Michael und Emad
Bild: Lena Guntenhöner
Michael (li) und Emad

Name des Mentees:
Mohammad Emad Tahmasebi, aber die meisten nennen mich Emad.

Name des Mentors:
Michael Seibt.

Wann und wo habt ihr euch kennengelernt?
Michael:
Zuerst kannte ich nur seinen Namen, kennengelernt haben wir uns dann bei der Auftaktveranstaltung für das Programm “Ich will!” Anfang letzten Schuljahres. Da wurden alle neuen Patenschüler und Paten eingeladen und miteinander bekannt gemacht. Die Tandems standen da schon fest. Sie wurden von Seiten der Stiftung ausgewählt und zugeordnet. Wir haben dann bei einem ersten Treffen gemeinsam überlegt, wie wir die Patenschaft angehen wollen. Die erste größere gemeinsame Aktion war dann ein gemeinsames Kochen zusammen mit den anderen Patenschülern und Paten, das von der Stiftung organisiert wurde.

Wie habt ihr überhaupt von dem Programm erfahren?
Emad: Frau Zinser und Frau Ün [Anmk. d. Red.: die Projektleiterinnen] kamen in unsere Klasse und haben das Programm vorgestellt. Anderen Schülern war das zu langweilig oder die haben gesagt, dass sie dafür keine Zeit haben, das wär‘ nur Quatsch. Aber für mich klang das spannend, weil ich noch nicht weiß, was für einen beruflichen Weg ich mal einschlagen möchte. Da habe ich jemanden gesucht, der mehr Erfahrung hat als ich und das war eben mein Pate.

Michael: Ich hatte von dem Programm durch eine Zeitungsanzeige erfahren. Das klang interessant. Weil ich kurz vor meinem Ruhestand war, habe ich dann bei der Stiftung angerufen. Dadurch kam das Ganze ins Laufen.

Wo standet ihr am Anfang, als ihr euch kennengelernt habt?
Emad: Ich war damals Ende 7. Anfang 8. Klasse an der Sekundarschule Gellershagen. Meine Schulnoten waren immer noch relativ gut, aber mit Deutsch hatte ich ein bisschen Probleme, mit dem Schreiben, Rechtschreibung und Grammatik. Mein Pate ist ja ehemaliger Deutschlehrer, der hilft mir da aus.

Michael: Das stimmt, ich habe mal eine Lehrerausbildung gemacht, war dann aber 30 Jahre in der Wohnungswirtschaft Referent für Öffentlichkeitsarbeit.

Was macht ihr, wenn ihr euch seht?
Emad: Wir treffen uns meistens wöchentlich, außer einer hat einen wichtigen Termin. Wir gehen in ein Café, trinken etwas, reden über den Alltag, machen ein bisschen Deutsch. Michael hat mir auch die Geschichte von Bielefeld gezeigt.

Michael: Inhaltlich haben wir zwei Schwerpunkte, würde ich sagen. Einmal arbeiten wir an seinem Deutsch. Beim Verstehen von Texten, aber auch beim Schreiben, da ist noch Luft nach oben. Emad hat ja das Ziel, Abitur zu machen. Deshalb nehmen wir uns zwei-dreimal im Monat irgendeinen Text vor. Das kann ein Zeitungstext sein oder eine Kurzgeschichte oder zum Beispiel auch ein Text von der Homepage eines Bielefelder Wohnungsunternehmens, das Ausbildungs- oder Praktikumsplätze anbietet. Diese Texte zu lesen ist das eine, sie zu verstehen das andere. Und nochmal was Anderes ist es, sie in eigenen Worten in schriftlicher Form zusammenzufassen. Das zweite, was ich für wichtig halte, ist zu gucken: Was ist eigentlich Bielefeld? Ihm die Stadt näherzubringen, in der er lebt, aber auch ein Verständnis für das, was hier so los ist.

Welche Herausforderungen habt ihr gemeinsam und wie gemeistert?
Michael: Bisher hatten wir keine Schwierigkeiten. Die Patenschaft läuft richtig gut. Wichtig ist, dass Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit gegeben sind. Das funktioniert super.

Welche Rolle hat das Mentoring-Programm dabei gespielt?
Michael:
Von Emad, aber auch von anderen Patenschülern war es ein Wunsch, auch mal etwas zusammen zu unternehmen. Noch einmal zusammen Kochen oder Bowling zum Beispiel. Oder eine Tagesfahrt nach Berlin. Ich hatte zufällig gesehen, dass es im Bundestag auch Führungen für Jugendliche gibt. Emad ist politisch ja sehr interessiert und engagiert. Er ist Schulsprecher und Delegierter der Sekundarschule Gellershagen in der Bezirksschüler*innenvertretung Bielefeld. Was wir aber nicht wollen, ist einfach nach Berlin fahren, nur um zu gucken, wie schön die Stadt ist. Ein bisschen Inhalt muss schon sein.

Wo steht ihr heute? Was macht ihr jeweils und was verbindet euch bis heute?
Emad:
Heute bin ich Ende 8. Anfang 9. Klasse. Beruflich weiß ich noch nicht genau, wo ich hinwill. Mit gefallen handwerkliche Berufe, aber ich würde auch gerne etwas Politisches machen. Uns verbindet, dass wir beide gern Fleisch essen ...

Michael: ... und wir trinken gern Kaffee, unterhalten uns gern über Politik

Emad: … und Geschichte

Michael: … ja vor allem auch über das aktuelle Tagesgeschehen. Das war für mich überraschend, dass ein Interesse an aktuellen Fragen da ist, das kann Lokal- oder Weltpolitik sein. Wenn es ein Bedürfnis gibt, darüber zu sprechen, dann machen wir das.

Über die Mitgliedsorganisation:

Das Förderprogramm „Ich will!“ der Wolfgang und Regina Böllhoff Stiftung fördert insgesamt rund 60 Schülerinnen und Schüler der 8. bis 10. Klasse. Es versteht einen guten Schulabschluss und einen erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben als Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben und besteht aus drei Säulen: einem facettenreichen Förderprogramm, individuellen Patenschaften und schließlich bedarfsgerechtem Förderunterricht. Die ehrenamtlichen Patinnen und Paten begleiten je einen Jugendlichen individuell über einen Zeitraum von drei Jahren und fördern vor allem die persönliche Entwicklung des Schülers bzw. der Schülerin.

Weitere Informationen: www.boellhoff-stiftung.de
Text: Lena Guntenhöner

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Foto: Kzenon - adobe.stock

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