Jeder ein Stifter

Preisverleihung auf dem Deutschen StiftungsTag 2019
Deutscher StiftungsTag
Foto: David Ausserhofer

Schließen Sie die Augen und denken Sie an eine Stifterin oder einen Stifter. Aller Wahrscheinlichkeit tauchen in dem Bild ein teures Auto, eine Villa oder andere Insignien des Wohlstands auf. Die meisten würden sagen, keine solche Person näher zu kennen. Sie würden sich irren, aber dazu gleich mehr.

Zum üblichen Bild der Wohltäter gehören nicht selten Vorbehalte, ob anlässlich der Millionenspenden für Notre Dame oder dem politischen Einfluss bestimmter Stiftungen. Die Gesichter der Superreichen werden manchmal sogar mit einem Narrativ über die Aushöhlung der Demokratie verbunden.

Schlüssel zur Wiederbelebung der Demokratie

Zum Glück erzählt die Wirklichkeit eine völlig andere Geschichte: In über fünfhundert deutschen Städten gibt es inzwischen Bürgerstiftungen, und ihre schätzungsweise 30.000 Stifterinnen und Stifter können sich jetzt den Deutschen Stifterpreis in die meist ganz durchschnittlich große Wohnung hängen. Es ist für die Weltverbesserer vielleicht ein Moment vergleichbar dem Jahr, als das TIME Magazine nicht mehr einen Spitzenpolitiker als „Person des Jahres“ auszeichnete, sondern mit einem spiegelnden Titelbild „You“, uns alle, auf die Bühne hob.

Wie manches, was früher Wenigen vorbehalten war, ist auch das Stiften heute für alle zugänglich geworden. Die Engagierten bringen nicht immer Geld, sondern auch Zeit und Ideen ein. Es ist die Nähe, die Vertrauen schafft, sowohl zueinander als auch zu den Förderprojekten, die nur wenige Straßen weiter stattfinden. Und es ist genau diese Nähe, die auch ein Schlüssel zur Wiederbelebung der Demokratie ist.

Die Kleinen sind die Großen

Das „Vertrauensbarometer“ von Edelman ist so etwas wie ein Gutachten zum Zustand der Demokratie. Es zeigt seit Jahren schwindendes Vertrauen in ferne politische Institutionen, neuerdings aber auch Mut machende Trends. Nicht nur die jüngere Generation denkt wieder politischer. Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen tun sich in Nachbarschaften, im Unternehmen, in lokalen Diskussionsforen oder eben in Bürgerstiftungen zusammen, um ihr Umfeld auch politisch mitzugestalten. Eine Trendwende? Noch nicht ganz, aber mehr als ein zartes Pflänzchen.
 
Die Wohltäter, das sind jedenfalls nicht mehr die Anderen, das kann jede und jeder sein. Und das Engagement addiert sich. Würde man das Engagement mit Mindestlohn bezahlen, könnte keine Großstiftung auch nur annähernd aus ihren Vermögenserträgen das finanzieren, was jeden Tag im "Stiften von unten“ passiert. Die Kleinen sind die Großen.

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