu erreichen und die Lebensbedingungen vor Ort ein wenig zum Besseren zu verändern.

Was macht den besonderen Reiz aus, sich für unsere Gesellschaft, für unsere Demokratie einzusetzen?
Nicht klagen, sondern selbst aktiv werden, wenn man etwas verändern will.

Auf welches Ihrer Projekte sind Sie besonders stolz und warum?
Auf alle Einrichtungen der Bürgerstiftung Weimar, die inzwischen seit vielen Jahren stabil und mit engagierten Mitarbeiterinnen laufen. Ob die EhrenamtsAgentur, der Kinder- und Jugendfonds oder „Weimars Gute Nachbarn” – sie alle füllen Lücken und decken Bedarfe, die in der Stadt sichtbar wurden. Auch das Vertrauen der Menschen, die unsere Stiftung als „Dach für bürgerschaftliches Engagement“ wahrnehmen und bei uns thematische Spenden- und Kapitalfonds anlegen oder über uns ihre Ideen umsetzen, freut mich sehr. 

Foto: René-T. Kusche
Cem Özdemir zu Besuch bei den Projekten ARRIVE und Teatime & Herz

Als Mitglied im Bündnis der Bürgerstiftungen Deutschlands ist die Bürgerstiftung Weimar Teil eines starken Netzwerkes. Was können andere Stiftungen von der Bürgerstiftung Weimar lernen?
Nach 15 Jahren Erfahrung in Weimar und einigen Jahren Erfahrung als Regionalkuratorin für Bürgerstiftungen in Thüringen kann ich ein paar Punkte nennen, die sicher eine gute Voraussetzung sind, um erfolgreiche Stiftungsarbeit zu leisten – wobei die Auflistung bestimmt nicht vollständig ist:  

  • eine Gruppe von Menschen, die sich Ziele setzt und an einem Strang zieht  
  • ein kleines Team in der Stiftung, das ohne Unterlass das „Rad drehen“ (und gleichzeitig den Nachwuchs aufbauen) muss. 
  • ein Gespür für Probleme und Bedarfe in der Stadt bzw. Region  
  • Tatkraft und Ideen, wie und mit wem man diese Bedarfe decken und die Probleme angehen und vielleicht sogar lösen kann 
  • ein Vorstand der Bürgerstiftung, der so mutig ist, auch mal „heiße Eisen“ anzufassen
  • die Bereitschaft, eine breiter werdende Basis von Engagierten, Ehrenamtlichen, Unternehmen und anderen Organisationen aufzubauen und vertrauensvoll im Netzwerk zu agieren
  • die Erfahrung, dass Trommeln zum Handwerk gehört und Öffentlichkeitsarbeit unverzichtbar ist
  • Zeit, Energie, Geld und Kraft nicht nur für die Umsetzung kurzfristiger Projekte, sondern auch dafür, die Nachhaltigkeit dieser Projekte sicherzustellen 
  • die Erkenntnis, dass Stiften und Spenden Vertrauenssache ist, die sich die Stiftung verdienen muss 

Der Deutsche Stifterpreis des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen geht in diesem Jahr an die rund 30.000 Bürgerstifter und Bürgerstifterinnen in Deutschland. Was bedeutet die Auszeichnung für Sie persönlich? 
Ich freue mich über die Auszeichnung, die so viele engagierte Stifterinnen und Stifter erreicht. Es hilft der Bürgerstiftungsbewegung, sichtbar und verstehbar zu werden. Es weckt zudem hoffentlich Interesse und bringt neue Bürgerstiftungen auf den Weg und Menschen in die bestehenden Bürgerstiftungen hinein.

Autorin

Anna Walther
Volontärin Newsroom

Deutscher Stifterpreis geht an alle Bürgerstifterinnen und Bürgerstifter in Deutschland
David Ausserhofer

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