Open Society Foundations – Willkommen in Berlin

Jordi Vaquer (links) und Patrick Gaspard (Mitte) werden mit Brot und Salz willkommen geheißen.
Felix Oldenburg
Jordi Vaquer, Patrick Gaspard und Goran Buldioski werden mit Brot und Salz in Berlin willkommen geheißen (v.l.n.r.).

Als 14-jähriger Junge musste sich George Soros vor den Nazis in Budapest verstecken. Mehr als siebzig Jahre später wählt seine Stiftung Berlin als Sitz zur Förderung einer offenen Gesellschaft. Während die Entscheidung, ein Büro zu eröffnen, bereits getroffen wurde, wurde der Umzug aller seiner mehr als 100 Mitarbeiter durch die anhaltende Gegenbeschuldigung und Verleumdung der Orban-Regierung ausgelöst. Erst vor wenigen Wochen haben die Stiftungen der Open Society Foundations eine geheime, schnelle und weltweit koordinierte Aktion gestartet, um nicht nur ihr europäisches Hub-Büro, sondern auch ihre Fördermittel zu verlagern, sowie alle Mitarbeitenden und die Familien umzuziehen.

Meiner Ansicht nach sollte dies in mindestens dreifacher Hinsicht ein transformativer Moment sein.

Erstens muss es ein Warnsignal sein. Seit Jahren erhält die Zivilgesellschaft wenig Resonanz von den politischen Entscheidungsträgern, wenn sie auf den "schrumpfenden Raum" für ihre Aktivitäten hinweist. Ein Phänomen, das sich schnell von Diktaturen zu autoritären Demokratien und vielleicht bald zu den verbleibenden offenen Gesellschaften ausbreitet. Das europäische Gebernetzwerk DAFNE veröffentlicht regelmäßig einen Wetterbericht mit einer wachsenden Zahl stürmischer Regionen und erst im vergangenen Jahr haben große Stiftungen die darauf bezogene Warschauer Erklärung abgegeben und einen gemeinsamen Fonds für Demokratie und Solidarität eingerichtet.

Zweitens ist es eine große Chance für Berlin, das zu einer großen philanthropischen Hauptstadt wird. Nicht zuletzt aufgrund seiner Nachkriegsgeschichte verfügt es über wenige eigene große Stiftungen und nur eine Handvoll Büros und Veranstaltungsräume von Stiftungen aus Gütersloh, Essen oder München. Die Open Society Foundations sind die erste von mehreren prominenten Stiftungen, die ihre Aktivitäten in Berlin ausweiten. Auch die Bill and Melinda Gates Foundation erweitert ihr Büro und britische Stiftungen überprüfen ihre Möglichkeiten sich aufgrund des Brexit hier niederzulassen.

Deshalb ist es drittens ein Moment für den Sektor in Deutschland, seine Arme zu öffnen und die neuen Kolleginnen und Kollegen willkommen zu heißen. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat ein „Willkommensprogramm“ für internationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter philanthropischer Einrichtungen, die vorübergehend oder dauerhaft nach Berlin ziehen, ins Leben gerufen. Sie ist für die Mitglieder des Verbandes kostenlos und besteht aus fünf Elementen:

  1. Willkommen im Bereich Philanthropie
  2. Rechtsberatung (spezialisierte Rechtsberatung zu Stiftungen und Gemeinnützigkeit)
  3. Mitgliedschaft (flexibler temporärer Mitgliederzugang zu Ressourcen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen)
  4. Lebens- und Familienhilfe (Freiwillige öffnen ihre Häuser, stellen Verbindungen her, geben praktische Ratschläge von der Kinderbetreuung bis zur Schule) 
  5. Orientierungskurs (maßgeschneidert und durchgeführt von der Deutschen StiftungsAkademie)

Berlin hat in seiner wechselvollen Vergangenheit viele Rollen gespielt. Die Rolle des philanthropischen Kapitals, eine verbindende Kraft zwischen Ost und West, Freiheit und Repression, könnte in den kommenden Jahren eine der wichtigsten sein.

Herzlich, Felix Oldenburg

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