Else Kröner-Fresenius Stiftung: Auszeichnung für die Arbeit von „Apotheker ohne Grenzen“ im Slum von Buenos Aires

Dr. Carina Vetye-Maler bei der Ausgabe von Medikamenten im Gesundheitszentrum
© Simone Utler
Dr. Carina Vetye-Maler bei der Ausgabe von Medikamenten im Gesundheitszentrum

Seit 2010 hat die Else Kröner-Fresenius Stiftung (EKFS) den Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit bereits sechsmal vergeben. Es ist ein mit 100.000 Euro dotierter Preis, mit dem Initiativen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung für notleidende und kranke Menschen in Ländern, die auf der Liste der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit (ODA) genannt werden, ausgezeichnet und unterstützt werden.

In diesem Jahr steht die Prävention und Bekämpfung nicht-übertragbarer Krankheiten im Fokus der Preisverleihung, die seit 2015 als weltweit häufigste Todesursache genannt werden. Dazu zählen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen und psychische Störungen. In Entwicklungsländern sterben jährlich bis zu 30 Millionen Menschen an solchen Krankheiten.

Im Interview berichtet Frau Dr. Judith von Heusinger, Projektleiterin medizinisch-humanitäre Entwicklungszusammenarbeit der EKFS.

"Mein Herz geht auf, wenn ich sehe, dass Eltern wieder genesen und für ihre Kinder selbst sorgen können. Ich freue mich auch darüber, dass mit diesem Preis die Apothekerarbeit gewürdigt wird, zumal die Stifterin Else Kröner Fresenius ebenfalls Apothekerin war."
Dr. Carina Vetye-Maler, Projektleiterin, Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V.
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Frau Dr. von Heusinger, warum hat sich die Else Kröner-Fresenius-Stiftung in diesem Jahr für das Projekt von Frau Dr. Carina Vetye-Maler in Argentinien entschieden?
Die EKFS zeichnet mit dem diesjährigen Preis die kontinuierliche Arbeit des Vereins „Apotheker ohne Grenzen“ mit Patienten aus, die an nicht-übertragbaren Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Adipositas und Fettstoffwechselstörungen leiden. Durch das langjährige humanitäre Engagement ist es gelungen, mitten im Slum von Buenos Aires ein Leuchtturmprojekt aufzubauen, das für die Ärmsten der Armen qualitativ hochwertige medizinisch-pharmazeutische Versorgung kostenlos zur Verfügung stellt. Das Projekt gewährt seit über zehn Jahren langfristigen Zugang zur Gesundheitsversorgung und konnte so nachweislich die Anzahl der Todesfälle und die Folgeschäden aufgrund kardiovaskulärer Erkrankungen der Patienten im Einzugsgebiet des Gesundheitszentrums verringern.

Wie ist das Projekt aufgesetzt?
Seit 2008 kooperiert der Verein „Apotheker ohne Grenzen“ mit dem städtischen Gesundheitszentrum Villa Zagala in einem Armenviertel in Buenos Aires. Vornehmlich fehlt es im Slum an Standardmedikamenten, aber auch an Beratungsleistungen durch Fachpersonal. Slum-Bewohner verfügen meistens über informelle Jobs ohne Krankenversicherung – ein Grund, weshalb es dort keine Hausärzte gibt. Das Gesundheitszentrum ist die erste und wichtigste Anlaufstelle für Kranke. Dort hat Frau Dr. Vetye-Maler die Apotheke aufgebaut, die sie mit sechs ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen betreibt, um die erkrankten Bewohner mit den überlebensnotwendigen Medikamenten zu versorgen. Die Stadt kann diese nicht bereitstellen.

 

Was wird außer Arzneimitteln in diesem Gesundheitszentrum noch angeboten?

Unterstützend werden von der Projektleiterin von Apotheker ohne Grenzen diverse Präventionsprogramme, u.a. auch für Kinder und Schwangere, angeboten. Das Engagement von mehreren Ärztinnen, Krankenschwestern und einer Hebamme, die dort für wenig Geld arbeiten und der unermüdliche Einsatz von Frau Dr. Vetye-Maler hat die Kommission beeindruckt.

Sie fördern das erste Mal ein Projekt in Argentinien. Was hat zu der Entscheidung geführt?
Das Projekt von Dr. Carina Vetye-Maler unterscheidet sich von vielen anderen Programmen der Entwicklungszusammenarbeit, die extern konzipiert und von außen aufgesetzt werden – und daher nicht immer zu den tatsächlichen Problemlagen vor Ort passen. Frau Dr. Vetye-Maler besitzt zwei Staatsbürgerschaften, die deutsche und die argentinische. Sie ist in Argentinien aufgewachsen und erst nach einem erfolgreich abgeschlossenen Studium nach Deutschland gekommen. Das Preisträgerprojekt profitiert von ihrem Wissen über gesellschaftliche und politische Strukturen sowie Problemlagen Argentiniens, auf die sie dank ihrer Lokalexpertise gezielt reagieren kann.

Wie passt dieser Preis zur medizinischen Entwicklungszusammenarbeit in das Gesamtförderungskonzept der Stiftung?
Mit Hilfe des Else Kröner Fresenius Preises für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit 2018 wird „Apotheker ohne Grenzen“ zusätzlich benötigtes ärztliches Personal und fehlende Medikamente bis zum Jahr 2021 mitfinanzieren können. Diese Zielsetzung deckt sich mit unseren Förderschwerpunkten im humanitären Bereich, nämlich der Unterstützung der medizinischen Aus- und Weiterbildung weltweit sowie der Verbesserung der Patientenversorgung in Entwicklungsländern.

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Autorin
Dr. Annette Kleinbrod

EZ-Scout der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
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