Patenschaftsprogramm "Chancenpatenschaften"

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Ausschreibung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen:

Patenschaftsprogramm "Chancenpatenschaften" – Will sich Ihre Stiftung beteiligen?

Frist 3. September 2018

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend startet im Herbst 2018 das Patenschaftsprogramm "Chancenpatenschaften". Alle Mitgliedsorganisationen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen haben die Möglichkeit, sich daran zu beteiligen. Ihre Interessensbekundung dafür muss bis zum 3. September 2018 beim Bundesverband eingegangen sein.

Hier erfahren Sie mehr über den Inhaht des Programms, die finanzielle Ausstattung sowie die Rahmenbedingungen für Ihre Teilnahme.

Viele Kinder und Jugendliche brauchen Unterstützung, um später einmal auf eigenen Füßen stehen und am gesellschaftlichen Leben aktiv teilnehmen zu können. Eltern, Familie und soziales Umfeld bieten oft nicht genügend Rat und Hilfe und es fehlen Vorbilder für den eigenen Bildungsweg. Hier können Bezugspersonen helfen, die ihnen zur Seite stehen, Türen öffnen, Mut machen und vor allem bei Übergängen – z.B. innerhalb des Schulwesens, zur Ausbildung, zum Job – helfen.  Fehlen Kindern und Jugendlichen solche Bezugspersonen, führt dies für sie zu geringeren Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe und für unsere Gesellschaft schließlich zu weniger Bildungsgerechtigkeit und zur weiteren Spaltung.

An dieser Stelle setzt das neue Patenschaftsprogramm "Chancenpatenschaften" des BMFSFJ an. Patenschaften sind ein effektiver Weg, um zwischenmenschliche Kontakte aufzubauen und so Menschen darin zu unterstützen, ihre Fähigkeiten zu erkennen und zu nutzen. Zahlreiche Stiftungen arbeiten deshalb bereits erfolgreich mit diesem Instrument. Dieses Engagement soll mit Hilfe des Programms gestärkt und durch die systematische Förderung von Vernetzung und Wissensaustausch sowie eine verlässliche Infrastruktur auf ein besseres Fundament gestellt werden.

Bereits seit Anfang 2016 fördert das Bundesfamilienministerium unter dem Titel "Menschen stärken Menschen" ein Programm, bei dem Bürgerinnen und Bürger eine Patenschaft für einzelne junge Menschen oder eine Familie übernehmen. Und dies mit weitreichendem Erfolg: Bisher wurden 50.000 Patenschaften zur Integration von Geflüchteten gefördert.

Aus diesem Grund wird die Förderung fortgesetzt und jetzt um zusätzlich 40.000 Chancenpatenschaften für mehr Teilhabegerechtigkeit ausgeweitet.

  • Das Patenschaftsprogramm adressiert schwerpunktmäßig junge Menschen bis 27 Jahre – es gibt jedoch keine starre Altersbegrenzung. Konkreten Bedarfen älterer Menschen  kann mit einem passenden Konzept entsprochen werden.
  • Besonders sollen Jugendliche angesprochen werden, die noch keinen oder nur über einen niedrigen Bildungsabschluss verfügen und unter schwierigen individuellen Bedingungen leben müssen – zum Beispiel in einer Familie, die von Hartz IV oder mit nur einem Elternteil lebt –, die einen Fluchthintergrund haben oder bereits straffällig geworden sind.
  • Engagierte Patinnen und Paten sollen den Mentees die Tür zu mehr Teilhabe am soziokulturellen Leben öffnen und damit einen großen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration leisten.
  • Bildungspatenschaften:
    Kinder: Lesepatenschaften, Hilfe beim Schulübergang
    Jugendliche: Hilfe beim Schulabschluss, Übergang in Ausbildung/weiterführende Schulen
    Junge Erwachsene: Fortbildungen, Schulabschluss nachholen, berufliche Eingliederung
    Migrantinnen und Migranten aller Altersgruppen: Sprachförderung, Schulabschluss, berufliche Eingliederung
  • Niedrigschwellige Patenschaften für alle Gruppen, z.B. Freizeitunternehmungen wie Theaterbesuche, Sport, Stadterkundungen etc.
  • Hilfe zur Selbsthilfe
  • Möglich ist auch, spezielle Patenschaftsangebote beispielsweise für Gruppen in Schulen oder Stadtteilen zu entwickeln, oder spezielle Angebote für Vorschuleinrichtungen zur Förderung der Sprachfähigkeit oder für Frauen mit Migrationshintergrund einzurichten, die wenig Deutsch sprechen oder lesen können und damit von der gesellschaftlichen Teilhabe weitgehend abgeschnitten sind

