ThinkLab Deutscher Stiftungen

Gemeinsam denken
© Bild: Marcus Gruber

Zusammen denken, gemeinsam handeln Wie können Stiftungen kollaborativ neue Strategien entwickeln?

Behandelte Themen

ThinkLab 2020

Digitalisierung, Globalisierung, und Klimawandel - längst sind die Veränderungen, die wir heute erleben, nicht mehr einzeln nachvollziehbar, sondern mehrdeutig, unbeständig und komplex. Bisherige Lösungsansätze und klassisches Expertenwissen stoßen zunehmend an Grenzen. Auch Stiftungen suchen neue Strategien, um die Herausforderungen des sich rasant wandelnden Umfeldes zu managen. Was können Kollaboration und Agilität hier leisten? Das ThinkLab 2.0 will den Versuch wagen: Gibt es Erfahrungen mit agilen und reflexiven strategischen Ansätzen? Wie schnell lernen wir aus unseren Fehlern? Wo sind unsere Laboratorien, um Neues zu erproben – und wie kommunizieren wir die gesammelten Erfahrungen im Sektor? Sicher ist: Strategisches Handeln in Zeiten von Beschleunigung und zunehmender Komplexität setzt voraus, dass wir uns abstimmen und neue Allianzen bilden. Wir müssen mehr Kollaborationen wagen – zwischen Stiftungen aber auch über Sektoren hinweg.

ThinkLab 2019

Demokratieförderung ist traditionell ein Thema gemeinnütziger Stiftungsarbeit. In zahlreichen Projekten und Aktionen vermitteln Stiftungen Grundregeln von Demokratie und Pluralismus. Gesellschaftliche Forderungen nach Transparenz, Partizipation und Mitbestimmung werden als Ausdruck einer mündigen Demokratie unterstützt.

Aber wie stehen Stiftungen nach innen zu solchen Fragen? Welche Formen interner Mitbestimmung werden in der eigenen Organisation auch selbst praktiziert? Welche Rolle spielen Betriebsräte oder andere Formen der Arbeitnehmervertretung? Wie durchlässig sind Hierarchien? Hinsichtlich beratender oder kontrollierender Gremien stellen sich ebenfalls Fragen: Wie werden sie besetzt, und wie ist ihre Mitsprache geregelt?

Auch nach außen befinden sich Stiftungen in einem gesellschaftlichen Spannungsfeld: Kritiker des gemeinnützigen Stiftungswesens stellen dessen Legitimation in Frage und kritisieren Stiftungen als privilegierte Eliten ohne demokratische Kontrolle im Kreise überkommener Autoritäten. Wie erklären Stiftungen ihre innere Verfasstheit und ihr Handeln nach außen? Wie verhalten sie sich gegenüber gesellschaftlichen Forderungen nach Transparenz?

In ihrer Arbeit richten sich Stiftungen in der Regel an bestimmte Gruppen der Gesellschaft, entscheiden über Förderungen von Anträgen und beziehen Externe in Handlungsansätze ein. Doch inwieweit werden die Angesprochenen in die Ausgestaltung der an sie adressierten Projekte mir einbezogen? Wie dürfen die Zielgruppen mitreden oder können gar mitentscheiden?

ThinkLab 2018

Wie lassen sich kluge Köpfe werben, gewinnen, weiterentwickeln und binden?

Stiftungen sind beliebte Arbeitgeber, auf Ausschreibungen erhalten sie eine hohe Zahl von Bewerbungen. Die Aussicht, sinnvoll und sinnstiftend zu arbeiten, wirkt attraktiv. Doch nicht die Quantität der Bewerbungen, sondern das Kompetenzprofil exzellenter Mitarbeiter/innen ist ausschlaggebend für erfolgreiche Stiftungsarbeit, die heute mehr als Fachkompetenz erfordert: Strategieentwicklung, sektorenübergreifende Zusammenarbeit und Soft Skills sind hier nur einige Stichworte. Kluge Köpfe müssen aber nicht nur gewonnen werden, sie formulieren auch selbst Erwartungen an potentielle Arbeitgeber: Fortbildungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten, Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben sowie ein Umfeld zukunftsorientierter Führung.

Neues Selbstverständnis junger Führungskräfte

Für viele Stiftungen sind das neue Themen. Teils, weil man sich bislang angesichts der großen Zahl von Bewerbungen komfortabel gefühlt und nicht mit den neuen Anforderungen und dem veränderten Selbstverständnis junger Führungskräfte beschäftigt hat. Teils, weil schlicht die finanziellen oder personellen Ressourcen fehlen. Einige große Stiftungen haben eine hauseigene Personal- und Führungskräfteentwicklung aufgebaut, doch insgesamt stellt sich vielen Stiftungen die Herausforderung, wie sich die klugen Köpfe werben, gewinnen, weiterentwickeln und binden lassen?

Aus diesem Grund will sich das ThinkLab Deutscher Stiftungen im dritten Lab institutionsübergreifend mit der Frage befassen, wie zukunftsorientierte Führung und Führungskräfte- / Personalentwicklung im Stiftungssektor aussehen sollte. Welche Kompetenzen und Instrumente gibt es bislang im Stiftungsbereich? Welche Netzwerke wären hilfreich? Wo wären Kooperationen und Wissenstransfer möglich? Welche Unterstützung brauchen gerade kleinere und mittlere Stiftungen?

ThinkLab 2017/2018

Wie verändert die Digitalisierung den Denkraum, Arbeitsort und Impulsgeber Stiftung?

Das zweite Lab steht unter dem Fokusthema Digitalisierung. Mit Methoden der Strategischen Vorausschau (Strategic Foresight) werden Szenarien für Stiftungen in der digitalisierten Welt 2030 erzeugt, um die Fernorientierung zu verbessern. Die erzeugten Szenarien werden als Windtunnel herangezogen, um mögliche Konsequenzen für Arbeit, Zweckverwirklichung und Zielerreichung von Stiftungen aufzuspüren und systematisch mögliche Handlungsoptionen zu generieren. Ziel ist nicht die Erarbeitung einer Vision oder Vorhersage, sondern die Schärfung des Blicks für die Bandbreite möglicher Entwicklungen und Identifikation von proaktiven und robusten Gestaltungsansätzen für das Wirken von Stiftungen in einem sich verändernden Umfeld.

Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen "die da oben" bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren. Nicht der Anspruch auf Wahrheit, sondern das Aussprechen der "gefühlten Wahrheit" führt im "postfaktischen Zeitalter" zum Erfolg", so begründete die Gesellschaft für deutsche Sprache die Wahl dieses Begriffs zum Wort des Jahres 2016.

Doch was bedeutet die hinter dem Begriff "postfaktisch" stehende Veränderung in Politik und Gesellschaft für die Arbeit von Stiftungen? Ergeben sich neue Handlungsfelder oder müssen bisherige Ansätze neu ausgerichtet werden? Erleben wir nur einen kurzfristigen Trend, oder sollten sich Stiftungen intensiver damit auseinander setzen, wie der Überlagerung oder gar Verdrängung der Realität durch die Behauptung begegnet werden sollte?   

Und was bedeutet dies bei der Definition und Ansprache von Zielgruppen, insbesondere, wenn die Zahl derer weiter zunimmt, die vorgeben "das Establishment" abzulehnen und deshalb jegliche Ansprache verweigern?


Lesenswert

Dr. Gereon Schuch über das ThinkLab Deutscher Stiftungen. Der Beitrag "Stiftungsarbeit neu denken" ist in der Stiftung & Sponsoring 05.17 erschienen.