Den Unternehmergeist in Schwellenländern fördern

Michael Gottschalk

Drei Fragen an ...

Michael Mronz, Vorstandsvorsitzender der Westerwelle Foundation

Die Westerwelle Foundation wurde im Dezember 2013 von dem 2016 verstorbenen FDP-Politiker und früheren Bundesaußenminister Guido Westerwelle gemeinsam mit dem Internet-Unternehmer Ralph Dommermuth gegründet. Im Zentrum ihres Wirkens steht der Mittelstand als Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell. Mit ihren Projekten – dem Young Founders Programme und den Westerwelle Start-up-Häusern – will die Stiftung Chancen für junge Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern schaffen. 

Herr Mronz, mit der Westerwelle Foundation führen Sie seit 2016 das Westerwelle Young Founders Programme durch. Was bewirkt dieses Programm für junge Gründerinnen und Gründer und wo kann es noch besser werden?

Guidos Ursprungsgedanke war, das Erfolgsmodell des deutschen Mittelstands auch in anderen Regionen der Welt, insbesondere in Schwellenländern, wachsen zu lassen. Dabei stellt der Begriff "Mittelstand" für mich mehr als eine Wirtschaftskategorie dar. Mittelstand ist ein Gesellschaftsmodell für Aufstieg, aber auch für politische Stabilität. Der Weg dorthin führt über möglichst viele, möglichst erfolgreiche Gründungs- und Unternehmensideen.

Mit dem Westerwelle Young Founders Programme setzen wir genau da an. Wir fördern junge Gründerinnen und Gründer aus Schwellen- und Entwicklungsländern, die schon erste Erfolge verbuchen konnten, ihr Geschäftsmodell erfolgreich am Markt getestet haben und nun bereit für den nächsten Schritt sind. Wir wissen, dass herausragende Ideen, ja selbst eine gute Geschäftsidee und ein engagiertes Team oftmals nicht ausreichen, um sich dauerhaft zu bewähren. Deshalb wollen wir die Gründerinnen und Gründer in unserem Programm weiterbilden und ihnen globale Netzwerke eröffnen. Konkret heißt das beispielsweise, dass wir unseren Fellows erfahrene Unternehmerinnen und Unternehmer für ein Jahr als Unterstützung zur Seite stellen. Außerdem laden wir sie zur Westerwelle Young Founders Konferenz nach Berlin ein, wo sie an Workshops und Trainings teilnehmen und sich mit Investorinnen und Investoren austauschen können. Hier nehmen sie viel Input zu zentralen unternehmerischen Skills mit und knüpfen auch Kontakte zu Gleichgesinnten.

Gerade weil wir mehrfach die Rückmeldung erhalten haben, dass dieser Austausch mit anderen Gründerinnen und Gründern aus aller Welt etwas ganz Besonderes für die jungen Leute ist, bauen wir derzeit das Peer-Mentoring im Programm aus. Hierbei geht es darum, dass sie ihr Know-how noch stärker miteinander teilen und sich somit gegenseitig helfen, um Herausforderungen zu meistern. Und weil die Nachfrage nach dem Programm enorm ist, werden wir das Budget dafür im kommenden Jahr verdoppeln und so jährlich 50 junge Menschen fördern.  

2018  werden Sie in Ruanda ein Existenzgründerzentrum eröffnen. Was wollen Sie tun, um für junge Menschen in dem ostafrikanischen Land zu schaffen?

In Kigali, der Hauptstadt Ruandas, gibt es schon seit einigen Jahren eine spannende Start-up-Szene, in die sich insbesondere junge Menschen einbringen. Diesen Unternehmergeist wollen wir fördern, um so die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu unterstützen und noch mehr Chancen für Menschen zu schaffen. Dies entspricht auch dem Gedanken von Guido, die Demokratie durch unsere Stiftungsarbeit zu stärken.  

In unserem Westerwelle Start-up-Haus können junge Gründerinnen und Gründer deshalb nicht nur in einem Coworking Space arbeiten. Sie werden auch an Workshops zum Finanzmanagement oder Marketing teilnehmen, Rechtsfragen mit einem Anwalt besprechen oder einen Buchhaltungsexperten konsultieren können. Das Westerwelle Start-up-Haus soll so zur zentralen Anlaufstelle für junges Unternehmertum werden und die lokalen Strukturen ergänzen und unterstützen. Damit wird es uns als Vorbild für weitere Start-up-Häuser dienen.

Welche Rolle spielt das Thema Digitalisierung im Rahmen Ihrer Stiftungsarbeit?


Die Digitalisierung verändert den Alltag der Menschen auf rasante Weise und schafft gleichzeitig neue Geschäftsmodelle – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Entwicklungs- und Schwellenländern. Durch die Globalisierung kommen neue Technologien schneller in diesen Regionen an. So wird es möglich, mithilfe von Smartphones und dem Internet innovative Lösungen für jahrzehntealte Herausforderungen zu entwickeln.   

Start-ups, die diese Chancen der Digitalisierung nutzen, um in ihren Heimatländern Innovationen voranzutreiben, unterstützen wir. So sind im diesjährigen Westerwelle Young Founders Programme zum Beispiel herausragende Agritech-Entrepreneurs vertreten, die Software und Apps einsetzen, damit in der Landwirtschaft höhere Erträge erzielt und neue Märkte eröffnet werden können. In solchen Bereichen sehen wir großes Innovationspotenzial.

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Die Fragen stellte:

Dr. Annette Kleinbrod

EZ-Scout der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Entsandt an: Bundesverband Deutscher Stiftungen

Telefon (030) 89 79 47-83