Es sind sowohl 1:1-Patenschaften als auch Gruppenpatenschaften (z.B. für eine Familie) möglich.

Wer kann an dem neuen Patenschaftsprogramm teilnehmen?

  • Teilnehmen können alle Mitgliedsorganisationen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen (das Programm wird v.a. durch bundesweit agierende Programmträger durchgeführt – einer der Beteiligten ist der Bundesverband Deutscher Stiftungen).
  • Teilnehmende Organisationen sollen Erfahrungen in der Mentoren- bzw. Patenarbeit bzw. Erfahrungen in der systematischen Arbeit mit Ehrenamtlichen (z.B. Qualifizierung von Ehrenamtlichen) haben.
  • Teilnahmebereite Organisationen brauchen ein Konzept für die Patenschaften und die Betreuung der Patinnen und Paten (kann nach Zusage der Förderung von Patenschaften noch im Detail erarbeitet werden).
  • Teilnahmewillige Organisationen müssen bereit sein, die Anforderungen zur Durchführung und Abrechnung des Programms zu erfüllen und eine entsprechende Vereinbarung mit dem Bundesverband zu unterschreiben.
  • Die Organisationen müssen bereit sein, mindestens 50 Patenschaften zu übernehmen.
  • Die endgültige Auswahl trifft der Bundesverband Deutscher Stiftungen nach Maßgabe der Förderrichtlinien des Programms sowie der vorhandenen Plätze.

Was ist eine Patenschaft?

Eine Patenschaft ist eine Vereinbarung zwischen einem Mentee und einer Patin bzw. einem Paten oder einer Gruppe (z.B. Familie, Schulklasse) und einer Patin bzw. einem Paten. Inhalt der Patenschaft sind regelmäßige Kontakte, um den Mentees individuell angepasste Unterstützung zur Verbesserung der Teilhabechancen zu geben.

Wie kommt eine Patenschaft zustande?

Dies zu organisieren ist Aufgabe der teilnehmenden Organisationen – je nach Projekt wird dies ganz unterschiedlich erfolgen (Zielgruppe bestimmen, mögliche Mentees ansprechen, Engagierte gewinnen, Matching organisieren).

Wie wird eine Patenschaft nachgewiesen?

Grundlage ist eine kurze schriftliche Vereinbarung zwischen den Beteiligten, die für den Bundesverband die Grundlage für die Auszahlung der Fördermittel ist. Wenn die Patenschaft, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr besteht, muss eine Information an den Bundesverband erfolgen und der Förderbetrag muss anteilig zurückgezahlt werden.

Wie sieht die finanzielle Förderung aus? 

  • Eine Patenschaft wird bis zu 2 Jahre lang mit einem Festbetrag von 200 Euro jährlich gefördert. Die Art der Finanzierung (Festbetrag) lässt den beteiligten Stiftungen viel Spielraum, wie sie das Geld für die Patenschaftsprojekte verwenden wollen.
  • Zwischen dem Bundesverband Deutscher Stiftungen und der teilnehmenden Mitgliedsorganisation wird ein Vertrag abgeschlossen, der Grundlage für die Weiterleitung der Mittel ist. Jede Organisation ist verantwortlich für die pünktliche und ordnungsgemäße Abrechnung der Mittel.

