Stiftungsvermögen: Nachhaltigkeit als Renditetreiber

Die Ausgangslage

Vermögensmanager von Stiftungen stehen aktuell vor erheblichen Herausforderungen. Hatten sie lange Zeit in erster Linie die Ertragsoptimierung im Sinn, um aus den Erträgen den definierten Stiftungszweck kreativ und engagiert verfolgen zu können, stehen sie heute vor der Frage, welche Investments überhaupt noch Erträge abwerfen bzw. wie das Stiftungsvermögen erhalten werden kann. Wo ist der große Hebel, um die finanziellen Voraussetzungen für eine lebendige Stiftungsarbeit auch in Zukunft zu gewährleisten? Die aktuelle Lage ist oft ernüchternd: verzinsliche Wertpapiere bringen nur noch wenig ein, das Renditeniveau von Staatsanleihen, einst ein sicherer Hafen, fällt und fällt. Lange laufende Anleihen, die vielen Stiftungen über Jahre als Renditeanker gedient haben, laufen jetzt aus. So sind selbst die Finanzchefs von Stiftungen, deren Portfolio noch vergleichsweise gut rentiert hat, inzwischen gezwungen, sich mit einer veränderten Realität auseinanderzusetzen. Die schwierige Ertragslage der Stiftungen greift weiter um sich. Und doch gibt es auf dem Kapitalmarkt noch Anlageoptionen, die reale Erträge erwirtschaften. Insbesondere nachhaltige Investments bieten bei der Anlage von Stiftungsvermögen vielfältige Chancen, die Stiftungszwecke zu verwirklichen und zusätzlich Mehrwerte für die Gesellschaft zu schaffen.

Streuung, Diversifikation und Volatilität

Die Asset Allokation institutioneller Investoren verändert sich in den letzten Jahren mit zunehmender Geschwindigkeit. Aktien und alternative Investments beanspruchen dabei einen immer größeren Anteil. Um die Ertragssituation zu verbessern, ist die Beimischung von Anlageklassen mit einem vermeintlich höheren Risiko erforderlich. Tatsache ist: Mit früheren Zeiten vergleichbare Erträge sind heute nur noch sehr schwer und mit deutlich komplexeren Portfolien zu erreichen. Tatsache ist aber auch: Viele Millionen Euro an Stiftungskapital suchen derzeit nach neuen, erweiterten Anlagemöglichkeiten.

Naheliegende Strategie in dieser Situation ist eine breitere Diversifikation der Vermögensanlage. Die Möglichkeiten im Anlageuniversum wachsen, Stiftungen sollten die erweiterten Gestaltungsspielräume aktiv, aber überlegt nutzen. Dies erfordert mehr Expertise und Zeit für Planung, Analyse und Umsetzung.

Trotz der positiven Diversifikationseffekte steigt jedoch auch das Volatilitätsrisiko an. Obgleich immer schon präsent, gewinnt es in einem breit gestreuten Portfolio an Gewicht. Hinzu kommt, dass Investments in Sachwerte wie Immobilien für viele kleinere Stiftungen gerade im kirchlich-diakonischen Bereich schwierig sind. Zwei Drittel aller Stiftungen in Deutschland verfügen über ein Stiftungskapital, das unter 1 Mio. Euro liegt. Wollen sie erfolgreich diversifizieren, sind sie vor allem auf Aktienfonds angewiesen.

Nachhaltigkeit als Renditetreiber

Hier bieten sich für Stiftungen vielfach nachhaltige Fonds an, die in den vergangenen Jahren immer größere Marktanteile erobern konnten. Nachhaltiges Investieren und verantwortungsvolle Geldanlage sind inzwischen keine Nischenthemen mehr, sondern bestens etabliert. Nachhaltiges Investieren entlang relevanter Umwelt- und Sozialthemen sowie den Kriterien verantwortungsvoller Unternehmensführung ist keine Modeerscheinung. Es ist ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft. Durch ein sinnvolles Management unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien im Auswahlprozess können sogar zusätzliche Erträge generiert werden. Das Ziel gerade für Stiftungen muss daher lauten, ein optimiertes nachhaltiges Portfolio zu schaffen.

