Lucy Bernholz: Welche Folgen hat die Digitalisierung für die Zivilgesellschaft?

Unsere Demokratie
CC BY-NC 2.0 / © Henning Schacht / Digital Summit 2019

Die Digitalisierung bedeutet einen tiefgreifenden Wandel der Gesellschaft. Durch die Digitalisierung gewinnen Daten für alle Lebensbereiche eine immer größere Bedeutung. Doch wie Daten funktionieren und welche Folgen sie auf zwischenmenschliche Beziehungen haben, hätten die Menschen bis heute nicht verstanden, so Lucy Bernholz. Dies betrifft auch den Nonprofit-Bereich und darunter den Stiftungssektor.

Wesentlich wird die Digitalisierung durch staatliche Infrastruktur und Digitalunternehmen bestimmt. Aus Bernholz Sicht kann daher nicht von einer zwangsläufigen Demokratisierung durch die Digitalisierung gesprochen werden, da diese stets durch Überwachung und Monopolisierung gefährdet sei. Als Garanten für eine Demokratisierung sieht sie eine starke Zivilgesellschaft und einen starken Stiftungssektor, die gemeinnützige digitale Infrastruktur jenseits von Staat und Marktinteressen entwickeln müssen.

Lucy Bernholz ist Senior Research Scholar am Stanford University Center on Philanthropy and Civil Society, wo sie das Digital Civil Society Lab leitet. Sie untersucht die Schnittstelle von Philanthropie, (digitale) Technologie und Zivilgesellschaft. Sie ist Herausgeberin des BLUEPRINT, in dem sie seit zehn Jahren analysiert, welchen Einfluss digitale Technologien auf den 3. Sektor haben. Ihre Schwerpunkte sind derzeit digitale Abhängigkeiten und Datenpolitik.

Am Rande des Digital Social Summit vom 21. und 22. Februar in Berlin sprachen wir mit Bernholz über ihre Keynote zum Thema  "Digitale Zivilgesellschaft: Ihre Verantwortung und Rolle". Lesen Sie hier das englischsprachige Interview: "From analogue civil society to digital civil society – what does this mean for philanthropy?"

 

Aktuelle Beiträge
Stiftungsrecht

Das neue Stiftungsregister

Teil 3 der Beitragsserie "Das neue Stiftungsrecht einfach erklärt".

Mehr
Globales Engagement

Gemeinsam stärker in Europa und weltweit

Immer mehr Stiftungen denken globaler, tauschen grenzübergreifend Wissen aus, kooperieren bi- oder multinational.

Mehr
Geschlechtergerechtigkeit

Die Kraft der Frauen

Auch zum 100. Jubiläum des internationalen Frauentages gibt es in Sachen Gleichberechtigung noch viel zu tun. Nur langsam ändern sich Jahrhunderte alte Gesellschaftsstrukturen von Machtverteilung und Diskriminierung. Wie es gehen kann, zeigt die erfolgreiche Arbeit der Vicente Ferrer Stiftung zur Stärkung der Frauen im ländlichen Indien.

Mehr

Mehr zum Thema

Unsere Demokratie

„Wir haben uns etwas sagen zu lassen“

Als im Mai dieses Jahres der Afroamerikaner George Floyd von einem Polizisten getötet wurde, erklärte sich das Stadtmuseum Berlin als eine von wenigen Stiftungen in Deutschland offen solidarisch mit der weltweit aufkommenden #BlackLivesMatter-Bewegung. Im Gespräch erklären Direktor Paul Spies und Diversitäts-Agentin Idil Efe, wie sie ihr eigenes Haus bunter machen wollen.

Mehr
Unsere Demokratie

Oh wie Ostdeutschland – Impulse aus der Zivilgesellschaft

Trotz oder gerade aufgrund der Covid19-Pandemie wird deutlich, dass es einer starken und vielfältigen Zivilgesellschaft bedarf. Die Initiative Zukunftslabor Ost setzt sich für langfristige Partnerschaften und nachhaltiges demokratisches Engagement in Ostdeutschland ein.

Mehr
Unsere Demokratie

Die verbindende Kraft von Dialog und Begegnung

Religionen motivieren Menschen, sich für andere und die Gemeinschaft einzusetzen. Sie können aber auch gesellschaftliche Konflikte, Abgrenzung und Intoleranz gegenüber Andersdenkenden und -gläubigen befeuern. Was können kirchliche und religionsnahe Stiftungen konkret für gesellschaftlichen Zusammenhalt tun? Über Ansätze der Stiftung Weltethos und der Hanns-Lilje-Stiftung habe ich mit Lena Zoller und Christoph Dahling-Sander gesprochen.

Mehr