Wofür können die Mitgliedsorganisationen die Mittel verwenden?
Die Organisationen sind im Rahmen der finanziellen Richtlinien frei bei der Verwendung der Mittel für das Patenschaftsprogramm. Die Erfahrungen zeigen: Nicht nur die Mentees brauchen Hilfe, sondern auch die ehrenamtlichen Patinnen und Paten. Sie brauchen Austausch, Reflexion und Evaluation. Die Finanzierung des Patenschaftsprogramms ermöglicht somit in begrenztem Umfang, eine hauptamtliche Betreuung für das Patenschaftsprojekt innerhalb der Organisation zu organisieren.

Wie lange erfolgt die Förderung?

  • Es gibt noch Restmittel für das Jahr 2018 – d.h. Mitgliedsorganisationen könnten noch in diesem Jahr mit der Patenschaftsarbeit im Rahmen dieses Programms beginnen und erhalten pro nachgewiesener Patenschaft den Förderbetrag.
  • Der zweite Förderzeitraum ist 2019 – 2021.
  • Die einzelne Patenschaft wird jedoch höchstens zwei Jahre lang gefördert.

Welche Hilfe gibt der Bundesverband Deutscher Stiftungen den teilnehmenden Mitgliedsorganisationen?

  • Der Bundesverband ist für die teilnehmenden Organisationen die zentrale Anlaufstelle bei der Durchführung des Patenschaftsprojekts.
  • Er gibt Hinweise für die Verwendung und Abrechnung der Mittel und unterstützt die Mitgliedsorganisationen in der Vorbereitung der Öffentlichkeitsarbeit und bei der Gewinnung von Paten in Form von Infomaterialien, Checklisten, Musterdokumenten, Druckvorlagen etc.
  • Der Bundesverband vernetzt die teilnehmenden Mitgliedsorganisationen untereinander, unterstützt sie zum Thema Mentoren und bei der Evaluation der Patenschaften. Er hilft, den Know-How-Transfer durch praktische Tipps zu organisieren, z.B. für das "Matching" von Paten und Mentees, die Durchführung von Patenveranstaltungen, Fachvorträgen, Fortbildungen etc.
  • Der Bundesverband organisiert und unterstützt Vernetzungstreffen und Fortbildungsveranstaltungen auf regionaler oder bundesweiter Ebene.

Welche wesentlichen Verpflichtungen geht eine teilnehmende Mitgliedsorganisation ein?
Zwischen Bundesverband und teilnehmender Organisation wird eine Vereinbarung geschlossen, die vor allem folgende Punkte umfasst:

  • eine vereinbarte Zahl von Patenschaften zu organisieren, die nötigen Vereinbarungen zu treffen und dafür die Öffentlichkeitsarbeit für das Gewinnen von Patinnen und Paten und das Matching zwischen Mentees und Patinnen und Paten zu organisieren,
  • für die beteiligten Paten und Mentees Ansprechpartnerin sein, Kontakte zu Paten in der laufenden Arbeit organisieren und die Ansprechbarkeit der Organisation gewährleisten,
  • ein etwa zweimonatliches Treffen der beteiligten Patinnen und Paten für den Erfahrungsaustausch und die fachliche Weiterqualifizierung (z.B. Fachvorträge) organisieren – gern auch mit anderen örtlichen Einrichtungen, 
  • die ordnungsgemäße Abrechnung der finanziellen Mittel auf der Grundlage eines Weiterleitungsvertrags nach den Vorgaben des Programms durchführen,
  • bereit sein, sich am Erfahrungsaustausch auch auf Bundesebene zwischen den beteiligten Mitgliedsorganisationen zu beteiligen.
Birgit Radow

Stv. Generalsekretärin

Telefon (030) 89 79 47-89

Sie haben Interesse, sich an diesem Programm zu beteiligen?

Das müssen Sie bis zum 3. September 2018 tun:
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