Zu erreichen ist eine entsprechende Portfoliorevision über die Zwischenschritte einer strategischen Asset Allokation, auf die quantitative sowie qualitative Selektionen folgen. Wesentliches Fundament einer revidierten Portfoliokonstruktion ist stets eine nachvollziehbare Investmentphilosophie. Gerade bei Stiftungen ist es naheliegend, deren Kernkriterien am festgelegten Zweck der Stiftung zu orientieren.

Doppelte Rendite für Stiftungen besonders attraktiv

Womit wir bei der doppelten Rendite wären: Hierbei handelt es sich um Anlageformen, die neben der finanziellen auch eine gesellschaftliche, sozial-ethische oder ökologisch Rendite bringen. Dieser nachhaltige Ansatz des verantwortungsvollen Umgangs mit Geld ist für Stiftungen besonders interessant, wenn die gesellschaftliche Rendite der gewählten Anlageform auch zum Stiftungszweck passt. Es geht um Kapital und Wirkung. Geld besitzt Macht. Platziert man sein Geld nachhaltig, kann man neben guten Renditen auch eine nachhaltige Entwicklung fördern.

Zu dem finanziellen Ertrag des Investments treten als Wirkungsbeschleuniger die positiven Impulse der gewählten Anlageform für die Gesellschaft. Im Idealfall kann sich das Investment sogar mit dem Stiftungszweck decken. Dann ist häufig von „Mission Investment“ die Rede. Ein schönes Beispiel für „Geld mit Sinn“, eine „Sinnvestition“, wie eine prägnante Wortschöpfung dazu lautet.

 Deutliche Korrelation zwischen nachhaltiger und finanzieller Performance: Der neue Best-in-Progress-Ansatz

Dass nachhaltige Fonds gegenüber konventionellen Anlagen eine schlechtere Performance haben, ist ein Vorurteil, das durch Studien seit längerem widerlegt ist. Inzwischen reichen die Erkenntnisse weiter: Jüngere Untersuchungen belegen, dass viele Unternehmen eine besonders gute Performance genau in der Phase erzielen, in der sie ihr Handeln und Wirken klar definierten Nachhaltigkeitszielen anpassen. Die Kunst ist, herauszufinden, welche Unternehmen sich mit Aussicht auf Erfolg auf einem nachhaltigen Entwicklungspfad befinden. Eine umfassende Nachhaltigkeitsanalyse sehen wir als notwendige Ergänzung zur klassischen Finanzanalyse, um diese Unternehmen aus der Vielzahl der Investitionsmöglichkeiten zu selektieren. Durch diese Auswahl können z.B. Ausfall- und Reputationsrisiken deutlich minimiert werden. Die Evangelische Bank hat drei Stufen der Nachhaltigkeitsanalyse in ihren mehrstufigen Investmentprozess implementiert: Das Anlageuniversum wird anhand von harten Ausschlusskriterien (z.B. Produktion von geächteten Waffen oder Tolerierung von menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen) um die ethisch nicht nachhaltigen Titel reduziert. Basis für diese Ausschlusskriterien sind in der Regel die unterschiedlichen Geschäftsfelder eines Unternehmens. Darüber hinaus wird das Universum zusätzlich auf schwache ESG-Ratings und ESG-Kontroversen sowie auf schwaches CO2-Management überprüft und um weitere Titel reduziert (ESG = environment, social, governance). Im Mittelpunkt der ESG-Bewertung steht das einzelnen Unternehmen in seiner Gesamtaufstellung.

In einem weiteren quantitativen Selektionsprozess werden Nachhaltigkeitskriterien wie das MSCI ESG-Rating und das ESG-Momentum berücksichtigt, um somit ein breit diversifiziertes nachhaltiges Portfolio aufzustellen. Ziel der Anwendung des ESG-Momemtum ist es,  Unternehmen zu selektieren, die deutliche Fortschritte bei der Berücksichtigung und Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien in ihrer Unternehmensphilosophie aufweisen. MSCI hat auf Basis des ESG-Score und des ESG-Momentum Portfolien konstruiert und deren Performance untersucht. Sowohl Tilt-Strategien (Best-of-Class-Ansatz), als auch Momentum-Strategien (Best-in Progress-Ansatz) erzeugen deutlichen Mehrwert für den Kunden.

Quantitative Strategien generieren nicht nur Outperformance. Sie sorgen im Falle einer Value-Fokussierung durch höhere Dividendenrenditen für kontinuierliche Cashflows.

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Autor
Michael Hepers
Direktor Institutionen
Evangelische Bank